Goslarer Kriminalfall verfilmt: Missbrauch oder falsche Vorwürfe?
Der Film „Der Fall Josephine R.“ arbeitet einen Kriminalfall aus Goslar auf. Foto: ARD
Der Film „Der Fall Josephine R.“ arbeitet einen spektakulären Gerichtsprozess um eine Frau aus Goslar auf. Es ging um sexuellen Missbrauch. Aber stimmten die Vorwürfe?
Goslar. Eine junge Frau aus Goslar beschuldigt ihre Mutter, ihren Stiefvater und ihren damaligen Ehemann schwerster sexueller Straftaten. Die Eltern werden zu langen Haftstrafen verurteilt, die Mutter mit anschließender Sicherungsverwahrung. Doch früh tauchen Widersprüche auf. Die neue dreiteilige „Crime Time“-Staffel der ARD „Der Fall Josephine R. – Eine Familie am Abgrund“ rekonstruiert einen Fall, der grundsätzliche Fragen nach Glaubwürdigkeit, Ermittlungsarbeit und der Macht der Justiz aufwirft. Der Dreiteiler läuft ab dem 21. Oktober in der ARD-Mediathek und ab dem 28. Oktober im NDR-Fernsehen.
Doppelhochzeit und schwere Vorwürfe
Josephine R. und ihre Mutter hatten gemeinsam mit ihren Partnern eine Doppelhochzeit gefeiert, es soll eine Idee von Josephine gewesen sein. Einige Jahre später erhebt die junge Frau schwere Vorwürfe: Sie beschuldigt ihre Mutter und ihren Stiefvater, sie über Jahre sexuell missbraucht zu haben, berichtet von Gruppenvergewaltigungen, Folter und einem geplanten Mord. Auch ihren damaligen Ehemann Enrico beschuldigt sie sexueller Gewalt.
Die Justiz glaubt Josephine R. Die Eltern werden zu hohen Haftstrafen verurteilt, die Mutter zudem mit anschließender Sicherungsverwahrung. Josephine R. wird zur zentralen Zeugin der Anklage gegen ihre eigene Familie. Auch die Öffentlichkeit verfolgt den Fall, und die Berichterstattung zeichnet ein eindeutiges Bild.
Erste Zweifel an den Vorwürfen
Doch schon während der Ermittlungen kommen Zweifel auf. Die Kriminalpolizei stellte früh fest, dass Chatverläufe von Josephine R. zeitlich nicht mit Teilen ihrer Anschuldigungen zusammenpassen. Der damals leitende Kripobeamte, Lutz Lucht, befürchtet, die Eltern könnten zu Unrecht in Untersuchungshaft sitzen. Dennoch hält die zuständige Staatsanwaltschaft an ihrem Kurs fest.
Im Film spricht Lucht über die Ermittlungen, über seine Zweifel und Fakten, die aus seiner Sicht auf einen völlig anderen Verlauf des Geschehens hindeuteten.
Gerichtsreporter sucht nach der Wahrheit
Kriminalreporter Erik Westermann von der Braunschweiger Zeitung hat die Gerichtsverhandlungen begleitet. In der Serie blickt er auf seine eigene Suche nach der Wahrheit zurück und auf Gespräche mit Josephine R.
Erstmals erzählen zudem die Eltern exklusiv vor der Kamera von ihren nächtlichen Verhaftungen und den 684 Tagen, die sie in Haft verbrachten. Sie berichten von einer traumatischen Zeit, in der ihnen kaum jemand glaubte.
Der Film erzählt von einer Familie am Abgrund, von der Erfahrung, die eigene Freiheit zu verlieren, und von der Ohnmacht gegenüber staatlichen Institutionen. Es geht auch um die Frage, wie Wahrheit vor Gericht entsteht.
„Der Fall Josephine R.“ besteht aus drei Teilen à 30 Minuten, die im NDR Fernsehen gezeigt werden. Sie werden am Mittwoch, 28. Oktober, gezeigt. Teil eins beginnt um 22.50 Uhr, Teil 2 um 23.20 Uhr und Teil 3 um 23.50 Uhr.
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