„Eklig und menschenverachtend“: Johanniter in Goslar enttäuscht
Das Team der Johanniter-Lieblingsecke Kirsten Metz, Christine Voß und Karin Petermann-Dertinger (v.l.) mit Bekleidung, die in den Verkauf gehen kann. Foto: Privat
Die Johanniter in Goslar schlagen Alarm: Nur ein kleiner Teil der Kleiderspenden sei noch brauchbar. Das Team spricht von Frust, Ekel und hohen Kosten.
Goslar. Klare Worte finden die Johanniter, Betreiber des Second-Hand-Shops Lieblingsecke am Vogelsang: Sie seien „tief enttäuscht und angewidert“ über die Zustände, die sie tagtäglich an und in ihrem Altkleidercontainer im Stadtteil Georgenberg vorfinden.
Müll und total verdeckt
Nur ein kleiner Teil der Spenden – vielleicht zehn Prozent – seien für den Second-Hand-Verkauf geeignet. Alles andere sei Müll und total verdreckt. Beispiele gefällig: alte Gardinen, verschmutzte Schuhe, vollurinierte Bekleidung, benutzte Inkontinenzeinlagen oder säckeweise Restmüll. Vergangene Woche sei noch Konfetti darüber gestreut worden.
Wenn selbst gute Spenden unbrauchbar werden
Auch brauchbare Kleidungsstücke würden dadurch kontaminiert und könnten nur noch entsorgt werden. Und dies kostet Geld.
„Alles ist dann Müll, den wir wieder entsorgen müssen, was ein hoher Kostenfaktor ist.
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Allein letzte Woche haben wir zwei Containerladungen abholen lassen müssen. Das kann sich ein Sozialprojekt wie die Lieblingsecke einfach nicht leisten“, sagt Samantha Brinkwirth, Dienststellenleiterin des Johanniter-Ortsverbands Salzgitter, die auch für den Standort in Goslar zuständig ist.
„Das ist eklig und menschenverachtend“
Rund 1000 Euro Kosten und obendrauf noch die widerliche Arbeit: „Unsere Kolleginnen müssen alles kontrollieren und anfassen. Das ist eklig und auch menschenverachtend gegenüber unserer Kundschaft und unseren Mitarbeiterinnen. Welchen Frust müssen Menschen haben, die sich so verhalten?“
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Eigentlich trage man zur Wiederverwertung bei, damit nicht alles auf den Müll landet – jetzt allerdings schon. Samantha Brinkwirth und das gesamte Lieblingsecken-Team rund um Karin Petermann-Dertinger seien tief enttäuscht, berichten sie.
Warum der Container verschwinden könnte
Sauber und in gutem Zustand sollte die Bekleidung sein, die eine zweite Chance bekommt. „Bei uns wird alles weggeschmissen, was den Standard, den wir aufrecht erhalten wollen, nicht erfüllt. Alles was in den Verkauf geht, muss eine entsprechende Qualität haben“, unterstreicht Brinkwirth. „Wir werden wahrscheinlich den Container abbauen müssen und darum bitten, dass Kleiderspenden nur noch im Geschäft abgegeben werden“, so die Überlegungen im Team.
Trotz allem geben die Helfer nicht auf
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Johanniter-Lieblingsecke wollen sich die Freude und ihr Engagement nicht nehmen lassen. „Es ist ein wunderschönes Gefühl, helfen zu können, zu vernetzen und Leute zu beraten, die einfach Freude an Kleidung haben,“ sagt Karin Petermann-Dertinger.
Ein Blick hinter die Kulissen
Um auf ihre Arbeit in der Lieblingsecke aufmerksam zu machen, bietet das Team einen Blick hinter die Kulissen für Interessierte an: am Freitag, 22. Mai, von 10 bis 14 Uhr. Das Motto des Tages lautet: „Vom Altkleidersack in den Second Hand Shop – sortieren Sie mit uns Altkleider, und lassen Sie sich überraschen.“
Vermüllt, verdreckt, verschwunden
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Dabei soll auch deutlich werden, dass zwar saubere, aber aufgetragene beziehungsweise versehrte Kleidungsstücke nicht verkauft werden können.
Die üblichen Öffnungszeiten und Abgabezeiten der Johanniter-Lieblingsecke sind dienstags von 10 bis 18 Uhr, am Mittwoch und Donnerstag von 10 bis 14 Uhr und freitags von 14 bis 18 Uhr.
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