Hoffen auf die Wende - Wie 2026 für die Autohersteller wird
Nicht nur die Zentrale sieht auf diesem Bild trutzig aus, auch die Zahlen sind bei BMW robust. (Archivbild) Foto: Peter Kneffel/dpa
Bei den einen sinken die Gewinne, bei den anderen stürzen sie ab. Die Deutsche Autoindustrie ist in der Krise - doch die Prognosen für 2026 zeigen meist nach oben.
München/Stuttgart/Wolfsburg. Um drei Prozent ist der Gewinn von BMW vergangenes Jahr gesunken. Aber das sind gute Nachrichten, wenn man sie mit den beiden anderen deutschen Herstellerkonzernen vergleicht, denn bei Volkswagen und Mercedes stürzten die Gewinne um fast die Hälfte ab. US-Zölle, der scharfe Wettbewerb in China und die Unsicherheiten des Wandels vom Verbrenner zum Elektroantrieb haben die deutsche Autoindustrie durchgeschüttelt. Doch 2026 könnte es langsam wieder besser werden - sagen die meisten Prognosen und Experten.
Mit einem Gewinn von knapp 7,5 Milliarden Euro hat BMW sich an die Spitze der Hersteller gesetzt. Der VW-Konzern kam - unter anderem gebremst von der Sportwagentochter Porsche - auf 6,9 Milliarden, Mercedes auf 5,3 Milliarden.
Von einer echten Krise will Frank Schwope angesichts dieser Zahlen nicht sprechen. „Die schreiben alle noch satte Gewinne, die werden alle ihre Dividenden ausschütten“, sagt der Branchenexperte und Lehrbeauftragte an der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) Köln. „Das ist für mich keine Krise. Eine Krise ist, wenn die anfangen, keine Dividenden mehr auszuschütten und rote Zahlen zu schreiben. So weit ist es nicht.“
Permanente Restrukturierung
Dennoch ist unbestreitbar, dass die Lage nicht einfach ist. Die Branche sei derzeit in einer „permanenten Restrukturierung“, die wohl auch noch bis zum Ende des Jahrzehnts andauern werde, sagt auch Schwope. Vorübergehend seien die Gewinne auskömmlich, aber die Autobauer müssten wieder profitabler werden. Zwei bis drei Prozent Gewinnmarge wie bei VW seien auf Dauer schlicht zu wenig.
Die wollen die Wolfsburger auch möglichst schnell hinter sich lassen. Schon im laufenden Jahr wollen sie ihrer Prognose zufolge wieder mehr verdienen. Bei BMW und Mercedes sind die Margen schon jetzt höher - auch wenn BMW im laufenden Jahr einen moderat sinkenden Vorsteuergewinn erwartet.
Sparprogramme sollen helfen
Mercedes treibt dafür unter anderem sein Sparprogramm voran, ebenso Volkswagen. Die Wolfsburger hoffen zudem auf neue Modelle wie die Elektro-Einstiegsmodelle um den ID. Polo ab 25.000 Euro, der 2026 anlaufen soll. In China sollen eine ganze Reihe neuer E-Modelle speziell für den dortigen Markt anlaufen und den Niedergang des einstigen Dauer-Marktführers stoppen. Doch Konzernchef Oliver Blume betont auch: „Vor uns liegt noch viel Arbeit.“

VW-Chef Oliver Blume sieht viel Arbeit vor seinem Unternehmen. (Archivbild) Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Das betrifft auch Tochter Porsche, die gerade eine teure Kehrtwende in der Produktstrategie hinlegt. Nachdem sich der Hochlauf der Elektromobilität langsamer entwickelt als erwartet, setzt Porsche wieder stärker auf Verbrenner, was 2025 ungefähr 3,1 Milliarden kostete. Der Gewinn sackte unter anderem deshalb um mehr als 90 Prozent ab. Und auch im laufenden Jahr werden die Maßnahmen das Ergebnis um Hunderte Millionen Euro drücken.
BMW profitiert derzeit unter anderem davon, dass die Münchner ihre Strategie nicht anpassen müssen. Der iX3, das erste Auto der für den Konzern wichtigen Neuen Klasse steht seit einigen Tagen beim Händler, der i3 soll in Bälde vorgestellt werden. Fürs Ergebnis werden sie wohl erst im Laufe der Zeit größere Beiträge leisten, doch zumindest den Höhepunkt der Entwicklungskosten hat BMW schon hinter sich. Und auch weiterhin kommen die Münchner ohne große und teure Stellenabbauprogramme aus - wenn auch die Zahl der Mitarbeiter im vergangenen Jahr leicht gesunken ist - und auch 2026 weiter leicht sinken soll.
Übergangsjahre mit Aufwärtstendenz
„2026 und 2027 werden weiterhin Übergangsjahre sein. Aber ich glaube, dass es 2026 eigentlich bei allen wieder etwas besser laufen wird“, sagt Schwope. Schließlich hätten vor allem die Restrukturierungskosten die Bilanzen 2025 verhagelt, vor allem bei Porsche und damit auch bei der Konzernmutter VW. Doch die Belastungen seien damit nun weitgehend verdaut und würden 2026 nicht erneut die Bilanzen verderben. Und auch im Tagesgeschäft könnte es in diesem Jahr wieder etwas besser werden: „Die Elektromobilität dürfte etwas runder laufen“, glaubt er.
Von der EU könnte es Zugeständnisse beim Verbrenner-Aus geben. Und auch in China könnte die Talsohle erreicht sein. Mit einem Comeback der deutschen Hersteller sei dort zwar nicht zu rechnen, sagt Schwope. Aber dank neuer Modelle könnte sich der Absatz zumindest stabilisieren. Es gebe Grund zur Hoffnung, „dass dort noch nicht alles verloren ist“. Erste Früchte tragen könnten auch die Restrukturierungsprogramme bei fast allen Herstellern.

Der chinesische Automarkt ist für die deutschen Hersteller schwierig geworden, doch die Talsohle könnte erreicht sein. (Archivbild) Foto: Soeren Stache/dpa
Die besten Chancen sieht der Branchenexperte dabei für die Marke, die 2025 am schlimmsten gebeutelt wurde: Porsche. „Da bin ich sehr zuversichtlich“, sagt er. Es könnte dort schon in diesem Jahr wieder deutlich besser laufen. Eine Luxusmarke lasse sich schlicht schneller sanieren als ein Massenhersteller. Denn: „Ein Porsche-Kunde hält zu seinem Auto, ein Opel-Kunde kauft sich einen Chinesen“. Der neue Porsche-Chef Michael Leiters will den Sport- und Geländewagenbauer umfassend neu aufstellen. Die Strukturen sollen schlanker werden, auch ein weiterer Stellenabbau wird erwartet. Erste Maßnahmen hat Leiters bereits eingeleitet, im Herbst will er seine Strategie vorstellen.
Unsicherheit durch Donald Trump
Eine große Unbekannte bleibt aber bestehen: die Zollpolitik von US-Präsident Trump. „Da weiß man ja nie, was morgen oder übermorgen kommt“, sagt Schwope. „Dieses Hin- und Herschlingern der Amerikaner macht es den deutschen Herstellern natürlich nicht einfacher.“ Und auch der Iran-Krieg könnte alle Hoffnungen zunichtemachen, wenn sich der Konflikt ausweiten sollte, warnt Schwope. „Die geopolitischen Risiken sind weiterhin sehr groß und sogar noch größer geworden.“
Die USA haben dabei auch dazu beigetragen, dass BMW besser als die Konkurrenz durch das vergangene Jahr gekommen ist. Denn die Münchner haben ihren Absatz dort zuletzt gesteigert. Dabei half auch ihr US-Werk Spartanburg, das seine Produktion auf 413.000 Autos ausweitete und damit mehr als die Hälfte des Absatzes mit vor Ort gebauten Autos bediente - ein großer Vorteil angesichts der angehobenen Zölle.