Karlspreis für Draghi - „Großes für Europa geleistet“
Der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) und frühere italienische Ministerpräsident Mario Draghi wird mit dem Karlspreis 2026 ausgezeichnet (Archivbild). Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
Als damaliger EZB-Chef rettete Mario Draghi einst „im Alleingang“ den Euro. Sein „Whatever it takes„ könnte jetzt aber auch das aktuelle Leitmotto einer von Gegnern bedrängten EU sein.
Aachen. Für historische Verdienste um die europäische Einigung wird der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, mit dem Karlspreis 2026 ausgezeichnet. Mit dem ehemaligen italienischen Regierungschef ehre man eine Persönlichkeit, „die zielgerichtet und mit unerschütterlicher Entschlossenheit Großes für Europa geleistet hat“, begründete das Karlspreis-Direktorium seine Entscheidung.
Der Internationale Karlspreis zu Aachen gilt als wichtigste Auszeichnung für Verdienste um die europäische Einigung. Er wird traditionell am Himmelfahrtstag verliehen, dieses Jahr am 14. Mai.
Die Botschaft aus Aachen: „Überwindet das Klein-Klein“
„Mario Draghi hat als Präsident der Zentralbank den Euro gerettet - fast im Alleingang, als er auf der Kippe stand“, sagte der Vorsitzende des Karlspreisdirektoriums, Armin Laschet (CDU), der Deutschen Presse-Agentur. Draghi hatte 2012 auf dem Höhepunkt der Euro-Krise gesagt, die EZB werde tun, „whatever it takes“ - was immer nötig ist -, um die gemeinsame Währung zu sichern. „Sein Wort „Whatever it takes“ gilt heute mehr denn je“, sagte Laschet. Draghi sei deshalb neben seinen historischen Verdiensten gleichzeitig hochaktuell.
Mit seinem Draghi-Report zur Wettbewerbsfähigkeit Europas habe er genau die Handlungsempfehlung vorgelegt, die Europa jetzt zur Stärkung seiner Wettbewerbsfähigkeit benötige. Denn wenn Europa nicht zum Spielball anderer Mächte werden wolle, müsse es wirtschaftlich stark sein - davon hänge alles andere ab. „Deshalb müsste „Whatever it takes“ heute ein Leitmotto für die Kommission sein“, erklärte Laschet. Die Botschaft des Karlspreisdirektoriums laute: „Überwindet das Klein-Klein. Setzt das um, was Mario Draghi in seinem Bericht gefordert hat.“
Draghi sieht Europa von inneren und äußeren Feinden bedroht
Der 78 Jahre alte Draghi zeigte sich in einer Videobotschaft „äußerst dankbar“ für die Ehrung. „Diese Entscheidung kommt zu einer Zeit, zu der Europa viele Feinde hat - vielleicht mehr Feinde denn je, sowohl innere als auch äußere Feinde“, sagte er. Um die Europäische Union zu bewahren, müssten die Europäer enger denn je zusammenstehen, mahnte er. „Wir müssen unsere selbst verschuldeten Schwächen überwinden. Und wir müssen stärker werden: militärisch, wirtschaftlich und politisch.“
Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) nannte Draghi einen herausragenden Europäer und würdigen Preisträger. Als EZB-Präsident und italienischer Ministerpräsident habe Draghi für Verantwortung, Zusammenhalt und ein wettbewerbsfähiges Europa gestanden, schrieb Wüst auf der Plattform X.
Adenauer und Churchill unter ersten Preisträgern
Der Karlspreis war kurz nach dem Zweiten Weltkrieg von Aachener Bürgern gestiftet worden. Er ist nach Kaiser Karl dem Großen benannt, dessen Frankenreich sich im Frühmittelalter über weite Teile Westeuropas erstreckte und der deshalb manchmal als „Vater Europas“ bezeichnet wird. Seit vergangenem Jahr ist der Karlspreis mit einem Preisgeld von einer Million Euro verbunden, gestiftet von einem Aachener Ehepaar. Dieses Geld soll proeuropäischen Projekten zugutekommen.
Zu den ersten Preisträgern gehörten Bundeskanzler Konrad Adenauer (1954) und der ehemalige britische Premierminister Winston Churchill (1955). Im vergangenen Jahr ging der Preis an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Der letzte Italiener, der den Preis erhielt, war 2009 der Friedensvermittler und Gründer der katholischen Gemeinschaft Sant’Egidio, Andrea Riccardi.