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Ausstellung im Japanischen Palais

Von Bad Harzburg nach Dresden: DDR-Staatsteller geht auf Reisen

Der Teller aus Bad Harzburg wurde 1955 in Meißen hergstellt, als Teil des DDR-Staatsservices.

Der Teller aus Bad Harzburg wurde 1955 in Meißen hergestellt, als Teil des DDR-Staatsservices. Foto: Privat

Ein Porzellan-Teller, einst Teil des DDR-Staatsservices, gehört zwei Bad Harzburgern, wird aber derzeit in Dresden ausgestellt. Was macht ihn so besonders?

Von Redaktion Sonntag, 11.01.2026, 07:00 Uhr

Bad Harzburg/Dresden. „Die blauen Schwerter – Meissen in der DDR“ heißt die Sonderausstellung, die derzeit im Japanischen Palais in Dresden läuft. Sie erzählt erstmals die Geschichte der berühmten Meissener Porzellanmanufaktur in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – vom Wiederaufbau nach Krieg und Teildemontage bis zum Ende der DDR. Und mittendrin, als zentrales Ausstellungsstück, findet sich ein Teller aus Bad Harzburg. Er war einst Teil des DDR-Staatsservice. Doch wie kam er von dort in die Kurstadt und dann wieder zurück?

Das Objekt stammt aus den Händen von Michael und Sven Bartsch, den Betreibern des Gründerzeitmuseums Villa Charlotte in der Rudolf-Huch-Straße. „Wie häufig im (Sammler-)Leben kommen mehrere Zufälle zusammen und spinnen somit neue Geschichtsfäden“, schreiben die beiden Sammler. Während der vergangenen zwei Jahrzehnte bauten Bartschs eine Sammlung Meißener Porzellane des 18. Jahrhunderts auf, wobei ihr Interesse an Wappenservices aus mehreren Motiven besteht.
In der Bad Harzburger Villa Charlotte sieht es aus wie in der Gründerzeit. Die Betreiber des Museums sind leidenschaftliche Sammler.

In der Bad Harzburger Villa Charlotte sieht es aus wie in der Gründerzeit. Die Betreiber des Museums sind leidenschaftliche Sammler. Foto: Privat

Zum einen seien die meist adeligen Besitzerfamilien eindeutig zeitlich zuzuordnen, die politischen Hintergründe seien häufig bekannt – es handle sich oft um diplomatische Geschenke. Zum anderen habe es eine hohe Auszeichnung für den Beschenkten dargestellt, vom sächsischen Herrscherhaus ein Service zu erhalten. Ferner sei dieser Familienschatz über Generationen bewahrt und in finanziellen Notzeiten auf dem Kunstmarkt angeboten worden, sodass heute immer wieder Serviceteile wie Kerzenleuchter, Teller, Terrinen und vieles mehr mit Wappen zum Kauf angeboten würden.

Repräsentativer Charakter

Dieser Sammlerhintergrund werfe jedoch die Frage auf, wie der Wappenteller aus dem Staatsservice der DDR-Regierung in die Sammlung gelangte, denn er wurde 1955 in Meißen hergestellt. Welche Sammleridee bestand beim Erwerb? Sven Bartsch nähert sich diesen Fragen von der Motivseite: Gezeigt werden wunderschöne in Purpur gemalte Blumen, die bereits im 18. Jahrhundert von Joachim Kändler motivisch aufgetragen worden sind. Ebenfalls typisch ist der aufwendige Goldrand. In der Fahne des Tellers ist das Staatswappen der DDR, bestehend aus Hammer, Zirkel und Ährenkranz, zu sehen. Michael Bartsch ergänzt, dass dieses Blumenmotiv im 19. Jahrhundert als Aquatinta, also in Blau, im gehobenen Bürgertum sehr beliebt und entsprechend hochpreisig war. Die Gefälligkeit des Motivs und die Tatsache, als Wappenservice des 20. Jahrhunderts eingeordnet zu werden, veranlassten die Bad Harzburger Sammler in den 2010er Jahren, eine Ausnahme zu machen und ein „jüngeres“ Stück auf einem Versteigerungsportal zu erwerben.

Warum erteilte die Staatsregierung der DDR unter Otto Grotewohl den Auftrag für dieses Staatsservice? Der damalige Direktor der Meißener Manufaktur, Waldemar Wüstemann, speiste bei einem Staatsempfang von Kahla-Porzellan, woraufhin er auf die Qualität des Thüringer Gebrauchsporzellans hinwies, jedoch betonte, dass das feine Meißener Porzellan besser zur Repräsentation geeignet sei.

In Eile produziert

Seinem Ansinnen schlossen sich die beauftragten staatlichen Abteilungen an und nur fünf Tage nach der Volkskammerentscheidung über das zu verwendende Staatswappen erfolgte die Bestellung, der zu entnehmen ist, dass es schnell gehen musste, denn das Frühstücksservice sollte nach wenigen Wochen geliefert werden. Wahrscheinlich stand der Besuch eines hohen Gastes bevor. Warum der sozialistische Staat keinen „aktuellen Designer“ beauftragte und stattdessen ein großbürgerliches Motiv wählte, konnte bisher nicht ermittelt werden. Das Service befand sich im Gästehaus der DDR und wurde nach der Wiedervereinigung verkauft.

In der chronologischen Ausstellungsfolge bildet der Staatswappenteller einen zentralen Punkt in der jungen DDR.
Das Japanische Palais in Dresden von außen.

Die Sonderausstellung im Japanischen Palais in Dresden läuft noch bis 22. Februar. Foto: Pixabay

Die Staatliche Kunstsammlung Dresden erlangte Kenntnis vom Besitz des Tellers in der Villa Charlotte und fragte eine Ausleihe an. Sorgfältig verpackt, sorgten die Besitzer für den Transport nach Dresden, wo der Teller wie ein „Star“ für den Ausstellungskatalog fotografiert worden ist. Bis zum 22. Februar 2026 kann er in Dresden besichtigt werden, mittwochs bis sonntags zwischen 10 und 17 Uhr, anschließend dann wieder in der Villa Charlotte.

Im Zentrum der Ausstellung im Japanischen Palais steht das Künstlerkollektiv um Ludwig Zepner, Heinz Werner und Peter Strang. Deren bekannteste Entwürfe waren angeregt von tschechischen Trickfilmen, Inszenierungen des Berliner Ensembles oder literarischen Motiven wie 1001 Nacht.

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