Zähl Pixel
Wirtschaftsfaktor Tourismus im Harz

Experten bewerten Stärken und Schwächen der Urlaubsregion

In Städten wie Goslar halten sich viele Urlauber auf. Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftszweig für den Harz.

In Städten wie Goslar halten sich viele Urlauber auf. Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftszweig für den Harz. Foto: Stefan Schiefer

Der Tourismus im Harz ist ein starker Wirtschaftsfaktor. Experten erklären, wo sie die Stärken und Schwächen der Region sehen und äußern sich zum Image der Region.

author
Von Oliver Stade
Donnerstag, 30.04.2026, 16:00 Uhr

Harz. Der Harz gehört zu den bekanntesten Urlaubszielen in Deutschland. Experten würden sagen, er ist eine „starke Marke“. Die Ausgaben von Übernachtungsgästen betrugen allein 2023 rund 2,3 Milliarden Euro. Der Tourismus ist für die Region damit ein starker Wirtschaftsfaktor. Aber wie sehen zwei ausgewiesene Tourismusexperten und ein Drehbuchautor die Region?

In der aktuellen GZ-Beilage „Wirtschaft im Harz“ beleuchten die beiden Experten die Stärken, aber auch die Schwächen der Urlaubsregion. Professor Bernd Eisenstein, Direktor des Deutschen Instituts für Tourismusforschung in Heide und Hochschullehrer für Internationales Tourismusmanagement an der Fachhochschule Westküste in Heide, sagt etwa, der Harz mit zuletzt laut offizieller Statistik rund acht Millionen Übernachtungsgästen besitze „als innerdeutsches Reiseziel einen überdurchschnittlichen Bekanntheitsgrad“. In vielen Teilen des Harzes trage der Tourismus „maßgeblich zur wirtschaftlichen Basis bei, die für die Sicherung einer grundlegenden Lebensqualität vor Ort erforderlich ist“.
Ein Mann schaut in die Kamera.

Bernd Eisenstein Foto: Privat

Direkte Einkommensgewinne

Eisenstein ist Experte für wirtschaftliche Effekte, die vom Tourismus ausgehen: Nicht nur Gastgewerbe und Verkehrssektor würden „durch direkte touristische Einnahmen“ profitieren, „sondern vor allem auch Angebote aus den Bereichen Kultur, Freizeit, Erholung und Sport sowie aus dem Handel“, erklärt er. Die 2,3 Milliarden Euro, die Übernachtungsgäste 2023 im Harz ausgegeben haben, hätten „direkte Einkommenseffekte von etwa 720 Millionen Euro“ hervorgerufen (die Zahlen basieren auf einer Erhebung des deutschen wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr).

Touristen würden zudem dazu beitragen, den Einzelhandel, Restaurants, Freizeiteinrichtungen sowie Praxen und Kliniken zu stützen. Sie würden „besser ausgelastet und ökonomisch tragfähiger“. Eisenstein gibt indes zu bedenken, dass es zu „Beeinträchtigungen der Lebensqualität“ kommen könne, etwa durch Preissteigerungen oder „Überlastungen der Infrastruktur“. Eisenstein erwähnt auch Verkehrsbelastungen und das als unangenehm und störend empfundene Gefühl, dass „zu viele Touristen zur selben Zeit am selben Ort sind“.

Über die Stärken und Schwächen von Deutschlands nördlichstem Mittelgebirge spricht auch Professor Harald Zeiss von der Hochschule Harz in einem Interview in „Wirtschaft im Harz“. Zeiss ist Wirtschaftswissenschaftler und ein bundesweit gefragter Experte, wenn es um Urlaubsthemen und vor allem um nachhaltigen Tourismus geht. Im Klimawandel, sagt er, könnte für die Region sogar Potenzial liegen.

Während vor allem pensionierte Förster vor einiger Zeit vor den sterbenden Wäldern warnten und meinten, darunter könne der Tourismus leiden, die Urlauber würden abgeschreckt, sagt Zeiss: „Mit dem Sterben der monotonen Fichtenplantagen als Folge des Klimawandels entsteht eine völlig neue, lichtere und viel facettenreichere Natur.“ Darin liege die Chance, darin nicht eine Katastrophe zu sehen, sondern Naturerlebnisse in den Vordergrund zu stellen, etwa Wandern, Wellness und Waldbaden. Die zumeist „günstigeren Temperaturen“ würden zudem die Sommersaison verlängern. Zeiss sagt: „Dieser neue Harz hat extrem viel Potenzial.“
Ein Mann blickt in die Kamera.

Harald Zeiss Foto: Hochschule Harz

Einen Vorteil des Harzes sieht Zeiss in dessen zentraler Lage. Diese Lage verschaffe der Region „einen sehr relevanten Quellmarkt“. Das Mittelgebirge könne zudem davon profitieren, dass der demografische Wandel den Anteil der Rentner an der Bevölkerung vergrößere: Die würden reisen wollen und seien außerdem gesundheitlich und finanziell dazu in der Lage.

Weiter Bedarf an modernen Hotels

Zeiss bemängelt indes, dass ein abwechslungsreiches kulinarisches Angebot für Wanderer in der Region fehle. Der Tourismusprofessor erkennt einen weiteren Mangel: „Bus und Bahn müssen dringend optimiert werden, mitsamt lückenloser Vernetzung einzelner Verbindungen.“ Nachholbedarf gebe es auf weiteren Gebieten: Vor allem im Oberharz würden „einige mittelgroße moderne Hotels“ fehlen.

Und während mitunter zu hören ist, der Harz dürfe nicht weiter disneylandisiert werden (gemeint ist, es gebe zu viele Remmidemmi-Freizeitangebote), sagt Harald Zeiss, hilfreich seien außerdem „Touristenattraktionen mit Ganzjahresattraktivität“. Zeiss nennt als Beispiele die Westernstadt Pullman City in Hasselfelde, die Baumschwebebahn in Bad Harzburg und das Hexenreich in Rothesütte, eine Spiele- und Erlebniswelt mit Aussichtsturm. „Denn jedes neue Angebot generiert neue Urlauber, die wiederum auch für Nachfrage der Angebote und Infrastruktur rundherum sorgen“, erklärt Harald Zeiss.

Einen anderen, aber unterhaltsamen und interessanten Blick auf die Region hat Holger Karsten Schmidt. Er kennt die Region kaum, prägt ihr Image aber doch ein wenig mit. Schmidt ist ein erfolgreicher Drehbuchautor. Aus seiner Feder stammt die Figur des gutmütigen und gemütlichen Polizisten Frank Koops, der in St. Andreasberg in der beliebten ARD-Krimiserie „Harter Brocken“ Bösewichten das Handwerk legt und ihnen damit zeigt, dass sich Verbrechen nicht lohnen.
Ein Mann schaut in die Kamera

Holger Karsten Schmidt Foto: Privat

Wie Schmidt auf den Harz und seine Fernsehfigur blickt, ist aufschlussreich. Er sagt: „Ich wollte intuitiv einen Ort, der aus der Zeit gefallen ist. Der quasi auf einer langsameren Zeitschiene neben unserer Wirklichkeit existiert. Und ich fand ihn in St. Andreasberg.“

Alles geht seinen guten alten Gang

Schmidts Figur strahlt viel Wärme aus, und so fällt auch der Blick auf den Harz positiv aus. St. Andreasberg beschreibt der professionelle Geschichtenerzähler als einen Ort, „wo alles noch seinen guten alten Gang geht und die Post in Kuverts in die Häuser findet und nicht per Mail“.

Für Frank Koops habe er nach einem Ort gesucht, erklärt Schmidt, „in dem die Welt noch in Ordnung ist“, eine Welt, „in der ein Polizist seinen Dienst verrichtet, der alles tun wird, damit diese Ruhe ungestört bleibt“.

Tourismusexperten mit diesem Blick auf den Harz würden vermutlich für die Region als ein Urlaubsziel werben, das sich zum „Entschleunigen“ eignet. Das hört sich angesichts der vielen Klagen über Stress und Druck im Beruf, die heutzutage zu hören sind, nach einem großen Vorzug an. Es gibt viele Möglichkeiten, Ruhe zu finden, eine davon ist das Wandern. Dazu noch ein Tipp von Tourismusforscher Harald Zeiss. Zu seinen Lieblingstouren gehört die Strecke vom Büchenberg zwischen Wernigerode und der Stadt Oberharz am Brocken zum Kloster Michaelstein.

Über Wirtschaft im Harz

Sie finden diesen Bericht interessant und wollen mehr über die Wirtschaft in und um Goslar erfahren? Dieser Artikel ist Teil von „Wirtschaft im Harz“, dem halbjährlich erscheinenden Wirtschaftsmagazin der Goslarschen Zeitung, das Ihnen genau diese Einblicke bietet.

In der aktuellen Ausgabe geht es überwiegend um den Tourismus: Wie bewerten Experten die Milliarden-Einnahmen der Region und wo sehen sie dringenden Nachholbedarf bei der Infrastruktur und Hotelmodernisierung?

Außerdem geht es um das Image des Harzes und seine TV-Präsenz: Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt spricht über die Faszination von St. Andreasberg als Drehort für den „Harten Brocken“ und den Harz als Ort der Entschleunigung.

Neben dem Tourismus blicken wir zudem auf spannende Entwicklungen in der regionalen Industrie und weitere starke Wirtschaftszweige im Harzvorland.

Die komplette Ausgabe können Sie hier kostenlos als PDF herunterladen. Die Printausgabe von „Wirtschaft im Harz“ liegt derweil in einigen Institutionen im Landkreis Goslar aus.

Die Redaktion empfiehlt
Diskutieren Sie mit!