Vor 25 Jahren: Toyota bringt ersten Hybrid nach Deutschland
Hässliches Entlein und Elektro-Pionier: Ob man das Design des Toyota Prius nun mag, bleibt Geschmacksache. Seine Vorreiterrolle in Sachen Elektromobilität ist aber unbestritten. (Archivbild) Foto: Toyota/dpa-tmn
Lautlos über den Parkplatz: Der Prius war 2001 der erste Hybrid auf deutschen Straßen. Was ihn so besonders machte und warum er trotzdem nie ein Verkaufsrenner wurde.
Tokio. Das Design war umstritten, doch der Antrieb sorgte von Anfang an für Aufsehen: Mit dem Prius brachte Toyota vor genau 25 Jahren das erste Auto mit Hybrid-Antrieb auf den deutschen Markt. Am 10. Februar 2001 starteten die Japaner den Verkauf des Modells in Deutschland. Heute gilt der Prius als Urvater und Wegbereiter der Elektro-Mobilität.
Erstmals konnte ein Auto zumindest kurze Strecken bei geringer Geschwindigkeit rein elektrisch fahren, bevor sich der Verbrennungsmotor zuschaltete. Entsprechend groß war das Aufsehen, wenn einer der frühen Kunden mit dem Wagen lautlos über den Supermarkt-Parkplatz glitt.
Möglich machte das der kombinierte Antrieb aus Verbrenner und Elektromotor, den Toyota erstmals in Großserie brachte. Und das zu einer Zeit, als E-Autos noch Zukunftsmusik waren und Tesla nicht einmal gegründet. An Plug-in und Ladekabel dachte damals noch niemand. Geladen wurde die Batterie durch zurückgewonnene Energie beim Bremsen. Doch das reichte, um den Spritverbrauch spürbar zu senken.
Anfangs belächelt - später ein Erfolg
Damit habe Toyota einen Paradigmenwechsel eingeleitet, sagt Branchenexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. „Es war schon ein Stück weit ein Einstieg in eine serientaugliche Elektromobilität. Sozusagen eine erste Form von Elektrifizierung.“ Und ein „absoluter Erfolgs- und Innovationsfall“ für die Marke Toyota, die bis dahin eher als grundsolide aber langweilig gegolten habe.
Der japanische Branchenprimus hatte 1995 angekündigt, mit dem Prius das erste in Serie produzierte Hybridauto der Welt zu bauen - zu einer Zeit, als in den USA Benzin billiger war als Wasser in Flaschen. Und das Modell war anfangs alles andere als ein Erfolg. Ab 1997 bot Toyota das Auto zunächst nur in Japan an, erst drei Jahre später wagte sich die Marke damit erstmals ins Ausland.
„Andere hätten ihn nach zwei, drei Jahren wohl wieder eingestellt“, sagt Bratzel. „Doch Toyota ist dabei geblieben.“ Anfangs belächelt, wurde der Prius am Ende ein Riesenerfolg - vor allem in den USA, wo Hollywood-Stars zeitweise einen Hype um den skurrilen Teilzeitstromer aus Japan auslösten.
Deutsche Hersteller halten mit Diesel dagegen
Und die deutsche Konkurrenz? Die schaute lange nur zu und tat die Innovation aus Japan als untauglich und minderwertig ab. Stattdessen setzten VW, Daimler und BMW auf den Diesel. „Man glaubte tatsächlich, mit der Diesel-Technologie die bessere Technologie zu haben“, sagt Bratzel. Der Hybrid sei anfangs schlicht ignoriert und später verspottet worden. „Das zeigt auch eine gewisse Arroganz und übertriebenes Selbstbewusstsein.“
Erst 2005, als der Erfolg des Prius in den USA angesichts steigender Spritpreise unübersehbar wurde, traten die deutschen Hersteller die Kehrtwende an - und kündigten an, jetzt doch eigene Hybride auf den Markt zu bringen. Die ersten Modelle von VW, BMW und Mercedes kamen dann aber erst ab Ende 2009, fast neun Jahre nach dem Deutschland-Debüt des Prius.
Porsche entwickelt ersten Hybrid schon 1900
Dabei war der kombinierte Antrieb aus Verbrenner und Elektro in Europa alles andere als Neuland. Schon im Jahr 1900 hatte Ferdinand Porsche auf der Pariser Weltausstellung ein Elektrofahrzeug vorgestellt. Wenig später hatte der junge Ingenieur bereits die Idee für ein Automobil mit Mischantrieb. Nach Angaben des Unternehmens unter anderem deshalb, weil die Bleiakkus immer wieder Probleme bereiten und es nahezu keine Ladeinfrastruktur gab.
Das Ergebnis: Der Lohner-Porsche Semper Vivus (Latein für „immer lebendig“). Dieses Auto verfügte über zwei Elektromotoren, die direkt in die Radnaben der Vorderräder eingebaut waren, und zwei Benzinmotoren. Die Verbrenner trieben einen Generator an, der Strom erzeugte. Das Fahrzeug gilt demnach als das erste funktionsfähige Hybridfahrzeug der Welt.

Der Lohner-Porsche Semper Vivus - hier ein Nachbau - kombinierte erstmals Elektro- und Benzinmotoren. (Archivbild) Foto: picture alliance / dpa
Wenig später gab es auch ein Serienfahrzeug - den Mixte. Durchsetzen konnte sich die Technologie aber nicht. Doch zeigt Porsche schon vor gut 125 Jahren, dass ein Hybridantrieb grundsätzlich funktionieren kann.
Audi Duo und VW Chico scheitern
Auch andere Hersteller arbeiteten schon früh daran. Audi legte ab 1989 unter dem Namen „Duo“ mehrere Prototypen auf, darunter auch schon einen Plug-in-Parallelhybrid. 1997 folgte ein erster Diesel-Hybrid, der kurz vor dem Prius-Start sogar in den Verkauf ging. Doch der 60.000 D-Mark teure Audi Duo floppte. Das Modell fand nur 100 Käufer. Es blieb bei der Kleinserie.
Die Konzernmutter VW selbst hatte schon 1991 einen Kleinwagen vorgestellt, der auch mit Hybridantrieb kommen sollte. Geplanter Start: 1995. Gebaut wurde der „Chico“ dann aber nie. Das Modell fiel 1993 dem Rotstift des damals neuen Konzernchefs Ferdinand Piëch zum Opfer.
Toyota dominiert Hybrid-Markt
Den Toyota Prius gibt es dagegen inzwischen in der fünften Generation. Mehr als 5,1 Millionen Stück wurden bis Ende 2025 weltweit verkauft, die meisten in Japan und den USA. Und er ebnete den Weg für weitere Hybridmodelle der Marke. Zwar ist der Prius inzwischen nicht mehr das meistverkaufte Modell, aber er ist weiterhin der Technologieträger der Marke. Der japanischen Wirtschaftszeitung „Nikkei Asia“ zufolge hielt Toyota Ende 2025 einen Anteil von 58 Prozent am weltweiten Markt für Hybridfahrzeuge.

Den Prius gibt es inzwischen in fünfter Generation. Mehr als 5 Millionen Stück hat Toyota von allen zusammen weltweit verkauft. (Archivbild) Foto: Toyota/dpa-tmn
Angesichts insgesamt steigender Nachfrage nach Hybridfahrzeugen - insbesondere nach der Kürzung von Subventionen für E-Autos - rechne Toyota damit, in zwei Jahren weltweit 6,7 Millionen Hybridfahrzeuge zu produzieren, nach geplanten fünf Millionen in diesem Jahr. Damit würde der Hybrid-Anteil von rund 50 Prozent auf 60 Prozent der insgesamt 11,3 Millionen Fahrzeuge steigen, die Toyota 2028 weltweit produzieren wolle, berichtete „Nikkei Asia“ weiter.
Prius bleibt in Deutschland ein Nischenmodell
In Deutschland hielt sich der Erfolg des Prius dagegen stets in Grenzen: Vom Verkaufsstart 2001 bis Ende 2025 wurden insgesamt nur knapp 40.000 Stück ausgeliefert. Weniger, als VW in einem Monat verkauft. 2025 lag die Zahl der neu zugelassenen Toyota Prius laut Kraftfahrt-Bundesamt unter 200 - im gesamten Jahr. In den besten Jahren 2007 und 2009 waren es immerhin rund 4.500 - was aber auch nur für einen Marktanteil von etwas mehr als 0,1 Prozent reichte.
Zum Stichtag 1. Januar 2025 waren in Deutschland noch 21.477 Prius zugelassen. Fast die Hälfte der bis dahin verkauften Modelle ist also schon wieder von deutschen Straßen verschwunden.