Warum der Umweltminister im Harz eine Kartoffel pflanzt
Minister Meyer setzt eine Kartoffel in eines der Hochbeete an der Kurpromenade. Foto: Skuza
Dass Politiker symbolisch einen Baum pflanzen, sieht man oft. Etwas ungewöhnlicher ist, wenn Umweltminister Christian Meyer eine Kartoffel in die Erde setzt.
Braunlage. Jetzt ist es offiziell: In Braunlage steht nun für mehrere Monate alles im Zeichen von Nachhaltigkeit und einem Mann, der nicht nur den Ort entscheidend geprägt hat: Johann Georg von Langen. Die Schirmherrschaft für das Von-Langen-Jahr hat der niedersächsische Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz, Christian Meyer (Bündnis 90/Die Grünen), übernommen.
Wettbewerb steigt am 30. Mai
Citybiathlon auf Braunlages Neuer Mitte geht in die nächste Runde
Nachdem schon am Samstag, wie berichtet, die Kunstausstellung „Ornament und Materie II“ im Sanatorium Dr. Barner eröffnet worden war, war am Sonntag schließlich das Ski- und Heimatmuseum an der Reihe. Wobei das „Ski“ im Namen bis Oktober eigentlich gestrichen werden könnte. Die Exponate mussten weichen, damit die Ausstellung „Der Entdeckung der Nachhaltigkeit“ in den heimeligen Räumlichkeiten Platz finden konnte.
„Echtes Multitalent“
WER WAR VON LANGEN?
Johann Georg von Langen gilt als „Vater der geregelten Forstwirtschaft“. Als er Ende der 1740-er Jahre das erste Mal nach Braunlage kam, befand sich der Ort in einer tiefen Krise. Bergbau und Wälder waren erschöpft, die Bevölkerung litt unter Hungersnöten. Von Langen entwickelte Strategien, um diese Probleme zu lösen, unter anderem durch Aufforstung. Zusammen mit seinem Schüler Hans Dietrich von Zanthier, der als Jagdpage zu ihm kam, sorgte er für die systematische Bewirtschaftung der Wälder. Dabei brachte er unter anderem auch die Kartoffel nach Braunlage. me
Der 250. Todestag von Langens, erklärte Bürgermeister Wolfgang Langer bei der feierlichen Ausstellungseröffnung, solle mehr als nur ein historischer Anlass sein. Es solle vielmehr als gemeinsames Projekt verstanden werden. Johann Georg von Langen sei ein „echtes Multitalent“ gewesen, dessen Lebenswerk „weit über seine Zeit hinaus“ fortbestehe. Von Langen habe in größeren Zusammenhängen gedacht und Grundsteine für eine nachhaltige Forstwirtschaft gesetzt.

Minister Christian Meyer (v.r.), Bürgermeister Wolfgang Langer, Museumsleiter Jörg Kühnhold und sein Team führen durch die Feierlichkeiten. Foto: Skuza
Dass er die Kartoffel nach Braunlage gebracht hat, sei auch ein „Akt von enormer sozialer Wärme“, schließlich habe der Oberharz lange Zeit an Hunger leiden müssen. Am Wirken von Langens zeige sich: „Man verändert die Geschichte eines Ortes nicht mit großen Reden, sondern mit Kartoffelackern.“

Auf der Neuen Mitte steht jetzt ein Bücherschrank zum Tauschen. Foto: Skuza
Umweltminister und Schirmherr Christian Meyer hob hervor, dass es in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg keineswegs selbstverständlich gewesen sei, an kommende Generationen zu denken oder gar in Kreisläufen zu denken, wie es Johann Georg von Langen getan habe. Zu seiner Zeit sei es gängig gewesen, alles an Rohstoffen aus der Natur zu entnehmen. Für Meyer sei es eine „große Ehre und Freude“, die Schirmherrschaft über das Von-Langen-Jahr zu übernehmen.
Eröffnung am Museumstag
Das Datum der Ausstellungseröffnung am Sonntag, freute sich Museumsleiter Jörg Kühnhold, habe „wunderbar zum Internationalen Museumstag“ gepasst, auch wenn der 250. Todestag von Langens genau genommen eigentlich erst am 25. Mai ist. Die Ausstellung – und auch die kommenden Veranstaltungen – solle das Wirken von Langens den Braunlagern näherbringen. An anderen Wirkungsorten sei das Wissen darum größer. Eine gute Nachricht hatte der Museumschef am Sonntag auch zu verkünden: Mehrere Schüler hatten sich bereit erklärt, sich ehrenamtlich im Heimatmuseum zu engagieren, wodurch es eine zusätzliche Öffnungszeit geben kann. Dienstags und donnerstags können Besucher von 10 bis 12 Uhr die Ausstellung erkunden, und jetzt auch am Samstag in der Zeit zwischen 11 und 15 Uhr.

In den neuen Hochbeeten wachsen jetzt Kartoffeln heran. Foto: Skuza
Und zum Abschluss des offiziellen Teils gab es noch eine Überraschung für den Minister. Er durfte – wie könnte es anders sein – eine Kartoffel in eines der neuen Hochbeete an der Kurpromenade einpflanzen. Zuvor hatte er schon den neuen Bücherschrank enthüllt, der auf Initiative von Johannes Barner und Imke Koch nun auf der Neuen Mitte zum Büchertauschen bereitsteht.
Copyright © 2026 Goslarsche Zeitung | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.