Wandern mit Rädern: Wie gut ist der Rollstuhlweg in Hahnenklee?
Der rollstuhlgerechte Weg zum Oberförster-Herrmann-Müller-Weg ist ausgeschildert. Foto: Roß
Breite Wege, schöne Ausblicke und kaum Steigungen: Die GZ testet den Rollstuhlwanderweg in Hahnenklee bis zum Oberförster-Denkmal.
Hahnenklee. Beim Altmeister des „Hannoverschen Schweißhundes auf kalter Fährte“ liegt das Ziel. So jedenfalls steht es geschrieben auf dem Denkmal des Oberförsters Hermann Müller. Er hat sich im frühen 20. Jahrhundert um die Zucht dieser Jagdhunde und den noch jungen Kurort so verdient gemacht, dass sie ihm in Hahnenklee eine Würdigung aus Stein gesetzt haben.
INFOS ZUR TOUR
Länge: Hin- und Rücktour rund 5 Kilometer, Verlängerung zur Hexenbank rund 1 Kilometer, zur Pissin-Hütte 2 Kilometer.
Schwierigkeit: leicht, meist eben, nur wenige geringe Steigungen, geeignet für alle Altersklassen und Rollstuhlfahrer.
Anfahrt: Mit Auto, Bus oder Rad zum Hahnenkleer Kurhaus.
Varianten: kombinierbar mit vielen anderen Wanderrouten, die in Hahnenklee starten. Es gibt auch einen Rundwanderweg Hexenbank (7,6 Kilometer).
Einkehrmöglichkeiten: Proviant sollte im Rucksack vorhanden sein. Gaststätten gibt es erst nach der Rückkehr in Hahnenklee.
Doch nicht nur das: Ein besonderer Wanderweg im Oberharzer Kurort führt direkt zum Denkmal des Oberförsters – ein Rollstuhlwanderweg. Die GZ hat ihn unter die Lupe und die Räder genommen.
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Ob für Rollstuhlfahrer, Biker, Eltern mit Kinderwagen oder Kinder mit Tretrollern: Im Harz kann das Naturerlebnis schnell mal zum holprigen Abenteuer werden, wenn der Untergrund nicht passt.
Start mit kleiner Suchaufgabe
Der Hahnenkleer Rollstuhlwanderweg startet am Kurhaus, dem „Zentralen Treffpunkt“, wie ein Schild über etlichen Wegweisern verkündet. Aber wo bitte geht es zum Oberförster-Hermann-Müller-Denkmal? Weder der Zielort noch die im Internet angepriesene rollstuhlfreundliche Strecke dorthin sind ausgewiesen.

Der Wegweiser am Hahnenkleer Kurhaus zeigt etliche Routen auf. Hinweise auf einen Rollstuhlwanderweg sucht man jedoch vergebens. Foto: Roß
Dann also digital: Auf hahnenklee.de gibt es eine Wegbeschreibung: Über den Kurhausweg geht es 200 Meter in Richtung Rathausstraße, dann links in den Granetalweg, der nach weiteren 300 Metern in den Oberförster-Hermann-Müller-Weg mündet.
So gut ist der Weg wirklich
Hier zeigt sich wieder einmal: Die Hahnenkleer gehen gern auf Nummer sicher. Damit niemand falsch abbiegt, haben sie gleich den ganzen Weg zum Denkmal nach Schweißhund-Ikone Müller benannt. Unterwegs sind dann auch Schilder mit Rollstuhl-Symbol und dem Hinweis „Wanderweg“ zu entdecken. Ja, hier sind wir richtig.
Der Weg sei „eben und ohne Probleme mit dem Rollstuhl zu befahren“, heißt es in der Internetbeschreibung.

Das ein oder andere Schlagloch gilt es im Ort zu überwinden. Foto: Roß
Okay, bis zum Ortsausgang müssen ein paar ordentliche Schlaglöcher umkurvt werden. Doch sobald der Asphalt unter Füßen oder Rädern von Waldboden abgelöst wird, ist das vorbei. Die Strecke ist gut ausgebaut: Ein breiter Weg, der sich zunächst kurvig durch einen dichten Tannenwald schlängelt.
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Doch schon nach kurzer Zeit lichtet sich das Dickicht und ein fantastischer Blick auf die Harzer Berge eröffnet sich dem Wanderer. Und diese Berge sind tatsächlich noch gut bewaldet und nicht vollends vom Borkenkäfer kahlgefressen, wie an vielen anderen Stellen des Harzes.
Aussicht, Ruhe und ein Denkmal
Während der Tour laden einige Bänke zum Ausruhen und Ausspannen ein. Die Sonne begleitet den Wanderfreund – wenn sie denn scheint – auf dem Rest des ebenen Weges bis zum Müller-Denkmal. Einen besonderen Punkt mit Retro-Charme passiert man kurz vorm Ziel.

Eine Unterarm-Kühlung mit Retro-Charme: Laut Hinweisschild stammt der Wassertrog aus dem Jahr 1981. Einen neuen Anstrich könnte er vertragen. Foto: Roß
1981 hat der Harzklub dort einen Wassertrog zum Kühlen der Unterarme aufgestellt – und das Wasser plätschert noch immer.
Am Denkmal angekommen, gibt es viel zu entdecken: Geschichte zum Beispiel. Und Geschichten: So soll sich Oberförster Hermann Müller als erster ehrenamtlicher Kurdirektor Hahnenklees den Namen der Liebesbank ausgedacht haben, Ursprung des heutigen Liebesbankweges.

Die Langeliether Grabenhütte bietet Schutz und Informationen über den Oberförster. Foto: Roß
Auch den Skisport soll er als einer der Wegbereiter mit in den Harz geholt haben. Die Langeliether Grabenhütte steht seinem Denkmal direkt gegenüber. Das Holzhäuschen bietet Schutz bei schlechtem Wetter und/oder Tische sowie Bänke für eine Rast.
Lohnen sich die Zusatzstrecken?
Der Bocksberg mit seinen Attraktionen ist gut zu erkennen. Bei gutem Wetter kann man in Richtung Norden sogar bis nach Salzgitter schauen, glaubt man der installierten Info-Tafel.

Gerade Wege, und (teilweise) grüner Harzer Wald: Der Ausblick am Oberförster-Hermann-Müller-Weg. Foto: Roß
Das 1939 eingeweihte Oberförster-Denkmal selbst versucht eher, mit rauem Charme und zeitgenössischer Deutschtümelei zu überzeugen – wer es mag...

Am Ziel: Das Oberförster-Hermann-Müller-Denkmal kommt mit robustem Charme daher. Geehrt wurde der Altmeister des "Schweißhundes auf kalter Fährte" im Jahr 1939. Foto: Roß
Allerdings hat der Harzklub Hahnenklee sich vergangenes Jahr vorgenommen, den Platz rund um das Denkmal neu zu gestalten: mit sieben Ahorn- und vier Apfelbäumen. Die jungen Gewächse, die den Oberförster in Zukunft einrahmen, sind gepflanzt und von Schutzzäunen umgeben. Jetzt müssen sie nur noch wachsen.

Der Hahnenkleer Harzklub hat eine Reihe junger Bäume rund ums Denkmal gepflanzt. Foto: Roß
Nach ausreichender Lektüre über Hahnenklees Kurdirektor und Waidmann der ersten Stunde kann man noch weiter auf dem Rollstuhlwanderweg. Laut Online-Wegbeschreibung geht es links zur Pissin-Hütte (zwei Kilometer), rechts zur Hexenbank (ein Kilometer).
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Wer noch Lust aufs leichte Wandern hat, sollte das tun. Der Weg bleibt jederzeit gut passierbar. Allerdings sind die beiden angepriesenen Ziele nicht gerade die Highlights der Tour.
Das taugen Hexenbank und Pissin-Hütte
Die Pissin-Hütte wird als „gemütlicher Platz zum Picknicken und Entspannen“ beworben. Ja, das kann man beides machen. Es gibt im Inneren sogar eine Holzliege für den Powernap im Grünen. Allerdings steht die kleine Hütte an einer Weggabelung, die im Vergleich zum Hermann-Müller-Denkmal wenig Lust macht, sich dort lange aufzuhalten.

Die Pissin-Hütte kann ebenfalls barrierearm erreicht werden. Foto: Roß
Dass es an der Hexenbank, dem anderen empfohlenen Zielpunkt, einen „wundervollen Ausblick auf Harzer Berge“ zu erleben gibt, wie in der Beschreibung zu lesen ist, stimmt leider nicht. Vielleicht war es mal so, allerdings hat sich die Natur die Sichtachsen mittlerweile zurückgeholt. Aber ein Blick auf Harzer Buschwerk und junge Bäume hat ja auch etwas.

Der Ausblick von der Hexenbank ist vor allem etwas für Naturfreunde. Foto: Roß
Man kann jedoch von dieser Stelle aus auf andere Wanderrouten weiterziehen, etwa talwärts nach Goslar, oder mit Einkehrschwung ins Hahnenkleer Ortszentrum – das ist aber dann nicht mehr rollstuhlgerecht. Es gibt auch einen Hexenbank-Rundweg (7,6 Kilometer). Der kürzeste und barriereärmste Weg zurück führt jedoch wieder über das Hermann-Müller-Denkmal und den gleichnamigen Weg.
Für wen sich die Tour eignet
Fazit: Der Weg vom Hahnenkleer Kurhaus zum Oberförster-Müller-Denkmal ist behindertengerecht, mit Kinderwagen oder anderen Gefährten locker zu schaffen und für Personen jeden Alters geeignet, die einigermaßen fit sind. Ein netter kleiner Familienausflug, der mit einer fantastischen Sicht auf die Berge belohnt wird. Wer weiter laufen möchte, kann die Tour sehr gut verbinden, etwa mit dem Liebesbankweg oder einer Talwanderung nach Goslar. Die erweiterten Ziele (Hexenbank, Pissin-Hütte) könnten einen neuen Anstrich und ein paar Gestaltungsideen vertragen.
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