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Kältehilfe

Bei Kälte auf der Straße - Wie Wohnungslose Hilfe bekommen

Wer diesen Winter auf der Straße ausharrt, muss bei eisigen Temperaturen ums Überleben kämpfen. (Archivbild)

Wer diesen Winter auf der Straße ausharrt, muss bei eisigen Temperaturen ums Überleben kämpfen. (Archivbild) Foto: Moritz Frankenberg/dpa

Knurrende Mägen, steife Finger, nasse Schlafsäcke: Wer bei kaltem Wetter auf der Straße überleben will, braucht Hilfe. Welche Angebote es gibt - und wie Ehrenamtliche alles tun, um Leben zu retten.

Von dpa Freitag, 27.02.2026, 14:20 Uhr

Hannover/Bremen. Wer bei eisigen Temperaturen auf der Straße übernachtet, kämpft ums Überleben. Dieser Winter war besonders herausfordernd - für Wohnungslose und für Hilfsorganisationen. Eine erste Bilanz für Niedersachsen und Bremen:

Welche Angebote gibt es für Wohnungslose im Winter?

Für Wohnungslose in Bremen und Niedersachsen gibt es verschiedene Angebote - von Essensausgaben, Kältehilfebussen bis hin zu Notunterkünften. Die Johanniter sind beispielsweise in Hannover, Oldenburg und Bremen bis zu dreimal wöchentlich mit Kältehilfebussen unterwegs, um abends warmes Essen, Kleidung, Schlafsäcke und Hygieneartikel zu verteilen. 

In Hannover gab das Team nach eigenen Angaben schon mehr warme Mahlzeiten aus als üblich. Bis Ende der Saison rechnen die Mitarbeitenden mit rund 9.450 Tellern.

Bedürftige in Celle können sich an die stationäre Kältehilfe wenden. „Die Resonanz hat durch die Kälte zugenommen, insbesondere kommen mehr Obdachlose mit Sack und Pack“, teilten die Johanniter mit. In Bremen ist zusätzlich alle 14 Tage ein Arztmobil unterwegs.

„Das Netzwerk ist da, wenn andere längst Feierabend haben“, betont Bremens Sozialsenatorin Claudia Schilling (SPD) und bedankt sich bei den Helferinnen und Helfern. „Es hält Angebote aufrecht bei Wind, Regen, Schnee und extremer Kälte und reagiert kurzfristig, wenn sich Situationen zuspitzen.“

Die Nachfrage nach heißen Getränken und warmen Essen ist diesen Winter gestiegen. (Archivbild)

Die Nachfrage nach heißen Getränken und warmen Essen ist diesen Winter gestiegen. (Archivbild) Foto: Shireen Broszies/dpa

Wie reagierten Hilfsorganisationen auf den besonders kalten Winter?

Die langanhaltenden eisigen Temperaturen stellten Hilfsorganisationen vor große Herausforderungen. Helferinnen und Helfer legten Sonderschichten ein, um möglichst vielen Menschen zu helfen. „In diesem Winter gab es beispielsweise in verschiedenen Einrichtungen Sonderöffnungszeiten“, teilte die Diakonie in Niedersachsen mit. 

Sozialarbeiter und Ehrenamtliche waren häufiger als sonst auf den Straßen in der Region unterwegs und sprachen schlafende Menschen an. Das sei sonst eher ungewöhnlich, teilte die Diakonie mit. Normalerweise wollen die Mitarbeitenden den persönlichen Bereich der Wohnungslosen schützen, doch diesen Winter sei die Gefahr des Erfrierens zu groß gewesen. „Auch nasse Schlafsäcke und Kleidung stellten eine große Herausforderung dar, da sie witterungsbedingt schwerer trocknen.“

Auch die Johanniter berichten, dass diesen Winter mehr Menschen als üblich um warmes Essen und Kleidung gebeten hatten. Viele Ehrenamtliche legten zusätzliche Schichten ein. „Als das Sturmtief Elli beispielsweise über Bremen zog, war das Team des Kältebusses zusätzlich jeden Abend aufsuchend im gesamten Stadtgebiet unterwegs“, sagte Tanja Schulz von der Johanniter-Unfall-Hilfe in Niedersachsen und Bremen. 

Das Team war bis mitternachts unterwegs - und rettete so Menschenleben. „Zwei Personen konnten mit starker Unterkühlung der Stadtrettung übergeben werden. Sie hätten die Nacht nicht überlebt.“

Helferinnen und Helfer legten Sonderschichten ein, um möglichst vielen Menschen zu helfen. (Archivbild)

Helferinnen und Helfer legten Sonderschichten ein, um möglichst vielen Menschen zu helfen. (Archivbild) Foto: Shireen Broszies/dpa

Wie können Wohnungslose eine neue Bleibe finden?

„Kältehilfe ist zwar lebensrettend, aber sie löst das eigentliche Problem nicht“, betonte die Diakonie. „So wichtig diese Angebote sind, muss es aber doch eigentlich darum gehen, Wohnungslosigkeit und damit eine Ursache der Obdachlosigkeit zu verhindern: und das jahreszeitenunabhängig.“

Es ist Aufgabe der Kommunen, Notunterkünfte bereitzustellen. In Bremen gibt es beispielsweise 85 Plätze für Männer, 14 Plätze für Frauen sowie 68 Plätze für Menschen mit Suchtproblemen.

Wenn andere Schwierigkeiten hinzukommen - etwa Suchtprobleme oder Gewalterfahrung - haben Volljährige Anspruch auf sogenannte „Hilfe zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten“. Sozialarbeiter beraten Bedürftige, helfen bei der Suche nach einer neuen Bleibe und vermitteln Kontakte zu Ämtern oder anderen Hilfsangeboten wie der Schuldnerberatung. Die Kosten übernimmt größtenteils das Land Niedersachsen. Laut Sozialministerium gibt das Land dafür jährlich rund 45 Millionen Euro aus.

Wie kann ich Wohnungslosen bei Kälte helfen?

„Obdachlose, die bei sehr niedrigen Temperaturen im Freien schlafen, benötigen besondere Aufmerksamkeit und Unterstützung“, betonte die Diakonie. Wenn eine Person sichtbar unterkühlt wirkt oder nicht ansprechbar ist, sollte sofort der Rettungsdienst unter 112 verständigt werden.

Hilfreich sei ansonsten, auf Kältebusse, Notübernachtungen oder Tagesaufenthalte hinzuweisen, die Schutz und Wärme bieten. „Auch Spenden tragen wesentlich dazu bei diesen Menschen in der kalten Jahreszeit Wärme, Sicherheit und Hoffnung zu schenken“, so die Diakonie.

Wer selbst aktiv werden möchte, kann sich direkt an die Hilfsorganisationen werden. Die Johanniter freuen sich etwa über weitere ehrenamtliche Helferinnen und Helfer.

Wie viele Menschen haben keine Bleibe?

Wie viele Menschen in Bremen und Niedersachsen auf der Straße leben, lässt sich schwer sagen. Allein in Hannover leben nach Schätzungen bis zu 4.500 Menschen ohne festen Wohnsitz, wie die Diakonie Niedersachsen mitteilte. Von ihnen übernachten rund 500 regelmäßig im Freien.

Verlässliche Zahlen gibt es nur dazu, wie viele Wohnungslose in Unterkünften leben. In Bremen waren Ende Januar mehr als 680 Menschen untergebracht, wie das Sozialressort mitteilte. Das niedersächsische Sozialministerium verweist auf Angaben aus dem Vorjahr: Demnach waren Ende Januar 2025 mehr als 32.900 Wohnungslose in Niedersachsen untergebracht.

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