UEFA sucht den Infantino-Herausforderer - Ceferin bleibt
Aleksander Ceferin (l) will UEFA-Präsident bleiben und fordert nicht Gianni Infantino (r) heraus. Foto: Robert Michael/dpa
Aleksander Ceferin will als UEFA-Präsident weitermachen, ein Gegenkandidat für FIFA-Chef Infantino bleibt aber weiter offen. Was die europäischen Verbände und der DFB nun fordern.
Berlin. Aleksander Ceferin will für weitere vier Jahre UEFA-Präsident bleiben - einen Herausforderer von Gianni Infantino hat Europas Fußball aber auch bei einem Spitzentreffen in Berlin noch nicht ausgerufen. Statt einen Gegenkandidaten für den FIFA-Chef zu benennen, stellte die Europäische Fußball-Union UEFA die Kriterien für die gesuchte Person auf: „Eine respektierte und einigende Persönlichkeit, tief verwurzelt im Fußball“ soll Infantino ablösen.
Es brauche eine neue Führung der FIFA, bekräftigte DFB-Chef Bernd Neuendorf nach dem Treffen in einem Fünf-Sterne-Hotel am Potsdamer Platz. „Wir sind nicht davon überzeugt, dass es mit dieser Führung der FIFA zu einem glaubhaften Reformprozess kommen kann. Deshalb muss es eine Veränderung an der Spitze der FIFA geben“, sagte der 65-Jährige. „Wir haben über Kriterien gesprochen: Welches Profil muss eine solche Person haben? Wie muss sie aussehen, damit wir Vertrauen wiedergewinnen in diese Institution FIFA.“
DFB unterstützt Ceferin: „Starke Führungspersönlichkeit“
Eine der dringlichsten Aufgaben für UEFA-Präsident Ceferin bleibt, die Opposition gegen Infantino im Machtkampf um die Zukunft des Weltverbands zu orchestrieren. Dafür einigten sich die europäischen Verbände - mit Ausnahme von Aserbaidschan - auf ein Papier mit Reformvorschlägen für den Weltverband.
„Es liegt noch wichtige Arbeit vor uns, und deshalb habe ich ihre Bitte angenommen“, sagte der Slowene zu seiner Kandidatur beim UEFA-Kongress am 22. April im kasachischen Astana für eine weitere Amtszeit.
Der Deutsche Fußball-Bund unterstützt eine erneute Kandidatur. „Ich glaube, gerade in diesen Zeiten - das haben wir in den letzten Wochen gemerkt - ist es außerordentlich wichtig, dass wir eine starke Führungsperson an der Spitze der UEFA haben, die mutig ist, die eine integre Persönlichkeit ist und die auch unsere Interessen gegenüber der FIFA und anderen wirkungsvoll vertritt. Und ich glaube, dafür steht Aleksander Ceferin in ganz besonderer Weise“, sagte DFB-Chef Neuendorf.
Ceferin revidiert Meinung: 2024 zu „müde“ für neue Amtszeit
Eigentlich hatte Ceferin vor zweieinhalb Jahren angekündigt, nicht wieder antreten zu wollen, weil er „müde“ sei und die UEFA „frisches Blut“ brauche. Diese Meinung hatte er aber intern relativ schnell wieder revidiert und verkündete nun bei dem Berliner Spitzentreffen seine erneute Kandidatur.
Damit scheidet der 58 Jahre alte Slowene endgültig auch offiziell als möglicher Gegner von Infantino für das Amt des FIFA-Präsidenten aus. Derartige Ambitionen hatte Ceferin zuletzt bereits mehrmals von sich gewiesen.
Einen schlagkräftigen Herausforderer für Infantino bei der Wahl am 18. März soll es aber dennoch geben. Ob dieser aus Europa kommt oder nur von den europäischen Verbänden unterstützt wird, ist weiter offen. Bis einschließlich 18. November muss die Opposition offiziell einen Bewerber benennen, vorher soll es ein weiteres Treffen aller 55 UEFA-Mitgliedsverbände geben.
Und die Zeit drängt. Infantino sammelt auf einer Welttour immer mehr Unterstützer, selbst die europäische Einheit bröckelt bereits durch Abweichler aus Aserbaidschan.
Moderatere Töne aus Asien
Auch in Asien ist die klare Front gegen Infantino in Asien zerbrochen. Nachdem sich zuletzt mehrere arabische Verbände im Machtkampf auf die Seite des umstrittenen Chefs des Weltverbands gestellt hatten, schlug nun auch der Präsident des asiatischen Kontinentalverbands AFC moderatere Töne als zuvor an.
Infantino steht nach einem letztlich gescheiterten Vorstoß zur Vermarktung der WM-Rechte durch externe Investoren im Sommer massiv unter Druck. Er hatte darauf zuletzt reagiert und seinen Gegnern erstmals Gespräche über mögliche Reformen in der FIFA angeboten.
Erster Infantino-Herausforderer bringt sich ins Spiel
Ein erster potenzieller Herausforderer von Infantino hat sich aus der Deckung gewagt, das darf aber als Kuriosum gewertet werden. Der frühere Schweizer Nationalspieler Ramon Vega brachte sich zum wiederholten Male selbst ins Spiel und versprach „fundamentale Reformen“. Bei allen bisherigen Anläufen hatte der 55-Jährige jedoch nicht die notwendigen Unterstützerschreiben von fünf FIFA-Mitgliedsverbänden gesammelt.

Bernd Neuendorf (l) unterstützt die erneute Kandidatur von Aleksander Ceferin (r) als UEFA-Präsident. (Archivbild) Foto: Marijan Murat/dpa

DFB-Präsident Neuendorf fordert eine neue FIFA-Führung. (Archivbild) Foto: Florian Wiegand/dpa