So gelingt ein schöner Garten mit wenig Arbeit
Entspannung pur? Ein schöner Garten muss nicht unbedingt mit viel Arbeit verbunden sein. Foto: Christin Klose/dpa Themendienst/dpa-tmn
Wildblumen statt Zierpflanzen, Blumenwiese statt Rasen: Auch ohne grünen Daumen kann ein Garten toll aussehen. Wichtig ist, am Anfang etwas Arbeit zu investieren.
Bergisch Gladbach/Weiterstadt. Rasen mähen, Hecke schneiden, Unkraut jäten, Pflanzen bewässern: Ein Garten kann viel Arbeit machen - muss er aber nicht. Ein schöner, lebendiger Garten ist auch mit wenig Aufwand möglich.
Welche Pflanzen sind pflegeleicht? Welche Arbeiten lassen sich vermeiden? Und warum geht es ganz ohne Pflege dann doch nicht? In diesem Überblick steht alles, was Sie wissen müssen.
1. Auf anspruchslose Wildpflanzen setzen
Pflegeleicht sind anspruchslose Pflanzen. Dazu gehören Wildpflanzen und solche, die sehr stark wachsen. Pflegeleicht sind aber auch Pflanzen, die an einem für sie optimalen Standort stehen.
Wuchernde Pflanzen benötigen weniger Pflege, man muss sie nicht so häufig gießen. Auch Bodendecker wachsen stark und bieten darüber hinaus den Vorteil, dass man weniger Unkraut zupfen muss.
Beispiele für pflegeleichte Pflanzen:
- Bodendecker: Vinca
- Stauden: Storchschnäbel
- Nadelgehölze: Eibe
- Immergrüne: Liguster
- Laubgehölze: Rispen-Hortensie
Bevor eine Pflanze wirklich pflegeleicht ist, muss sie erst einmal gut anwachsen, sagt Gärtnermeister Oliver Fink, Vorsitzender des Verbands der Gartenbaumschulen (GBV). „Wenn man sie neu gepflanzt hat, muss man vielleicht ein Jahr auch mal ein Auge mehr darauf haben.“ Erst nach dieser kritischen Wachstumsphase könne man die Pflanzen sich selbst überlassen - und hat keine Arbeit mehr.
Diplom-Biologin Eva Distler vom Verein für naturnahe Garten- und Landschaftsgestaltung (NaturGarten e.V.) empfiehlt heimische Wildpflanzen, die besonders robust sind.
Der Schlüssel ist, den Garten möglichst artenreich zu gestalten. Das betrifft sowohl die Pflanzen als auch die Tiere. Ein artenreicher Garten ist in der Lage, sich selbst zu regenerieren, was ihn widerstandsfähiger gegenüber Hitze und Trockenheit macht. „Artenvielfalt ist wie eine Art Versicherung“, so Distler.

Liguster ist nicht nur pflegeleicht, sondern auch eine gute Futterquelle für Vögel. Foto: Andrea Warnecke/dpa Themendienst/dpa-tmn
2. Mehrjährige Pflanzen brauchen weniger Pflege
Mehrjährige Pflanzen im Garten sind nicht nur pflegeleichter, sondern auch nachhaltiger. Wer etwas mehr Aufwand in Kauf nimmt, kann auch mehrjährige mit einjährigen Pflanzen kombinieren. „Pflegeleicht bedeutet ja auch für jeden etwas anderes“, sagt Gärtnermeister Fink.
Wer auch im Winter einen natürlichen Sichtschutz im Garten haben möchte, für den sind immergrüne Pflanzen sinnvoll. Allerdings muss auch eine immergrüne Hecke irgendwann geschnitten werden - ganz ohne etwas Arbeit und Pflege geht es in keinem Garten.
Weniger Pflanzen bedeuten weniger Arbeit? Das könnte man meinen, doch Oliver Dink rät tatsächlich zu mehr Pflanzen. In einem pflegeleichten Garten sei das Ziel, dass alles zuwächst und schön dicht ist, so dass Pflanzen auch ineinander wachsen. „Das entspricht oft nicht dem ästhetischen Gefühl des Bundesbürgers.“ Doch wer einen pflegeleichten Garten haben will, muss eben mehr Natur zulassen.
3. Licht und Schatten beachten
Auch kommt es darauf an, die Stauden und Sträucher richtig zu platzieren. Naturgartenplanerin Eva Distler nennt eine Reihe von Wildpflanzen, die sich für verschiedene Standorte besonders gut eignen:
Für den sonnigen Standort:
- Gewöhnlicher Natternkopf
- Färberkamille
- Rundblättrige Glockenblume
- Weidenblättriges Ochsenauge
- Skabiosen-Flockenblume
- Viele Königskerzen-Arten
- Steinbrech-Felsennelke
- Thymian-Arten
Für den halbschattigen bis schattigen Standort:
- Viele Storchschnabel-Arten wie der Braune Storchschnabel
- Frühlings-Platterbse
- Wald-Vergissmeinnicht
- Nieswurz
Wildpflanzen sind sehr anpassungsfähig. Wildrosen zum Beispiel eignen sich für verschiedene Standorte. Manche Arten können aber ziemlich groß werden, deshalb je nach Platz eine kleinere Form wählen.
Zudem sollte man auch früh-, mittel-, und spätblühende Arten kombinieren. Dann blüht immer etwas, sagt Distler. Die Gelbe Skabiose etwa ist spät- und langblühend und außerdem sehr trockenresistent.

Thymian gehört zu den Wildpflanzen, die sich für einen sonnigen Standort im pflegeleichten Garten eignen. Foto: Benjamin Nolte/dpa-tmn
4. Mehrere Arten richtig kombinieren
Fragen Sie Ihren Gärtner vor Ort, welche Gewächse gut zusammenpassen, sodass die eine Pflanze die anderen nicht überwächst.
Zwei Beispiele von Oliver Fink:
- Für sonnige oder halbschattige Standorte: Ein größeres Gehölz, etwa die Felsenbirne, unterpflanzt mit kleineren Sträuchern wie Bartblumen oder kleinen Maiblumen. Dazwischen sorgen Stauden wie Ziersalbei und Sonnenhut oder Glockenblumen für Abwechslung.
- Für halbschattige oder schattige Standorte: Rispenhortensien unterpflanzt mit Stauden wie Elfenblumen oder Herbst-Anemonen.
Ausgewogenheit beachten: Nicht zu viel oder zu wenig pflanzen, aber von jeder Art mehrere Exemplare - entweder verteilt oder beim Staudenbeet eher in Grüppchen, rät Distler.
Damit an Wildsträuchern möglichst wenig herumgeschnippelt werden muss, brauchen sie Platz. Wer in ein paar Jahren eine geschlossene Hecke haben will, sollte etwa einen Abstand von 1,50 Meter einhalten.
5. Kenne deinen Boden
Neben der richtigen Pflanzenauswahl spielt laut Gärtnermeister Fink der Boden eine entscheidende Rolle für die Wahl der Pflanzen.
In jedem Bundesland gibt es Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalten (LUFA), die für kleines Geld Bodenproben auswerten. Einfach hinschicken, dann gibt es die Analyse zurück.
Folgende Fragen sollte man beantworten können:
- Ist der Boden lehmig?
- Ist der Boden sandig?
- Muss man den Boden düngen oder nicht?
- Muss man vielleicht noch Kompost untermischen?
Ein Beispiel: Rosen mögen selten leichte Sandböden. Das heißt, man muss den Boden mit sogenannten Aktivatoren oder einem Humusanteil verbessern, wenn man unbedingt Rosen im Garten haben will. Hat man hingegen einen lehmigen Boden, wächst die Rose fast von allein.
Tipp: Wer ein neues Beet anlegt, sollte laut Distler keinen Mutterboden aus dem Garten verwenden, der Samen von unerwünschten Gräsern und Kräutern enthalten kann. Sonst droht eine „Unkrauthölle“.
Die Naturgärtnerin empfiehlt stattdessen, vor allem bei sonnigen Standorten zu einem nährstoffarmen Substrat zu greifen, das man gegebenenfalls mit etwas unkrautfreiem Kompost anreichert.
6. Mulchen hilft dem Wachstum - so geht es
Wer möchte, dass die Pflanzen sich gut entwickeln und ineinander wachsen, der Garten sich also schön zuwächst, sollte die Erde mit organischen Materialien abdecken, rät Fink. Weitere Vorteile:
- Sie vermeiden Unkraut.
- Der Boden bleibt feucht, das Bodenleben aktiv.
Sie müssen also weniger gießen und weniger Unkraut jäten.
Fink empfiehlt zum Abdecken natürliche Materialien wie Rinde, Kiefer, Pinie oder Gartenfaser (nicht Schotter, Kies oder Ähnliches). Eine Schicht von drei bis fünf Zentimetern ist in der Regel ausreichend. Das Material dann einfach anregnen lassen - fertig.

Besseres Wachstum, feuchter Boden, weniger Unkraut: Die Erde mit Mulchmaterial abzudecken, hat viele Vorteile. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
7. Säen und Jungpflanzen setzen
Je kleiner und feiner man die Jungpflanzen kauft, desto mehr Arbeit macht es natürlich, die Pflanzen aufzupäppeln. Einfacher ist es, zum Beispiel fertige Gemüsepflanzen in der Gärtnerei zu kaufen.
Distler rät zu zertifiziertem Saatgut von heimischen Wildpflanzen. Samenmischungen aus dem Gartencenter oder Baumarkt enthalten oft die günstigsten Arten und keine heimischen Arten, wie etwa die Sonnenblume. „Das sieht dann meistens schön aus und blüht, aber vieles ist dann nur einjährig.“
Damit schon im ersten Jahr etwas blüht, empfiehlt Distler diese heimischen Schnellblüher:
- Klatschmohn
- Kornblume
- Ringelblume
- Ackerringelblume
Lieber säen oder pflanzen?
- Für eine Wiese eher Saatgut verwenden.
- Bei einem Wildstaudenbeet zunächst Stauden pflanzen und dann zusätzliche Arten einsäen. „Manche Arten wirken auch gesät natürlicher oder wachsen aus der Saat besser heran“, sagt Distler.
8. Nützlinge fördern statt Chemie spritzen
Schädlinge an den Pflanzen veranlassen so manchen Hobbygärtner schnell zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Oliver Fink rät aber zur Gelassenheit. Oft sei es gar nicht nötig zu spritzen.
Besser sind Nistkästen und Insektenhotels. „Man muss die Vögel und andere Nützlinge ihre Arbeit machen lassen und natürlich auch mal mit ein paar Läusen leben“, sagt der Gartenprofi.
Anders bei jungen, neu gepflanzten Gewächsen. Da müsse man vielleicht eingreifen, „wenn man vor lauter Gespinstmotten kaum noch Blätter sieht“ - und eventuell einen Gärtner zurate ziehen. Unter Umständen reicht es, zur Gartenschere zu greifen und befallene Stellen einfach abzuschneiden. Es muss nicht immer gleich die Chemiekeule sein.
Um heimische Tiere zu fördern, braucht man heimische Pflanzen, betont Naturgärtnerin Distler. Einige Arten sind sogar darauf angewiesen. So mag die Natternkopf-Mauerbiene ausschließlich den Natternkopf.

Mit Hilfe von heimischen Pflanzen wie etwa Flockenblumen lockt man viele Arten in den Garten. Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa-tmn
Hilfreich sind klare Strukturen und Bereiche, in denen Tiere sich im Garten wohlfühlen. Einige Beispiele:
- Totholz
- eine Beeteinfassung aus einem Stamm
- Stämme senkrecht etwa als Rankhilfe platzieren
- eine Trockenmauer
- sonnige und schattige Standorte
- unterschiedliche Höhen
- eine Sickermulde, wenn man keinen Teich bauen kann
- Wasserflächen
Wichtig ist, dass man Wildpflanzen verwendet. Keine Züchtungen, „die dann so eine gefüllte Blüte haben, wo ein Insekt nichts mehr mit anfangen kann“, wie Distler sagt. Viele Zuchtformen sind zwar schön anzusehen, aber enthalten keine Nahrung für Insekten. Oder die Pollen sind durch die vielen Blütenblätter nicht vorhanden oder nur schwer zu erreichen.
Auch Schmetterlingsraupen brauchen heimische Pflanzen - da geht es laut Eva Distler auch um die Blattmasse. So benötigt der Zitronenfalter etwa den Faulbaum. Auch die Brennessel ist ein wichtiger Raupenfutterplatz für verschiedene Schmetterlingsarten wie Admirale.
Ein weiterer Vorteil: Wildpflanzen vermehren sich über Samen. Wenn eine Pflanze also einmal geblüht und Samen gebildet hat, kann sie auch dann wieder auftauchen, wenn sie später abstirbt - denn ihre Samen bleiben auf der Fläche zurück und keimen von selbst.
Das Ziel ist, dass sich die Pflanzen selbst aussäen und die Fläche sich dadurch ständig verändert und weiterentwickelt. Jäten muss man dann nur das, was übermäßig wächst. Oder Arten, die „angeflogen gekommen sind, die man wirklich nicht haben will“, so Distler.
9. Muss es wirklich ein Rasen sein?
Sie sollten sich zwei Fragen stellen:
1. Brauchen Sie überhaupt einen Rasen? Oder tut es nicht auch ein Teich, ein Pool oder ein schickes Staudenbeet?
2. Wenn Sie einen Rasen möchten - muss es ein Golfplatzrasen sein oder können Sie mit ein paar Wildkräutern leben?
Ein Rasen macht Arbeit. Einmal in der Woche sollte er gemäht werden, rät Fink. Zudem braucht er zur richtigen Zeit Dünger - etwa im Herbst, damit er besser über den Winter kommt. Auf Dünger zu verzichten, damit man weniger mähen muss, ergibt dem Profi zufolge keinen Sinn: „Dann wird der Rasen auch nicht besser.“ Wer keine Lust auf Mähen hat, kann sich allerdings auch einen Mähroboter zulegen.
Wem das nicht pflegeleicht genug ist, der sollte auf Rasen im Garten verzichten. Sie können die Fläche auch dicht bepflanzen. Das macht sehr viel weniger Arbeit als die Pflege eines Rasens.
10. Finger weg von Schotter
Auch wenn er pflegeleicht aussieht - von einem Schottergarten rät Oliver Fink ab. Es besteht die Gefahr, dass Wildkräuter wie Löwenzahn oder Gänseblümchen zwischen den Steinen hervorsprießen, und dieses Unkraut wird man dann nicht mehr los.
Außerdem ist Schotter im Garten in vielen Gemeinden nicht mehr erlaubt. Er heizt sich auf, kann kein Regenwasser speichern und ist lebensfeindlich für Insekten, Vögel, Igel und Co.
Auch Eva Distler rät von zu viel Grau im Garten ab. Grünflächen haben einen abkühlenden Effekt. Also den pflegeleichten Garten möglichst viel begrünen - auch Nutzflächen wie die Garageneinfahrt.

Eine Blumenwiese ist nicht nur ein optischer Hingucker, sie macht auf lange Sicht auch weniger Arbeit als ein Rasen. Foto: picture alliance/dpa/dpa-tmn
11. Blumenwiese statt Rasen
Wie wäre es, ein paar Samentütchen zu kaufen und auf einer Grünfläche auszustreuen, damit daraus eine Blumenwiese wird?
„Das funktioniert nicht“, sagt Oliver Fink. Der Boden muss dafür vorbereitet werden. „Nicht für Anfänger“, sagt der Profi, der selbst Kurse zur Anlage einer Wiese gibt.
Auch die Pflege einer Blumenwiese erfordert gärtnerisches Know-how, insbesondere was das Mähen angeht. Pflegeleicht sei die Blumenwiese keineswegs, so Fink. Aber zumindest langfristig pflegeleichter als ein Rasen, sagt Distler, weil die Wiese seltener gemäht werden muss - in der Regel zweimal im Jahr. Allerdings wächst eine Wiese gern hüfthoch und „ist nichts wo man drauf Fußball spielen kann“, so Distler.
Die Naturgärtnerin nennt eine Alternative: „Blumen-Kräuter-Rasen ist ein Kompromiss zwischen einem intensiv gepflegten Rasen und der Wiese“. In dieser Samenmischung sind Wildblumen enthalten, die es vertragen, drei- oder viermal im Jahr gemäht zu werden. Gerade für kleinere Gärten ist das eine gute Lösung. „Man mäht die Fläche dann, wenn sie benutzt werden soll und lässt eine blühende Stelle stehen.“
Und wenn man im Garten bereits eine Art Wiese hat?
Dann besteht diese nicht nur aus Gras, sondern auch aus anderen Arten wie Schafgarbe oder Flockenblumen. Hier könne man eine sogenannte Artenanreicherung machen, rät Distler: Man kauft die bereits vorhandenen Pflanzen in kleinen Töpfchen und pflanzt sie dazu.