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GZ-Serie „Rauszeit“ (Teil 1)

GZ Plus Icon„Maaßener Gaipel“: Selbstgebackene Pizza auf 420 Metern Höhe

Drei Personen stehen vor einem rot-weißen Fachwerkhaus mit einem Schild und zwei Tafeln mit Texten links neben der Tür.

Volker Mehlig (v.l.), Qendrim Ramadani und Michael Tost vor der Gaststätte „Maaßener Gaipel". Foto: Schlimme

Qendrim Ramadani betreibt die Gaststätte „Maaßener Gaipel“ seit elf Jahren. Neben selbstgemachter Pizza gibt es hier Erinnerungen an die Erzförderungen.

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Von Hanna Schlimme
Sonntag, 17.05.2026, 18:00 Uhr

Lautenthal. Wird das Wetter besser, wird es wieder Zeit zum Wandern, Radfahrern oder für andere Outdoor-Aktivitäten. In unserer neuen GZ-Serie „Rauszeit“ beleuchten wir besondere Ausflugslokale im Nordharz, die nach einer Tour zum Verweilen und Genießen einladen.
Auf 420 Metern Höhe lädt die Gaststätte „Maaßener Gaipel“ zu selbstgebackener Pizza und einem Panoramablick auf Lautenthal ein. Die Gaststätte ist zu Fuß, mit dem Fahrrad und mit dem Auto zu erreichen. Für letztere zeigt ein Schild kurz hinter Lautenthal in Richtung Hahnenklee den richtigen Abzweig. Dann geht es rund einen Kilometer einen Waldweg hinauf. Zwei Schilder weisen den Weg, wenn es das Navi nicht mehr macht.

Die Gaststätte „Maaßener Gaipel" befindet sich im Wald über Lautenthal.

Die Gaststätte „Maaßener Gaipel" befindet sich im Wald über Lautenthal. Foto: GZ-Grafik

Die Gaststätte blickt nicht nur auf die weite des Harzes, sondern auch auf eine lange Geschichte zurück. Während vor der Gaststätte der Eingang zum Bierstollen und ein ehemaliges Feldgestänge mit Infotafeln zu finden sind, erinnert auch im Inneren vieles an die Vergangenheit dieses Ortes. Schilder, Bilder und Infotafeln mischen sich hier mit dem Geruch von italienischer Pizza.

Tomatenanbau gescheitert

„Sie kommen als Gast und gehen als Freunde“ prangt auf einem Schild über dem Eingang. Das hat der 35-jährige Qendrim Ramadani, der seit elf Jahren für die Gaststätte verantwortlich ist, sich fest vorgenommen. Und das hat ganz gut funktioniert, wie er im
Zwei Biergläser und zwei Pizzen auf einem Holztisch mit Blick auf bewaldete Hügel und ein Dorf im Tal.

Selbstgemachte Pizza bei einem Panoramablick auf Lautenthal. Foto: Privat

Gespräch mit der GZ berichtet. „Ich bin reich geworden an Freunden und habe viele Stammgäste aus dem Norden, die immer wieder kommen“, erzählt er stolz. Das Ramadani seine Gaststätte mit Herz und Seele betreibt, steht außer Frage. Pizzateig, Tomatensoße, und auch alles andere macht er selber. „Ich wollte eigentlich auch die Tomaten für die Pizzasoße anbauen, aber das hat hier oben nicht funktioniert“, sagt er. Auf der Karte stehen neben der beliebten Pizza auch andere Gerichte aus der italienischen Küche sowie Schnitzel und Gyros. Dazu gibt es jeden Tag drei verschiedene Kuchen. Die Pizza sei aber definitiv das beliebteste Gericht bei den Kunden.

Ramadani kommt gebürtig aus dem Kosovo. „Ich bin mit rund eineinhalb Jahren nach Emden in Deutschland gekommen, deshalb sage ich oft ich komme aus Emden“, berichtet er mit einem Lachen. Im „Maaßener Gaipel“ ist er gemeinsam mit seiner ganzen Familie aktiv. „Mein Bruder, meine Eltern und meine Frau unterstützen mich“, erzählt er.

Stempelstellen in der Nähe

Reihe aus hölzernen Biergartenbänken mit geschlossenen Sonnenschirmen auf Kiesweg im Freien.

Kürzlich erneuerte der Harzklub Lautenthal die Sitzbänke im Außenbereich. Foto: Privat

Neben den Stammkunden begrüßt Ramadani hauptsächlich Wanderer und Radfahrer in der Gaststätte. „In den vergangenen Jahren sind es auch immer mehr mit E-Bikes geworden“, beobachtet der 35-Jährige. Rund um den „Maaßener Gaipel“ gibt es drei Stempelstellen der Harzer Wandernadel, die Nummer 107 sogar direkt vor der Tür.

Die Gaststätte lockt aber nicht nur mit Stempelstellen, selbstgemachtem Essen und einem herzlichen Wirt sondern vor allem bei gutem Wetter mit den Sitzgelegenheiten im Außenbereich. Die Holzänke mit Blick auf Lautenthal wurden erst kürzlich durch den Harzklub Lautenthal erneuert.

Der Harzklub-Zweigverein Lautenthal ist seit 1980 der Besitzer des Areals,welches auf eine deutlich längere Geschichte zurückblickt, wie die Mitglieder Michael Tost und Volker Mehlig berichten.

Erzabbau seit Anfang des 17. Jahrhunderts

Die Grube Maßen wurde seit Anfang des 17. Jahrhunderts zur Gewinnung von Bleierzen genutzt. Die Erzförderung wurde im Jahr 1930 eingestellt. Das Schachtgebäude der Grube trug den Namen „Maaßener Gaipel“. Der Name setzt sich aus den Begriffen „(Pferde-)Göpel,“ mit dessen Hilfe die Schachtförderungen angetrieben wurde, und „Maaß“, ein früheres Längmaß zusammen, wie Mehlig erklärt.

Außenbereich eines Gasthauses mit mehreren Tischen und Stühlen unter Bäumen vor einem Fachwerkhaus

Die Gaststätte „Maaßener Gaipel" blickt auf eine lange Geschichte zurück. Foto: Privat

Bereits in den Jahren 1924/1925 baute der Harzklub das erste Gebäude, damals gehörte das Gelände noch der Preussag AG. „Seit 1930 dient dieses Haus dem Wohle der erholungssuchenden Fremden und der oberharzer Bevölkerung“, heißt es auf einem Schild über der Gaststätte. Von der früheren Grube ist nur noch das Feldgestänge und der Bierschacht, der zum kühlen von Bier genutzt wurde zu sehen.

Außenbereich eines Gasthauses mit mehreren Holztischen und Stühlen unter Bäumen neben einem langgestreckten Gebäude.

Der „Maaßener Gaipel" vor der Erweiterung. Erst in den Jahren 1976-1978 wurde an das Gebäude angebaut. Foto: Privat

In den Jahren 1976 bis 1978 baute der Harzklub das Gebäude aus und der hintere Teil entstand. Zwei Jahre später wurde das restliche Gelände, zu dem 14 Hektar Wald zählen dem Harzklub für eine symbolische deutsche Mark von der Preussag übereignet. Seitdem ist der Lautenthaler Harzklub der Besitzer des Areals und verpachtet die Gaststätte. Und Qendrim Ramadani schafft weiterhin einen Ort für Erholungssuchende und die oberharzer Bevölkerung gleichermaßen.

Die Pizzeria „Maaßener Gaipel“ ist von Dienstag bis Sonntag von 11.30 bis 21 Uhr geöffnet.

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