Initiative in Harzburg sucht Menschen, die anderen Zeit schenken
Hospizbegleiter schenken schwerkranken Menschen und deren Angehörigen menschliche Nähe und vor allem Zeit. Foto: Frank Hammerschmidt/dpa
Anlässlich des Welthospiztages möchte die Harzburger Hospizinitiative auf ihre Arbeit aufmerksam machen und vielleicht Menschen finden, die anderen Zeit schenken möchten.
Bad Harzburg. Seit fast 20 Jahren begleiten Ehrenamtliche der Hospizinitiative „Leben bis zuletzt“ in der Propstei Bad Harzburg schwerkranke Menschen und deren Angehörige – persönlich, einfühlsam und kostenfrei. Den Welthospiztag am Samstag, 10. Oktober, und den Deutschen Hospiztag am 14. Oktober möchte die Initiative zum Anlass nehmen, auf die Bedeutung von ambulanter Hospizarbeit aufmerksam machen – und damit möglicherweise zugleich neue Interessenten für dieses ehrenamtliche Engagement zu finden.
„So bunt wie das Leben. Hospiz.“ – Unter diesem Motto steht der Welthospiztag 2026. Ein Satz, der daran erinnern soll, dass auch Krankheit, Abschied, Sterben und Trauer zum Leben gehören. Und dass jeder Mensch seine eigene Geschichte, seine Wünsche, Hoffnungen, Ängste und Bedürfnisse mitbringt. Der Hospizgedanke stellt nicht das Sterben, sondern den Menschen und sein Leben in den Mittelpunkt. Wenn eine schwere Erkrankung vieles verändert, geht es neben einer guten medizinischen und pflegerischen Versorgung auch um Nähe, Aufmerksamkeit und Zeit.
Zeit der vielen Fragen
Viele Menschen verbinden Hospizarbeit vor allem mit der allerletzten Lebensphase. Doch ambulante Hospizbegleitung kann bereits deutlich früher beginnen, wenn eine schwere Erkrankung das Leben von Betroffenen und Angehörigen verändert. Sie bietet Unterstützung, ein offenes Ohr und Begleitung in einer Zeit, in der es häufig viele Fragen, Sorgen und Unsicherheiten gibt.
Auch deshalb gehört es zu den Anliegen der ambulanten Hospizinitiative „Leben bis zuletzt“, Berührungsängste abzubauen und Tod, Sterben und Trauer stärker ins gesellschaftliche Gespräch zu bringen. Denn über das Lebensende zu sprechen, bedeutet nicht, die Hoffnung aufzugeben. Es kann vielmehr helfen, Wünsche auszusprechen, Ängste zu teilen und die verbleibende Zeit bewusster zu gestalten.
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Viele schwerkranke Menschen wünschen sich, möglichst lange in ihrer vertrauten Umgebung bleiben zu können. Ambulante Hospizbegleitung kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Ehrenamtliche Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter schenken dabei vor allem eines: Zeit. Zeit zum Zuhören und Reden, für Erinnerungen oder gemeinsames Schweigen, für einen Spaziergang oder einfach dafür, da zu sein. Der begleitete Mensch bestimmt selbst, was ihm guttut und was er braucht.
Nähe und Verlässlichkeit
Auch Angehörige erfahren Unterstützung. Sie tragen oft über lange Zeit große Verantwortung und kommen dabei mitunter selbst an ihre Grenzen. Hospizbegleitung kann entlasten, Gesprächspartner sein und das Gefühl vermitteln: Wir müssen diesen Weg nicht allein gehen. Hospizbegleitung ersetzt dabei weder Pflege noch ärztliche oder palliative Versorgung. Sie ergänzt diese um etwas sehr Wesentliches: menschliche Nähe, Aufmerksamkeit und verlässlich geschenkte Zeit.
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Dabei spielt es keine Rolle, welcher Konfession oder Religion jemand angehört oder welche persönliche Lebensgeschichte er mitbringt. Im Mittelpunkt steht der Mensch. Die Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter werden auf ihr verantwortungsvolles Ehrenamt sorgfältig vorbereitet und geschult. Auch während ihrer Einsätze werden sie begleitet. Regelmäßige Supervisionen geben ihnen die Möglichkeit, Erfahrungen zu reflektieren, Belastendes zu besprechen und sich auszutauschen.
Für dieses besondere Ehrenamt ist keine medizinische oder pflegerische Ausbildung erforderlich. Gefragt sind Verlässlichkeit, Einfühlungsvermögen, Offenheit und die Bereitschaft, sich mit Krankheit, Abschied, Sterben und Trauer auseinanderzusetzen. Hospizarbeit lebt vom ehrenamtlichen Engagement. Deshalb würde sich die Bad Harzburger Initiative „Leben bis zuletzt“ über Menschen freuen, die sich vorstellen können, selbst Begleiterin oder Begleiter zu werden. Ein erstes Gespräch kann ganz unverbindlich sein.
Einfach drüber sprechen
Die Begleitung schwerkranker Menschen und ihrer Angehörigen ist kostenfrei. Die ambulante Hospizinitiative „Leben bis zuletzt“ finanziert ihre Arbeit aus Spenden und ist daher auch auf die Unterstützung der Menschen in der Region angewiesen.
Der Welthospiztag und der Deutsche Hospiztag sollten auch als eine Einladung verstanden werden, über Sterben und Tod zu sprechen – Themen, die im Alltag gerne beiseite geschoben werden. Hospizarbeit möchte diesen Themen etwas von ihrem Schrecken nehmen und zeigen: Auch am Lebensende sind Begegnung, Nähe, Humor, Erinnerungen und schöne Augenblicke möglich. Denn Hospizarbeit handelt nicht nur vom Sterben. Sie handelt von Würde und Selbstbestimmung, von Nähe und Zuwendung, von Begegnung und vom Leben – bis zuletzt.
Wer Kontakt zum ambulanten Hospizverein in der Propstei Bad Harzburg aufnehmen möchte, kann dies unter der Telefonnummer (0160) 460 4277 oder per E-Mail unter info@hospizinitiative-badharzburg.de tun. Jeder, der sich Hospizbegleitung wünscht, sich für ein Ehrenamt interessiert oder die Hospizarbeit vor Ort unterstützen möchte, kann die Kontaktdaten nutzen.
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