Das Goslarer Ratsgymnasium ist jetzt eine „Schule der Vielfalt“
Dr. Silke Köstler-Holste (l.), Stefan Bolde-Müller und Ammar Adel nehmen die Auszeichnung von Sandra Wolf (v.r.) entgegen. Foto: Abraham
Dem Goslarer Ratsgymnasium wird eine Auszeichnung verliehen – verbunden mit einem starken Signal für Offenheit, Respekt und gelebte Vielfalt in der Schulgemeinschaft.
Goslar. Das Ratsgymnasium darf sich ab sofort „Schule der Vielfalt“ nennen. In einer Feier in der voll besetzten Aula überreichte Sandra Wolf, Landeskoordinatorin des Netzwerks „Schule der Vielfalt Niedersachsen“, die entsprechende Urkunde.
Moderiert wurde die Veranstaltung von Lehrer Stefan Bolde-Müller. Schulleiterin Dr. Silke Köstler-Holste bezeichnete die Ehrung als „besonderen Moment für die gesamte Schulgemeinschaft“. Der Titel sei kein bloßes Aushängeschild, sondern mit der Verpflichtung verbunden, Vielfalt sichtbar zu machen, zu schützen und aktiv zu leben.Anmeldungen für die neuen Schulen
Fünftklässler: An den Gymnasien in Goslar wird es immer enger
Zeichen für Mut
Mit Blick auf die fast 500-jährige Geschichte des Gymnasiums zog sie Parallelen zur Reformation. Martin Luther habe Bildung für alle Menschen gefordert und so ein Zeichen für Teilhabe gesetzt. Sein Satz „hier stehe ich, ich kann nicht anders“ stehe bis heute für den Mut, sich zu seiner Überzeugung und Andersartigkeit zu bekennen.
Zugleich warnte die Schulleiterin vor Ausgrenzung und Gleichschaltung. Mit Verweis auf Erich Kästners Stück „Die Schule der Diktatoren“, das in der Vorwoche in der Aula aufgeführt wurde, erinnerte sie daran, wohin Intoleranz und Unterdrückung führen können: „Schweigen ist keine Haltung, Opportunismus ist keine Superkraft, und Uniformität ist kein Zeichen von Stärke.“
Gleicher Wert
Am Ratsgymnasium lernen rund 600 Schülerinnen und Schüler aus 16 Nationen. Unterschiede seien „keine Probleme, sondern Ressourcen“. Auch Bolde-Müller unterstrich die Bedeutung der Auszeichnung. Vielfalt bedeute, „dass Menschen unterschiedlich sein dürfen und selbstverständlich trotzdem dazugehören“. Und: „Wir wollen eine Schule sein, in der niemand übersehen wird.“ Vielfalt bedeute nicht Gleichheit, sondern gleichen Wert für alle Menschen.
Premiere im Ratsgymnasium
Ein Goslarer Theater-Lehrstück aus Kästners „Schule der Diktatoren“

Schülerin Clara Irena Brandt singt „A Thousand Years“. Foto: Abraham
Respekt statt Mauern
Musikalisch sorgte Schülerin Clara Irena Brandt mit dem Song „A Thousand Years“ für Gänsehaut, während anschließend Schülerinnen der sechsten Klasse in einem gemeinsamen Text die Vielfalt als Grundlage des Zusammenlebens beschrieben: „Eine Schule wird nicht durch Mauern groß, sondern durch Menschen, die einander mit Respekt begegnen.“Promis, Pläne, Pfalzvorhaben
Feste feiern: Goslars Ratsgymnasium rüstet zum 500. Geburtstag
Netzwerk-Sprecherin Wolf zeigte sich beeindruckt vom Engagement. Sie verwies auf steigende queer- und transfeindliche Straftaten in Deutschland und betonte, wie wichtig diskriminierungssensible Schulen seien. Denn: „Neutralität bedeutet nicht, Diskriminierung unwidersprochen zu lassen. Im Gegenteil, unser Bildungsauftrag verpflichtet uns, aktiv einzustehen für Menschenwürde, Gleichberechtigung und Schutz vor Diskriminierung.“
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