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Energieministerkonferenz

Minister warnt: Rückzug bei Offshore-Windparks wäre „fatal“

Milliardenschwere Windkraftprojekte vor der deutschen Küste könnten wegen geänderter Rahmenbedingungen auf der Kippe stehen. (Archivbild)

Milliardenschwere Windkraftprojekte vor der deutschen Küste könnten wegen geänderter Rahmenbedingungen auf der Kippe stehen. (Archivbild) Foto: Sina Schuldt/dpa

Für milliardenschwere Windkraftprojekte vor der deutschen Küste ist die Umsetzung fraglich. Niedersachsens Energieminister Christian Meyer ist alarmiert. Er sieht die Bundesregierung in der Pflicht.

Von dpa Donnerstag, 21.05.2026, 20:50 Uhr

Norden/Norderney. Niedersachsens Energieminister Christian Meyer warnt vor einem Rückschlag für die Energiewende, sollten Unternehmen ersteigerte Meeresflächen für den Offshore-Windkraftausbau zurückgeben. Das wäre „fatal“, sollte es dazu kommen, sagte der Grünen-Politiker bei einem Baustellenbesuch für eine Offshore-Stromkabeltrasse im ostfriesischen Norden während der Energieministerkonferenz der Bundesländer. „Das ist ein Hilfeschrei, ein Alarmsignal der Branche“, sagte Meyer und forderte Reformen. 

Nach Angaben des Bundesverbandes Windenergie Offshore (BWO) hatten zuletzt Unternehmen der Windbranche signalisiert, dass es fraglich sei, ob es zu finalen Investitionsentscheidungen für bereits ersteigerte Windpark-Flächen in der Nord- und Ostsee kommen werde. Nach BWO-Angaben stehen Investitionen in einem zweistelligen Milliardenbereich auf der Kippe. NDR und „Süddeutsche Zeitung“ hatten zuvor berichtet, dass die Konzerne Totalenergies und BP gegebenenfalls von Offshore-Wind-Projekten Abstand nehmen wollen.

Niedersachsens Energieminister kritisiert fehlende Planungssicherheit für den Offshore-Windkraft-Ausbau.

Niedersachsens Energieminister kritisiert fehlende Planungssicherheit für den Offshore-Windkraft-Ausbau. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Für den Bau von Windparks auf See fehlten aktuell die passenden Rahmenbedingungen, das Erneuerbare-Energien-Gesetz laufe aus, bemängelte Meyer, der zurzeit auch Vorsitzender der Energieministerkonferenz ist. „Es fehlt momentan an Planungssicherheit, um die großen Windparks zu machen.“ Der Minister sieht die Bundesregierung in der Pflicht, das Vergabeverfahren für solche Offshore-Windparks zu überarbeiten, damit Unternehmen verlässlich investieren könnten. Es hingen die Klimaziele und Zehntausende Arbeitsplätze an der Windenergie, betonte der Energieminister.

Ausbauziel für 2030 in Gefahr

Am Rande der Energieministerkonferenz auf der Insel Norderney besuchten die Energieminister der Länder eine Baustelle für Stromkabel von Offshore-Windparks. Nahe der Stadt Norden kommen die Kabel von der Nordsee am Festland an und verlaufen dann von der Küste noch rund 155 Kilometer bis ins Emsland, um den Windstrom dort weiter in die Verbrauchszenten im Süden und Westen Deutschlands zu verteilen.

Hendrik Neumann, technischer Geschäftsführer des Netzbetreibers Amprion, betonte bei dem Baustellenbesuch, die Offshore-Windenergie sei ein zentraler Baustein für das Ziel Deutschlands, bis 2045 klimaneutral zu werden. 

Die Energieminister besuchten während ihrer Konferenz eine Baustelle für eine Offshore-Stromkabeltrasse in Ostfriesland.

Die Energieminister besuchten während ihrer Konferenz eine Baustelle für eine Offshore-Stromkabeltrasse in Ostfriesland. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

„Bis 2030 soll die Leistung der installierten Offshore-Windparks in Deutschland auf 30 Gigawatt steigen. Damit entspricht die installierte Leistung der Windparks auf See in etwa der Leistung von 40 großen Kohlekraftwerken“, sagte Neumann. Durch die neuen Netzanbindungssysteme, die etwa Amprion baue, würden Engpässe im Stromnetz reduziert und mittelfristig Kosten für Verbraucher gesenkt. 

Allerdings hatte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) kürzlich mitgeteilt, dass die Bundesregierung das 2030-Ausbauziel für die Windkraft in der Nord- und Ostsee voraussichtlich verfehlen wird. Seit der Inbetriebnahme des ersten deutschen Windparks auf See 2010 ist die Gesamtleistung der Anlagen bislang auf rund 10 Gigawatt gewachsen.

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