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Wirtschaft im Oberharz

Clausthaler Gründungszentrum: Wo ein Maschinenbauer Parfum kreiert

Eine Drohnenaufnahme von dem Gründungszentrum in Clausthal-Zellerfeld. Zu sehen sind das Gebäude und der angrenzende Parkplatz von oben.

Das Gründungszentrum in Clausthal-Zellerfeld: 2022 eröffnet und gleich nach dem Start gut belegt. Aktuell ist nur noch eine Halle frei. Foto: Neuendorf

Das Gründungszentrum in Clausthal-Zellerfeld liefert ideale Bedingungen für Jungunternehmer. Diese Firmen haben den Sprung seit der Eröffnung 2022 geschafft.

Von Christian Wiesel Montag, 10.11.2025, 04:00 Uhr

Clausthal-Zellerfeld. Für „MAC Frischkorn“ hätte es nicht besser laufen können: Nach dem Start im November 2022 preschte das auf Veredelungen des Metalls Titan spezialisierte Unternehmen mit einem rasanten Wachstum vor, sodass schon Anfang dieses Jahres die gemieteten Räume im Gründungszentrum in Clausthal-Zellerfeld zu klein wurden. Große Werkhallen im Kreis Gifhorn wurden zum neuen Unternehmensdomizil.

„MAC Frischkorn“ ist eine der drei erfolgreichen Ausgründungen, die sich die Gründungsschmiede im Clausthaler Feldgrabengebiet auf die Fahnen schreiben kann. Die Metallhandlung fand hier ideale Bedingungen für den erfolgreichen Start ins Wirtschaftsleben, ebenso wie die aktuell ansässigen 14 Unternehmen mit ihren rund 25 Mitarbeitern davon profitieren können: drei Entwicklungsräume, sechs Produktionshallen und 22 Büros mit einer Fläche von zusammen 1200 Quadratmetern. Ergänzt von schnellem Internet, Druckern, Unterstützung bei Problemen mit Computer und Software, mietbaren Servern, Lagerflächen und Besprechungsräumen, Catering-Service und Kaffeeküchen. Untergebracht sind die Mieter in frisch weiß getünchten Räumen, Baujahr 2022. 5,4 Millionen Euro kostete das Gemeinschaftsprojekt des Landkreises Goslar und der Stadt Clausthal-Zellerfeld.

Über „Wirtschaft im Harz“

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In der aktuellen Ausgabe geht es unter anderem um:

- Innovationschancen: Das große Start-up-Potenzial im Harz durch Hochschul-Ausgründungen (zum Beispiel aus Clausthal, Wernigerode und Nordhausen).

- Wachstumstreiber: Berichte über sogenannte Hidden Champions – Unternehmen, die auf ihrem Gebiet führend sind, aber in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen werden.

- Zukunftsthemen: Wie neue Unternehmen Technologien zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen entwickeln und so auch die Region zukunftsfähig machen.

Die komplette Ausgabe können Sie kostenlos als PDF herunterladen.

Ideale Bedingungen und gegenseitige Unterstützung

Die Mieter wissen die ideelle ebenso wie die inhaltliche Förderung zu schätzen. Beratungsangebote, ein schneller Kontakt zu Banken und spezialisierten Anwälten, Netzwerkveranstaltungen mit etablierten Unternehmen aus der Region bei der Suche eines Finanziers oder Kooperationspartners – das alles zählt Geschäftsführer Samet Kibar auf. Und die in der Agricolastraße ansässigen Firmen unterstützen sich gegenseitig. Der Software-Entwickler „Nowocode“ etwa hilft seinem Nachbarn, die erforderliche Online-Plattform zu entwickeln.

Ein Büro mit mehreren Schreibtischen und Monitoren. Links steht ein Mann an seinem Schreibtisch, rechts sitzt ein anderer auf seinem Schreibtischstuhl.

Martin Nowosad (l.) und Mohab Soliman vom Softwareentwickler Nowocode fühlen sich im Gründungszentrum Clausthal-Zellerfeld wohl. Foto: Neuendorf

Oder das Ingenieurbüro Christian Mühl, das die von ihm entwickelten nicht brennbaren Papiere in den Testöfen von „MAC Frischkorn“ ausprobieren konnte. Diese Papiere bieten sich beispielsweise als Versandverpackungen für entzündliche Stoffe oder für wichtige Dokumente an, die bei Bränden nicht zerstört werden sollen.

Auch wenn der Einfluss der TU Clausthal groß und auch gewollt ist, etwa mit einer Gründerberatung speziell für Studenten, versteht sich das Gründungszentrum nicht nur als verlängerter Arm der Hörsäle und Institute: „Wir sind für alle Branchen offen, auch der klassische Handwerker mit einer speziellen Idee kann bei uns einziehen“, erläutert Kibar.

Der Parfum-Online-Shop von morgen

Selbst wer mit Bachelor, Master oder Promotion den Reihen der einstigen Bergbauakademie entstammt, kann statt Quantenmechanik oder Sinuskurven auch Sinnliches im Kopf haben: Der studierte Maschinenbauer Emil Alkountar etwa will unter dem Namen „Or Et Vin“ selbst kreierte Parfums auf den Markt bringen, es ist die jüngste Ansiedlung im Gründungszentrum. „Warum“, meint Kibar, „soll nicht einer der führenden Parfum-Online-Shops von morgen aus Clausthal kommen?“

Samet Kibar, Leiter des Gründungszentrums, steht vor einer Wand, auf der Schilder mit den Namen der Mieter angebracht sind.

Samet Kibar leitet das Gründungszentrum: Hinter ihm sind Schilder mit den Namen der Mieter zu sehen. Foto: Wiesel

Profitieren von den Angeboten des Gründungszentrums können nicht nur die ansässigen Unternehmen: Jedermann kann Lagerboxen mieten, einen Veranstaltungsraum oder einen Platz im Co-Working-Space buchen. Und für ganz kleine, von zu Hause aus arbeitende Soloselbstständige besteht das Angebot eines virtuellen Büros mit einer professionellen Geschäftsadresse.

Dass im Dunstkreis der TU Clausthal zu wenig Gründerspirit vorherrsche, weist der ausgebildete Volkswirt Kibar entschieden zurück. Neun von 14 seiner Firmen haben einen Bezug zur Hochschule und würden damit ebenso wie die Gesamtauslastung von gut 90 Prozent das Gegenteil belegen.

Jungunternehmer aus der Region

Selbst wenn gehypte deutsche Start-ups wie Trade Republic, Enpal oder Tier Mobility den Metropolen entstammen, die Bedingungen für aufstiegsorientierte Jungunternehmer seien in der Gegend zwischen Wurmberg und Wildemann besser: Aus der Relation zwischen Beratern und potenziellen Selbstständigen entstehe „ein phänomenal gutes Betreuungsverhältnis“, sagt Kibar und ergänzt: „Im Gegensatz zu anderen Regionen können wir viel gezielter Hilfestellung geben und Kontakte anbahnen.“ Etwa zu Banken, Patentanwälten oder Steuerberatern.

In der Summe seiner Vorzüge und Möglichkeiten, die es biete, sei das Gründungszentrum in Clausthal-Zellerfeld im Landkreis Goslar einmalig. „Mit unserem gebündelten Angebot wurde eine Lücke geschlossen“, erklärt der 33-jährige Leiter. „Gründer mit einer am Markt gefragten Idee finden bei uns ihr Sprungbrett, um einer der Mittelständler von morgen zu werden.“

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