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Angriff in Schladen-Beuchte

Prozessauftakt: Frau soll Ex-Mann mit Säure attackiert haben

Zweistöckiges Haus mit braunem Dach hinter einem Holzzaun und einem Nadelbaum im Vorgarten

Der Säureangriff ereignet sich im November in Beuchte im Haus der Angeklagten an der Siedlerstraße. Foto: Leifeld

Eine 27-Jährige aus Beuchte soll ihren Ehemann mit Ameisensäure übergossen und schwer verletzt haben. Vor dem Landgericht Braunschweig beginnt am Donnerstag der Prozess.

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Von Ronja Heinemann
Dienstag, 07.04.2026, 12:00 Uhr

Beuchte. Vor dem Landgericht Braunschweig beginnt in dieser Woche ein Prozess in einem Fall, der durch seine Brutalität erschüttert: Eine 27-jährige Frau aus Beuchte muss sich wegen versuchten Mordes und schwerer Körperverletzung verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, ihren damaligen Ehemann mit hochkonzentrierter Ameisensäure übergossen zu haben – mit verheerenden Folgen.

Der Prozessauftakt ist für Donnerstag, 9. April, angesetzt. Insgesamt sind zunächst sieben Verhandlungstage geplant. Die Angeklagte befindet sich derzeit in Untersuchungshaft.

Tat nach angekündigter Trennung

Nach Darstellung des Gerichts soll sich die Tat vor dem Hintergrund einer gescheiterten Ehe ereignet haben. Zwei Wochen vor dem Angriff habe der 32-jährige Geschädigte seiner Frau mitgeteilt, die Scheidung einreichen zu wollen. Laut Anklage fasste die Frau daraufhin den Entschluss, ihn zu töten.

Als Motiv nennt die Staatsanwaltschaft finanzielle Gründe: Die Angeklagte habe eine Vermögensauseinandersetzung vermeiden und zugleich von einer Risikolebensversicherung ihres Mannes profitieren wollen.

Das Paar hat zwei gemeinsame Kinder, die zum Zeitpunkt der Tat zwei und drei Jahre alt waren. Sie hielten sich während des Angriffs nicht am Tatort auf.

Angriff im eigenen Haus

Die Tat ereignete sich am 7. November 2025 im gemeinsamen Wohnhaus. Der Mann war dort, um seine Kinder zu besuchen. Nach bisherigen Erkenntnissen lockte die Angeklagte ihn unter einem Vorwand in den Keller.

Dort soll sie sich unbemerkt genähert und ihm plötzlich Ameisensäure über Kopf und Gesicht geschüttet haben. Der 32-Jährige erlitt sofort schwerste Verätzungen. Auch die 26-jährige Beschuldigte habe Verätzungen davongetragen, da sie selbst mit der hochkonzentrierten Ameisensäure in Kontakt gekommen sei.

In panischer Reaktion habe der 32-Jährige versucht, ins Badezimmer im Erdgeschoss zu flüchten, um die ätzende Flüssigkeit abzuwaschen. Laut Anklage verfolgte ihn die Frau und versuchte, ihn daran zu hindern. Erst nachdem er sie zur Seite gestoßen hatte, gelang ihm die Flucht aus dem Haus.

Auf der Straße traf er auf einen Nachbarn, der umgehend Erste Hilfe leistete und den Notruf verständigte.

Opfer vollständig erblindet

Die Folgen des Angriffs sind dramatisch: Der Mann erlitt schwerste Verätzungen und verlor infolge der Säureeinwirkung vollständig sein Augenlicht. Aufgrund der massiven Verletzungen und der extremen Schmerzen wurde er mehrere Tage in ein künstliches Koma versetzt.

Der Fall hat in der Region bereits für große Betroffenheit gesorgt. Bereits am Tattag hatte sich gezeigt, wie gefährlich die Situation war. Der großangelegte Gefahrstoffeinsatz der Feuerwehren dauerte rund sieben Stunden.

Die Tat sorgt auch unter Ermittlern für besondere Aufmerksamkeit: Säureattacken seien im Bezirk der Braunschweiger Staatsanwaltschaft „sehr selten“, so Oberstaatsanwalt Christian Wolters. Zudem sei es „ungewöhnlich, dass eine Frau die Täterin ist.“ Häufig werde Säure von Männern eingesetzt, um Frauen zu verletzen oder zu töten.

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