Melek und ihre Mutter geben die Hoffnung nicht auf
Melek ist an einem Neuroblastom erkrankt – kurz zuvor hatte schon ihre Mutter eine Krebsdiagnose erhalten. Foto: Privat
Mutter und Tochter sind an Krebs erkrankt. Familie Ramic aus Goslar versucht, trotz der Belastung Hoffnung und Zuversicht zu bewahren. Eine Spendenaktion soll helfen.
Goslar. Dieser Sommer hat die ganze Familie Ramic aus Goslar ins tiefe Unglück gestürzt. Mitte Juni bekam die Mutter die Diagnose Brustkrebs. Wenige Wochen später wurde auch bei ihrer erst zweijährigen Tochter ein lebensbedrohlicher Tumor festgestellt. Melek hat ein sogenanntes Neuroblastom: Das ist ein bösartiger Tumor des Nervensystems, der vor allem im frühen Kindesalter auftreten kann. In Deutschland erkranken nach Angaben des Deutschen Kinderkrebsregisters jährlich 120 Kinder daran.
Meleks erwachsene Schwester Esmeralda hat eine Spendenaktion auf der etablierten Internet-Plattform „GoFundMe“ ins Leben gerufen. Titel: Für Melek und Mama gemeinsam gegen den Krebs. „Melek hat einen Zwillingsbruder und ist eigentlich ein unglaublich fröhliches, aufgewecktes Kind. Sie liebt es, zu spielen, zu toben und mit ihrem Bruder die Welt zu entdecken. Sie hatte eine schöne und unbeschwerte Kindheit“, erzählt Esmeralda. „Erst im Juni begann unser Albtraum.“
Zwei Krebsdiagnosen innerhalb weniger Wochen
Die Therapie ihrer Mutter umfasst Chemo, Operation, Bestrahlung, Antikörpertherapie. „Wir waren gerade dabei, diese Diagnose zu verarbeiten. Wir wollten für unsere Mutter stark sein und ihr zeigen, dass sie diesen schweren Weg nicht alleine gehen muss. Doch dann kam wenige Wochen später der nächste Schicksalsschlag. Anfang Juli veränderte sich unsere kleine Melek plötzlich.“ Müdigkeit, Bauchschmerzen, Fieber, ein dunkel geschwollenes Auge: Leider war das kein „Veilchen“ vom Toben, sondern etwas furchtbar Ernstes.
Melek kämpft seitdem tapfer. Sie hat gerade ihren dritten Geburtstag gefeiert – unter der großen Belastung einer Krebstherapie, die noch lange dauern wird.
Melek erhält Diagnose im Juli
Am 8. Juli 2026 wurde die kleine Melek in einer Universitätsklinik aufgenommen. „Dort folgten zahlreiche Untersuchungen. Als man uns schließlich sagte, dass in Meleks Körper etwas ist, das dort nicht hingehört, dachten wir zunächst an vieles. Vielleicht muss etwas operiert werden, vielleicht ist es etwas, das behandelt werden kann. Aber wir hätten niemals damit gerechnet, dass wir kurz nach der Krebserkrankung unserer Mutter erneut mit dem Wort Krebs konfrontiert werden“, berichtet Esmeralda. „Dann erfuhren wir die schreckliche Wahrheit: Unsere Melek hat Neuroblastom im Stadium vier.“
Neuroblastom hat bereits gestreut
Meleks große Schwester erläutert diese Erkrankung: „Der Tumor befindet sich im Bereich ihrer Nebenniere und hat sich bereits in andere Bereiche ihres kleinen Körpers ausgebreitet. Es wurden Metastasen unter anderem in Lymphknoten, am Schädel in der Nähe ihres Auges und im Knochenmark festgestellt. Besonders erschreckend war für uns, die Bilder und Untersuchungen zu sehen und zu verstehen, was in ihrem kleinen Körper passiert. Die Metastase im Bereich des Schädels neben ihrem Auge erklärt auch die starke Schwellung und Verfärbung, die wir zuvor gesehen hatten. Es ist unvorstellbar, wie sich das Leben innerhalb weniger Tage verändern kann. Noch kurz zuvor war Melek ein fröhliches kleines Mädchen, das mit ihrem Zwillingsbruder spielte und herumtobte. Und plötzlich besteht ihr Alltag aus Untersuchungen, Krankenhausaufenthalten und Chemotherapie.“
Trotz ihrer Diagnose möchte Meleks Familie ihr eine fröhliche Kindheit ermöglichen: Sie liebt es, mit ihrem Zwillingsbruder herumzutoben und zu spielen. Foto: Privat
Lange Behandlung steht der Familie bevor
Weil hier niemand die Köpfe hängen lässt, nimmt sich Esmeralda Ramic die Zeit und fasst den Mut, die ernste Lage in Worte zu fassen: „Wir hoffen von ganzem Herzen, dass die Behandlung gut anschlägt und der Krebs zurückgedrängt werden kann. Doch damit ist ihr Behandlungsweg noch lange nicht vorbei. Nach der Chemotherapie steht für Melek eine Operation in Tübingen an. Nach der OP folgen Bestrahlungen im Protonenzentrum in Essen. Anschließend steht für Melek eine weitere sehr intensive Behandlung an, bei der ihre eigenen Stammzellen eine wichtige Rolle spielen. Dafür werden die Stammzellen zunächst aus ihrem Blut gesammelt und später im Rahmen der weiteren Behandlung wieder eingesetzt, damit sich ihr Körper und insbesondere die Blutbildung nach der intensiven Therapie wieder erholen können. Es liegt noch ein unglaublich langer und schwieriger Weg vor unserer kleinen Melek. Und trotzdem hoffen wir jeden Tag darauf, dass die Behandlung anschlägt und wir sie irgendwann wieder gesund nach Hause bringen dürfen. Wir kämpfen für unsere kleine Melek – jeden einzelnen Tag.“
„Wir können bis heute kaum verstehen, wie innerhalb von gerade einmal zwei Monaten zwei Menschen aus unserer Familie so schwer an Krebs erkranken konnten. Wir versuchen gemeinsam, all das zu verarbeiten. Wir versuchen, stark zu sein. Vor allem aber versuchen wir, die Hoffnung zu bewahren. Diese Situation ist für uns als Familie eine enorme Belastung. Emotional, organisatorisch und auch finanziell.“
Spendenaktion soll Familie entlasten
Familie Ramic hat Menschen erlebt, die ihnen zuhören und Anteil nehmen. Auch weil diese positive Erfahrung Hoffnung macht, gibt es diese Spendensammlung im Internet. Es geht nicht um Mitleid, es geht um finanzielle Hilfe.
Esmeralda Ramic zum Ziel ihrer Aktion: „Wir möchten, dass unsere Mutter ihre Kraft auf ihre Behandlung und ihre Genesung konzentrieren kann. Und wir möchten unserer kleinen Melek trotz ihrer schweren Erkrankung möglichst viel von ihrer Kindheit bewahren. Wenn ihr unsere Familie unterstützen möchtet, sind wir dafür von Herzen dankbar. Genauso dankbar sind wir für jeden Menschen, der unsere Geschichte liest, sie teilt und dabei hilft, dass sie möglichst viele Menschen erreicht. Und vor allem danken wir jedem, der an unsere kleine Melek und unsere Mama denkt, ihnen gute Gedanken schickt oder vielleicht mit uns betet.“
Es gibt bei Krebs keine Garantie auf Genesung durch Therapie. Der mutige Blick nach vorn ist sehr wichtig: „Unsere größte Hoffnung ist, dass wir eines Tages beide gesund wieder nach Hause begleiten dürfen, zurück in ein Leben, in dem Melek einfach wieder mit ihrem Bruder spielen kann und unsere Mama wieder die Zukunft erleben darf, die sie verdient.“
Die Redaktion hat vor dieser Veröffentlichung Kontakt zur Familie Ramic aufgenommen. Esmeralda schreibt: „Vielen Dank dafür, dass Sie unsere Familie mit einem Artikel und unseren Spendenaufruf unterstützen. Ihre Unterstützung bedeutet uns sehr viel.“
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