AbonnierenAbo
AbonnierenAbo
Zähl Pixel
Zwischenbilanz

Commerzbank mit Rekordgewinn in die Arme der Italiener

Gute Geschäfte, aber drohende Übernahme: Der Commerzbank stehen weitere unruhige Wochen bevor. (Archivbild)

Gute Geschäfte, aber drohende Übernahme: Der Commerzbank stehen weitere unruhige Wochen bevor. (Archivbild) Foto: Michael Brandt/dpa

Die Commerzbank bleibt auf Kurs Richtung Rekordjahr. Doch im Vordergrund steht die von der Unicredit betriebene Übernahme des Dax-Konzerns. Wie geht es weiter für den Vorstand um Bettina Orlopp?

Von Jörn Bender, dpa und Steffen Weyer, dpa-AFX 05.11.2026, 07:20 Uhr

Frankfurt/Main. Die Commerzbank bleibt auf Rekordkurs und hat in den ersten neun Monaten 2026 mehr Gewinn gemacht als im gesamten Vorjahr. „Die starke Geschäftsentwicklung belegt, welches Potenzial in der Commerzbank steckt“, bilanzierte Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp. 

Seit Monaten hat der Dax-Konzern mit der italienischen Unicredit de facto einen Kontrollaktionär, der auf eine Übernahme zusteuert. Die Frankfurter bereiten sich auf die nächste Phase vor: „Die Vorbereitungsarbeiten für die Konsolidierung haben begonnen“, heißt es in einer Präsentation.

Orlopp, die sich fast zwei Jahre gegen die Übernahme gewehrt hat, sagt inzwischen: „Wir sind überzeugt, dass wir gemeinsam mit Unicredit Wert schaffen können, indem wir die Stärken beider Banken konsequent nutzen.“ In einer Telefonkonferenz bekräftigte sie: „Ich bin zuversichtlich, dass innerhalb der Unicredit-Gruppe zusätzliche Gewinne erzielt werden können.“

Potenzial sehe die Commerzbank „etwa im Einkauf, bei IT-Themen wie Cybersecurity und KI, im Vertrieb und bei gemeinsamen Produktplattformen“, sagte die Managerin in einem Video im Intranet der Bank. „Für unsere Kundinnen und Kunden ändert sich im Tagesgeschäft erst mal nichts.“

Muss Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp gehen, wenn die Unicredit die Kontrolle übernommen hat? (Archivbild)

Muss Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp gehen, wenn die Unicredit die Kontrolle übernommen hat? (Archivbild) Foto: Andreas Arnold/dpa

Rekordgewinn nach neun Monaten

Die Geschäfte der zweitgrößten börsennotierten Bank Deutschlands liefen auch im dritten Quartal gut: 859 Millionen Euro Gewinn waren gut 45 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. In den ersten neun Monaten kletterte der Überschuss um mehr als 40 Prozent auf rund 2,7 Milliarden Euro. Das ist das beste Ergebnis für diesen Zeitraum in der Konzerngeschichte. Für das Gesamtjahr peilt der Vorstand weiterhin einen Rekordgewinn von mindestens 3,4 Milliarden Euro an. 2025 hatte die Bank wegen hoher Kosten für Stellenabbau mit gut 2,6 Milliarden Euro den Rekord von 2024 (knapp 2,7 Mrd Euro) knapp verfehlt.

Unicredit treibt Übernahme voran

Die Unicredit hat sich den Zugriff auf knapp die Hälfte der Anteile gesichert. Die Großbank, die in Deutschland schon mit der Hypovereinsbank (HVB) vertreten ist, sieht Potenzial für Milliardeneinsparungen. Unicredit-Chef Andrea Orcel will etwa das Auslandsnetz der Commerzbank beschneiden.

Die Commerzbank selbst drückt die Kosten. Im Februar 2025 hatte sie den Abbau von 3.900 Vollzeitstellen bis Ende 2027 angekündigt. Im Mai 2026 folgte ein weiteres Sparprogramm: Bis 2030 sollen zusätzlich konzernweit etwa 3.000 weitere Vollzeitstellen wegfallen.

Laut Commerzbank haben etwa 1.800 Mitarbeitende individuelle Vereinbarungen für einen geordneten Übergang getroffen. Für ein neues Altersteilzeit-Programm haben sich demnach schon mehr als 1.100 Beschäftigte entschieden. Zum 30. September hatte der Konzern weltweit 40.390 Vollzeitkräfte, 25.091 davon in Deutschland.

Unicredit-Chef Andrea Orcel hat sich über fast zwei Jahre an die Commerzbank herangepirscht. (Archivbild)

Unicredit-Chef Andrea Orcel hat sich über fast zwei Jahre an die Commerzbank herangepirscht. (Archivbild) Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Orcel wirbt um Vertrauen

Der Bund, der mit gut 13 Prozent zweitgrößter Einzelaktionär der Commerzbank ist, pocht darauf, dass das Institut seine wichtige Rolle für die Finanzierung des Mittelstands weiter erfüllen kann.

Unicredit-Chef Orcel warb um Vertrauen: „Wir bündeln die Stärken beider Banken nicht, um weniger für die deutschen Unternehmen zu leisten.“ Die Unicredit sei „fest entschlossen, den Mehrwert einer Zusammenführung der Stärken beider Banken unter Beweis zu stellen“, betonte Orcel. „Wir bitten unsere Kunden, uns weiterhin ihr Vertrauen zu schenken und uns an unseren tatsächlichen Leistungen zu messen.“

Das italienische Geldhaus sieht Potenzial für Milliardeneinsparungen. (Archivbild)

Das italienische Geldhaus sieht Potenzial für Milliardeneinsparungen. (Archivbild) Foto: Peter Kneffel/dpa

Austausch der Commerzbank-Spitze?

In den nächsten Wochen erwartet die Unicredit die ausstehenden Genehmigungen für ihren Übernahme-Plan. Die Commerzbank geht davon aus, dass „im Verlauf des vierten Quartals oder spätestens bis Anfang des Jahres 2027“ die Freigaben vorliegen. Orcel hat kein Geheimnis daraus gemacht, dass er die Commerzbank-Führung neu besetzen will. Spekuliert wird über eine außerordentliche Hauptversammlung Ende Januar oder Anfang Februar 2027.

Die Redaktion empfiehlt
Diskutieren Sie mit!