Walsichtungen in der Ostsee
Große Wale sind seltene Besucher in der Ostsee. Foto: Ulrich Perrey/dpa
Aktuell ist ein Finnwal in der Flensburger Förde unterwegs. Kommen solche Besuche von großen Walen häufig vor?
Flensburg. Seltenes Schauspiel in der Flensburger Förde: Seit Wochen zieht ein großer Wal zur Freude vieler Neugieriger zwischen dem Flensburger Hafen und dem dänischen Kollund seine Kreise. Normalerweise ist die Ostsee keine Heimat für große Wale, wie die Deutsche Stiftung Meeresschutz mitteilte. Nur die etwa 1,90 Meter langen Schweinswale leben hier. Was man über den Flensburger Finnwal wissen sollte:
Was ist über den seltenen Gast bekannt?
Bei dem Wal handelt es sich um einen Finnwal. Das sei eindeutig, sagte Judith Denkinger vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wurde dem Deutschen Meeresmuseum demnach am 7. Januar gemeldet. „Da habe ich auch Bilder von dem Wal angeguckt und er hat genau die gleiche Kerbe an der Rückenfinne.“ Daran könne man ihn gut identifizieren.
Die ehemalige Leiterin der Nabu-Landesstelle Ostseeschutz, Dagmar Struß, sagte der dpa, es handele sich um einen jungen Finnwal. Die Größe werde auf acht Meter geschätzt.
Finnwale sind mit einer Länge von rund 25 Metern die zweitgrößten Tiere der Erde – nur der Blauwal ist größer. Finnwale sind nach Angaben der Walschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) meist alleine oder zu zweit unterwegs. Sie gehören zu den Bartenwalen und ernähren sich von Krill, kleinen Fischen und Krustentieren.
Wie gelangte der große Meeressäuger in die Ostsee?
Der Flensburger Finnwal ist vermutlich bei der Nahrungssuche in die Beltsee geschwommen. Die Wale machten normalerweise eine Wanderung von den arktischen Gewässern, wo sie sich im Sommer aufhalten, in wärmere Gewässer, um sich fortzupflanzen, sagte Denkinger. „Aber wenn es ein junges Tier ist, dann pflanzt es sich noch nicht fort eventuell, sondern bleibt noch in den kühleren Gewässern.“ Daher könne es gut sein, dass er einem Heringsschwarm hinterher in die Ostsee geschwommen sei.
Struß sagte, es sei über Jahrhunderte verbrieft, dass immer mal wieder Finnwale in die Ostsee gekommen sind, auch in die Flensburger Förde. „Finnwale sind schon immer in der Zeit gekommen, wenn die Heringe in die Ostsee kamen.“ In der Regel seien die Finnwale nur kurze Zeit in der Ostsee und griffen ab, was an Heringen da sei. Danach schwimmen sie demnach wieder zurück.
Werden auch anderen Walarten in der Ostsee gesichtet?
Ja, in den vergangenen Jahren gab es immer wieder Sichtungen von Walen in der Ostsee. Einer Übersicht der Deutschen Stiftung Meeresschutz zufolge, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, ist der häufigste Besucher in der Ostsee der Buckelwal.
Allein im vergangenen Jahr wurden mehrere Buckelwale gesichtet – etwa im Sommer vor der Nordspitze Rügens und im Mai vor Ahrenshoop (Mecklenburg-Vorpommern). Auch bei einer Sichtung am Ostermontag 2025 nahe Hiddensee vermuten die Fachleute anhand eines Videos, dass es ein junger Buckelwal war. Bei Travemünde in Schleswig-Holstein war im Frühjahr ebenfalls ein Wal gesehen worden. Struß ging damals anhand von Videoaufnahmen davon aus, dass es sich wahrscheinlich ebenfalls um einen jungen Buckelwal handelt.
Denkinger zufolge war zudem vor ein, zwei Wochen nicht nur der Finnwal, sondern auch ein Buckelwal in der Flensburger Förde beobachtet worden.
Nach Angaben der Deutschen Stiftung Meeresschutz wurden in den vergangenen Jahrzehnten beispielsweise auch schon Belugas, Narwale und Zwergwale in der Ostsee gesichtet. Nicht immer überlebten die Tiere den Abstecher in das Binnenmeer.
Was sollten Wassersportler beachten?
Auch wenn zu dieser Zeit wenige Boote und Wassersportler auf der Förde unterwegs sind, bittet die Deutsche Stiftung Meeresschutz um Vorsicht und Rücksicht. So sollten mindestens 100 Meter Abstand gehalten und die Geschwindigkeit gedrosselt werden. Zudem sollte der Wal nicht verfolgt werden.