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Krieg in Nahost

Was der Iran-Krieg für Schiffe und Häfen bedeutet

Die maritime Logistik rechnet mit Umwegen und höheren Kosten. (Archivbild)

Die maritime Logistik rechnet mit Umwegen und höheren Kosten. (Archivbild) Foto: Sina Schuldt/dpa

Kreuzfahrtschiffe stecken fest und Frachter fahren Umwege. Die Eskalation in Nahost hat auch Folgen für die maritime Wirtschaft hierzulande.

Von Lukas Müller, Mirjam Uhrich und Lennart Stock, dpa Montag, 02.03.2026, 15:40 Uhr

Hamburg/Bremen. Der Iran-Krieg hat weltweite Folgen. Auch norddeutsche Schifffahrts- und Logistikunternehmen sind von Auswirkungen betroffen. Der Vorsitzende der Industrie- und Handelskammern Nord, André Grobien, sagte, die Störungen im Schiffsverkehr führten zu steigenden Transportkosten und längeren Lieferzeiten. „Für die stark exportorientierte und logistikgeprägte Wirtschaft im Norden ist das unmittelbar spürbar.“ 

Gibt es Auswirkungen auf Kreuzfahrtanbieter?

Ja, Kreuzfahrtschiffe der deutschen Reedereien Tui Cruises und MSC Cruises können derzeit Häfen in der Golfregion nicht verlassen. Zwei Tui-Schiffe, die jeweils rund 2.500 Gästen Platz bieten, liegen in Abu Dhabi und Doha in den Häfen. Ein Schiff von MSC Cruises, das bis zu 6.300 Urlauber aufnehmen kann, befindet sich in Dubai. „Wir befolgen die Anweisungen der regionalen US-Militärbehörden, das Schiff im Hafen von Dubai zu belassen“, sagte eine Sprecherin von MSC Cruises. 

Deutschlands größter Kreuzfahrtanbieter Aida Cruises hat keine Schiffe in der Golfregion, wie eine Sprecherin mitteilte. Die Reederei habe vergangenen Sommer entschieden, aufgrund der Lage keine Reisen anzubieten.

Welche Folgen gibt es für den Seehandel?

Der internationale Seehandel ist derzeit gestört. Am Persischen Golf ist die Straße von Hormus praktisch gesperrt. Tanker kehren an der Meerenge um, wie die Schifffahrts-Analysefirma Windward berichtet. Rund ein Fünftel der globalen Öltransporte passiert täglich die Straße von Hormus. Jede Störung kann Energiepreise steigen lassen und die internationalen Märkte verunsichern. 

In der Nähe des Konfliktgebiets befinden sich weitere wichtige Seehandelsrouten. Besonders wichtig für die Containerschifffahrt ist das Rote Meer, durch das in Friedenszeiten Containerschiffe fahren, um Waren von Europa nach Asien zu bringen - und zurück. 

Windward zufolge haben Anhänger der Huthi-Miliz angekündigt, Angriffe auf die Schifffahrt im Roten Meer wieder aufzunehmen. Ist das Rote Meer nicht sicher, müssen Reedereien den weiten Umweg um die Südspitze Afrikas nehmen.

Wie reagieren die Containerreedereien?

Die Schifffahrtsunternehmen stellen Fahrten ein und ändern Routen. Die nach Transportmenge weltgrößte Containerreederei Mediterranean Shipping Company informierte Kunden darüber, dass sie Buchungen in der Region aussetze. Deutschlands größte Containerreederei Hapag-Lloyd und die dänische Reederei Maersk haben mitgeteilt, die Straße von Hormus nicht länger zu durchfahren.

Maersk fährt demnach auch nicht länger durch die Meerenge am südlichen Ende des Roten Meeres. Maersk schickt seine Schiffe wie die französische Reederei CMA CGM stattdessen um die Südspitze Afrikas. 

Welche Auswirkungen der Konflikt auf den Umschlag haben wird, ist schwer absehbar. (Archivbild)

Welche Auswirkungen der Konflikt auf den Umschlag haben wird, ist schwer absehbar. (Archivbild) Foto: Christian Charisius/dpa

 

Was bedeutet der Krieg für die norddeutschen Häfen?

Die Auswirkungen des Krieges auf die norddeutschen Seehäfen sind schwer abzusehen. Die Deutsche Presse-Agentur hat mehrere Umschlagsunternehmen kontaktiert. Keines der befragten Unternehmen teilte mit, dass es akute Auswirkungen auf den Umschlag gebe. 

Der Hamburger Hafenlogistiker HHLA teilte mit, das Unternehmen stehe im ständigen Austausch mit den Kunden. Ähnlich äußert sich der Hafenlogistiker Eurogate, der Terminals in Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven betreibt. Ein Eurogate-Sprecher sagte, Auswirkungen auf den Umschlag ließen sich derzeit nicht bestimmen. Eurogate selbst unterhalte keine Geschäftsbeziehungen mit dem Iran und den Staaten der Golfregion.

Deutschlands einziger Tiefwasserhafen für den Containerumschlag, der JadeWeserPort in Wilhelmshaven, rechnet auch vorerst nicht mit Einschränkungen. „Die relevanten Containerreedereien umfahren die Region schon seit mehreren Monaten weiträumig“, teilte eine Sprecherin mit. 

Der Krieg bereitet dem Sektor aber Sorgen. Die Branche rechne mit verschobenen Aufträgen, Stornierungen, Umwegen und dadurch höheren Transportkosten, sagte Eduard Dubbers-Albrecht vom Präsidium der Bremischen Hafen- und Logistikvertretung. 

Was sind die Auswirkungen auf den Ölimport?

Wie der Krieg den Ölumschlag in den deutschen Häfen beeinflussen wird, ist noch kaum absehbar. Als einer der größten Mineralölverbraucher weltweit ist Deutschland fast vollständig auf den Import angewiesen. Das Erdöl stammte zuletzt laut Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle vor allem aus den USA, Kasachstan, Großbritannien und Norwegen. 

Der Ölhafen in Wilhelmshaven ist einer der wichtigsten Umschlagsorte für Rohöl. (Archivbild)

Der Ölhafen in Wilhelmshaven ist einer der wichtigsten Umschlagsorte für Rohöl. (Archivbild) Foto: Sina Schuldt/dpa

Wilhelmshaven ist Deutschlands wichtigster Importhafen für Rohöl. Allein an der Umschlagsanlage des Unternehmens Nord-West Oelleitung wurden 2024 rund 22 Prozent der Gesamtimporte des deutschen Rohöls angelandet - das entsprach einer Menge von rund 18,4 Millionen Tonnen. Derzeit würden keine Ölmengen aus der Region am Persischen Golf umgeschlagen, teilte ein NWO-Sprecher auf Anfrage mit. Das sei auch nicht geplant. „Sollte es zu Versorgungsengpässen kommen, hält die Bundesrepublik Deutschland ausreichend Reserven vor“, teilte der NWO-Sprecher weiter mit.

Die maritime Logistik rechnet mit Umwegen und höheren Kosten. (Archivbild)

Die maritime Logistik rechnet mit Umwegen und höheren Kosten. (Archivbild) Foto: Sina Schuldt/dpa

Die Schifffahrt in der Straße von Hormus ist gestört. (Archivbild)

Die Schifffahrt in der Straße von Hormus ist gestört. (Archivbild) Foto: -/The Visible Earth/NASA/dpa

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