Von Bad Harzburg nach Dresden: DDR-Staatsteller geht auf Reisen
Der Teller aus Bad Harzburg wurde 1955 in Meißen hergestellt, als Teil des DDR-Staatsservices. Foto: Privat
Ein Porzellan-Teller, einst Teil des DDR-Staatsservices, gehört zwei Bad Harzburgern, wird aber derzeit in Dresden ausgestellt. Was macht ihn so besonders?
Bad Harzburg/Dresden. „Die blauen Schwerter – Meissen in der DDR“ heißt die Sonderausstellung, die derzeit im Japanischen Palais in Dresden läuft. Sie erzählt erstmals die Geschichte der berühmten Meissener Porzellanmanufaktur in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – vom Wiederaufbau nach Krieg und Teildemontage bis zum Ende der DDR. Und mittendrin, als zentrales Ausstellungsstück, findet sich ein Teller aus Bad Harzburg. Er war einst Teil des DDR-Staatsservice. Doch wie kam er von dort in die Kurstadt und dann wieder zurück?
Das Objekt stammt aus den Händen von Michael und Sven Bartsch, den Betreibern des Gründerzeitmuseums Villa Charlotte in der Rudolf-Huch-Straße. „Wie häufig im (Sammler-)Leben kommen mehrere Zufälle zusammen und spinnen somit neue Geschichtsfäden“, schreiben die beiden Sammler. Während der vergangenen zwei Jahrzehnte bauten Bartschs eine Sammlung Meißener Porzellane des 18. Jahrhunderts auf, wobei ihr Interesse an Wappenservices aus mehreren Motiven besteht.
In der Bad Harzburger Villa Charlotte sieht es aus wie in der Gründerzeit. Die Betreiber des Museums sind leidenschaftliche Sammler. Foto: Privat
Repräsentativer Charakter
Dieser Sammlerhintergrund werfe jedoch die Frage auf, wie der Wappenteller aus dem Staatsservice der DDR-Regierung in die Sammlung gelangte, denn er wurde 1955 in Meißen hergestellt. Welche Sammleridee bestand beim Erwerb?Polyphon-Wechselautomat
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Warum erteilte die Staatsregierung der DDR unter Otto Grotewohl den Auftrag für dieses Staatsservice? Der damalige Direktor der Meißener Manufaktur, Waldemar Wüstemann, speiste bei einem Staatsempfang von Kahla-Porzellan, woraufhin er auf die Qualität des Thüringer Gebrauchsporzellans hinwies, jedoch betonte, dass das feine Meißener Porzellan besser zur Repräsentation geeignet sei.
In Eile produziert
Seinem Ansinnen schlossen sich die beauftragten staatlichen Abteilungen an und nur fünf Tage nach der Volkskammerentscheidung über das zu verwendende Staatswappen erfolgte die Bestellung, der zu entnehmen ist, dass es schnell gehen musste, denn das Frühstücksservice sollte nach wenigen Wochen geliefert werden. Wahrscheinlich stand der Besuch eines hohen Gastes bevor. Warum der sozialistische Staat keinen „aktuellen Designer“ beauftragte und stattdessen ein großbürgerliches Motiv wählte, konnte bisher nicht ermittelt werden. Das Service befand sich im Gästehaus der DDR und wurde nach der Wiedervereinigung verkauft.
In der chronologischen Ausstellungsfolge bildet der Staatswappenteller einen zentralen Punkt in der jungen DDR.
Die Sonderausstellung im Japanischen Palais in Dresden läuft noch bis 22. Februar. Foto: Pixabay
Im Zentrum der Ausstellung im Japanischen Palais steht das Künstlerkollektiv um Ludwig Zepner, Heinz Werner und Peter Strang. Deren bekannteste Entwürfe waren angeregt von tschechischen Trickfilmen, Inszenierungen des Berliner Ensembles oder literarischen Motiven wie 1001 Nacht.
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