Wieder Leverkusen, wieder großes Kino? Werder braucht Schub
Großer Jubel nach dem Hinspiel: Werders Karim Coulibaly traf spät zum 3:3 gegen Leverkusen. Foto: Carmen Jaspersen/dpa
Das Hinspiel gegen Bayer Leverkusen war eines der emotionalsten Werder-Erlebnisse dieser Bundesliga-Saison. So etwas könnten die Bremer in der Rückrunden-Partie am Samstag erneut gut gebrauchen.
Bremen. Dieses Spiel hat kein Fan von Werder Bremen vergessen. Mit 1:3 lag der Außenseiter am 2. Spieltag dieser Bundesliga-Saison bereits gegen Bayer Leverkusen zurück, und Werder spielte nach einem Platzverweis für Niklas Stark auch noch in Unterzahl.
Trotzdem holten die Bremer diesen Rückstand noch auf, weil mit dem 18-jährigen Karim Coulibaly genau der Mann in der Nachspielzeit noch zum 3:3 traf, der in den Anfangsminuten das erste Gegentor verschuldet hatte. Es war ein wildes, verrücktes und „emotional ganz wichtiges Spiel für uns“, sagte Trainer Horst Steffen noch fünf Monate später.
An diesem Samstag (15.30 Uhr/Sky) geht es zum Rückspiel nach Leverkusen - und Werder könnte einen emotionalen Schub wie im August wieder gut gebrauchen. Seit sechs Spielen hat das Team nicht mehr gewonnen. Die Stimmung hängt ziemlich durch in Bremen, und genau wie zu Beginn der Saison rollt der Ball längst wieder in der Fußball-Bundesliga, ohne dass Werder alle Personalfragen geklärt hat.
Steffen will Schmid halten
Bleibt Romano Schmid oder wechselt er nach England? Wie viele ihrer Ladenhüter wie Skelly Alvero oder Isak Hansen-Aaröen werden die Bremer bis zum Ende der Transferfrist am 2. Februar noch los?
Trainer Steffen hat sich für seine Verhältnisse deutlich positioniert vor dem Leverkusen-Spiel. Den Österreicher Schmid möchte er unbedingt behalten („Ich bin froh, dass er da ist. Und ich hoffe, das bleibt so.“). Und die Entwicklung der Mannschaft hält er seit der Winterpause für deutlich besser, als sich dies in Punkten oder Fanmeinungen ausdrückt.
Steigerung seit der Winterpause
In den Leistungen „sind wir besser geworden“, sagte der gebürtige Rheinländer vor der Fahrt nach Leverkusen. „Ich habe ein Gefühl, dass die Jungs gut unterwegs sind und ein Vertrauen aus den letzten beiden Spielen mitnehmen.“
Beim 0:3 in Dortmund „war es gegen ein Topteam der Liga 60 Minuten sehr ordentlich. Gegen Frankfurt (3:3) haben wir eine tolle Moral gezeigt. Nur ein paar Sekunden weniger Spielzeit wären ganz gut gewesen...“, meinte der Trainer in Anspielung auf das späte Gegentor in der Nachspielzeit.
Nach den beiden schmerzhaften Niederlagen gegen den Hamburger SV (2:3) und den VfB Stuttgart (0:4) hat Steffen sein Team umgestellt. Hinten verteidigt jetzt eine Dreierabwehrkette. Vorne stürmen zwei Angreifer.
Das gibt Werder mehr Variationsmöglichkeiten: Die groß gewachsenen Jovan Milosevic und Keke Topp, die schnellen Justin Njinmah und Samuel Mbangula, das Arbeitstier Marco Grüll: Steffen kann nun verschiedene Spielertypen miteinander kombinieren und seine vorderste Reihe dem Gegner und Spielstand anpassen. In Leverkusen steht Wintertransfer Milosevic vor seinem Startelf-Debüt.
Deutschland oder Elfenbeinküste? Rat für Coulibaly
Den größten Sprung hat in den vergangenen Monaten aber Coulibaly gemacht - der Held aus dem ersten Leverkusen-Spiel. Der 18-Jährige hat seitdem nur ein Spiel wegen einer Gelb-Rote-Sperre verpasst.
Nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung möchte die Elfenbeinküste den deutschen Junioren-Nationalspieler für ihr A-Team abwerben und dann bei der WM gegen Deutschland spielen lassen. Eine Entscheidung gibt es noch nicht, um Rat habe ihn sein Abwehrspieler auch noch nicht gefragt. Aber auch dazu hat Steffen eine klare Meinung: „Ich bin auch ein Stück weit Patriot. Ist ja ganz klar, dass ich ihm eher sagen würde: Ist doch gut, wenn du für Deutschland spielen würdest.“