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Bild "Goslar im Kranz seiner Berge" nicht in Surinam untergegangen

GZ Plus IconSuche nach Reinecke-Altenau-Gemälde endet im Museum

Einmal Suriname und zurück: Das Bild „Goslar im Kranze seiner Berge“ gilt als das Werk Reinecke-Altenaus, das am weitesten reiste.

Einmal Suriname und zurück: Das Bild „Goslar im Kranze seiner Berge“ gilt als das Werk Reinecke-Altenaus, das am weitesten reiste.

Das Bild "Goslar im Kranze seiner Berge" hing an Bord des Frachtschiffs "Goslar", das 1939 vor Paramaribo versenkt wurde. Auf der Suche nach dem vermeintlich verschollenen Gemälde des Malers Karl Reinecke-Altenau wurde Werner Gladigau jetzt im Museum der Stadt Goslar fündig. Aber warum kehrte das Patengeschenk in die Kaiserstadt zurück?

Von Petra Hartmann Mittwoch, 15.12.2021, 10:30 Uhr

Goslar/Suriname. Die Spur führt zurück nach Goslar: Das verschollene Bild „Goslar im Kranze seiner Berge“, nach dem jüngst ein Filmteam aus Suriname fahndete, ist offenbar nicht mit dem Frachtschiff „Goslar“ vor Paramaribo untergegangen. Nach dem Hinweis des Kunstexperten Kai Gurski, das Bild könnte im Goslarer Museum lagern, hat Werner Gladigau das Verzeichnis des Museumsmagazins durchforscht – und wurde fündig.

Die Stadt Goslar war seinerzeit nicht nur Namenspatronin des Frachtschiffs, sondern hatte auch die Patenschaft übernommen. Das Gemälde des bekannten Künstlers Karl Reinecke-Altenau, das im Salon des Schiffs hing, sollte davon Zeugnis ablegen. Doch im Jahr 1939 versenkte die Mannschaft das Schiff vor der Hauptstadt der niederländischen Kolonie Suriname, Paramaribo, um der Beschlagnahmung durch die Behörden zuvorzukommen. Werner Stauder, ein Journalist, der über 20 Artikel über die gesunkene Goslar veröffentlicht hat, war bisher der Ansicht gewesen, das Gemälde sei seither verschollen. Ein Verdacht, den Werner Gladigau nun ausräumt. Demnach ist das im Goslarer Museum enthaltene Bild tatsächlich identisch mit dem Bild aus dem Schiff.

Gladigau gehörte zu einer Gruppe des Museumsvereins, die 2014 damit begonnen hatte, den gesamten Bestand des Museumsmagazins zu erfassen und zu digitalisieren. Die Arbeiten seien jetzt weitgehend abgeschlossen. Sowohl dem Museumsverein als auch dem Museum liegen eine analoge – rund 20 gut gefüllte Leitzordner – und eine digitalisierte Version des Archivbestands vor. „Wenn es sich um dieses Bild handelt, wäre es unter der Inventarnummer 5750 im Raum 9 = Bildermagazin, dort 1. Raum, Wand 8, Tafel 7 zu finden, sofern nicht Umräumarbeiten stattgefunden haben“, stellt Gladigau fest. Ein Informationstext auf der Rückseite des Bildes weist es tatsächlich als genau das Bild aus, das im Salon des Frachtschiffs Goslar gehangen hat: „Dieses repräsentative Gemälde gehört zu den größten auf Leinwand gemalten Bildern Reinecke-Altenaus. Ende der 1920er Jahre malt er es – alle markanten Sehenswürdigkeiten und prägenden Landschaftsmomente sowie das Stadtwappen zeigend – im Auftrag der Stadt Goslar“, heißt es dort. „Diese übergibt es als Patengeschenk an die Norddeutsche Lloyd (...), um im Salon des Dampfers ‚Goslar‘ aufgehängt zu werden, was 1930 schriftlich bestätigt wird.“ Als Besonderheit hält der Text auf der Bildrückseite fest: „Somit dürfte dieses Gemälde Reinecke-Altenaus zugleich auch jenes sein, welches in seiner Vergangenheit die größte Entfernung zurückgelegt hat, denn die ‚Goslar‘ wurde für den Fracht- und Personenverkehr von Europa nach Ostasien in den Dienst gestellt.“

Ein Zeitungsbericht, erschienen etwa eine Woche vor dem Stapellauf des Schiffs, beschreibt das Gemälde so: „Reinecke-Altenau hat sich einen Blick auf Goslar ausgesucht, der bisher in dieser Art noch nicht gemalt ist. Das monumentale Bild zeigt den Blick vom nördlichen Hange des Sudmerberges auf die Stadt, wie Goslar mit seinen ragenden Türmen und bunten Dächern in den dunklen Tannenkranz sich einschmiegt. Der Künstler hat dieses charaktervolle Stück Harzer Gebirgslandschaft in grandioser Vereinfachung gegeben und die Landschaft auf möglichst einfache Faktoren in Form und Farbe zurückgeführt.“ Zum Verwendungszweck des Bildes heißt es in dem Zeitungsbericht: „Da das Gemälde in dem Salon des Dampfschiffs aufgehängt wird, musste auf dessen Innenausstattung Rücksicht genommen und eine starke bildmäßig geschlossene Wirkung angestrebt werden. Man kann wohl sagen, dass dem Künstler diese Wirkung gelungen ist.“

Damit ist ein Beleg gefunden, dass es sich bei dem Gemälde im Goslarer Museum tatsächlich um das gleiche Bild handelt, das die Stadt für ihr Patenschiff zur Verfügung stellte. Die Vermutung, das Bild an Bord des Frachters könnte eine Kopie oder zweite Variante des Goslarer Gemäldes sein, ist somit hinfällig. Doch wie kam Reinecke-Altenaus Werk am Ende wieder zurück in die Kaiserstadt? Werner Gladigau hat keine Antwort darauf. Hat die Stadt Goslar von der Reederei ihr Patengeschenk zurückgefordert? War das Bild vielleicht schon vor der Versenkung des Schiffs von Bord gebracht worden? Oder haben Besatzungsmitglieder oder surinamesische Behörden es geborgen und der Stadt zurückgebracht? Fragen, die vielleicht die surinamesische Filmcrew in ihrer Dokumentation noch lösen kann.

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Eintrag im Verzeichnis des Museumsarchivs über das Goslar-Bild.  Fotos: Privat

Eintrag im Verzeichnis des Museumsarchivs über das Goslar-Bild. Fotos: Privat

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