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Aus dem 3D-Drucker

Justin Bieber trägt sie: Schuhe der Firma Zellerfeld erobern die Welt

Cornelius Schmitt, CEO vom Schuhhersteller Zellerfeld, steht mit Schuhen aus dem 3D-Drucker in der Produktion vor Druckern. 

Cornelius Schmitt, CEO des Schuhherstellers Zellerfeld und ehemaliger Student der TU Clausthal, steht mit Schuhen aus dem 3D-Drucker in seiner Produktionshalle in Hamburg. Foto: Bockwoldt/dpa

Cornelius Schmitt hat an der TU Clausthal studiert und ist ein Turnschuh-Fan. Mit seiner Firma Zellerfeld verkauft er Sneakers aus dem 3D-Drucker – sogar an große Stars.

Von Christiane Bosch/dpa Donnerstag, 19.02.2026, 18:00 Uhr

Clausthal-Zellerfeld/Hamburg. Was als Tüftelei eines Studenten an der TU Clausthal beginnt, entwickelt sich zum millionenschweren Sneaker-Business: Cornelius Schmitt aus Münster will mit seiner Firma Zellerfeld die Schuhindustrie umkrempeln. Selbst Promis wie der Basketball-Star Shaquille O’Neal und Sänger Justin Bieber tragen bereits die 3D-gedruckten Modelle. Bald sollen die Schuhe an Millionen Füßen weltweit zu sehen sein. Diesem Ziel kommt der 30-Jährige mit großen, sportlichen Schritten immer näher. Den Blick in seine akademische Heimat verliert er dabei nicht: Beim Festakt zum 250. Geburtstag der TU Clausthal ist er im vorigen Jahr Ehrengast.

Schuhe aus dem 3D-Drucker stehen beim Schuhhersteller Zellerfeld in einem Regal. 

Schuhe aus dem 3D-Drucker stehen beim Schuhhersteller Zellerfeld in einem Regal. Foto: Bockwoldt/dpa

Die Geschichte von Cornelius Schmitt und seinen Turnschuhen aus dem 3D-Drucker beginnt 2015. Gerade einmal Anfang 20 ist er, als er die ersten Drucker baut und die passende Software aufsetzt. „Ich habe gar nicht darüber nachgedacht, das irgendwie als Geschäft aufzubauen. Das war einfach ein Hobbyprojekt als Student. Ich liebe Schuhe.“ Schon damals hätten viele Designer auf Social Media viel coolere Schuhdesigns hergestellt als die großen Marken.

Deal mit Designern und Schuhmarken

Also hat er einfach mit ihnen direkt einen Deal gemacht und einigen von ihnen gesagt: „Du gibst mir dein Design, ich drucke dir das for free, aber dafür darf ich das auch haben. Und so ging das dann quasi los“, erinnert sich Schmitt an die Anfänge.

Die 3D-Sneaker von Cornelius Schmitt, CEO der Firma Zellerfeld, erobern die Welt.

Die 3D-Sneaker von Cornelius Schmitt, CEO der Firma Zellerfeld, erobern die Welt. Foto: Bockwoldt/dpa

Die Idee schlägt Wellen, ein Designer folgte auf den Nächsten. Irgendwann kam Cornelius Schmitt nicht mehr hinterher. Seitdem nimmt er Geld, wenn Designer und Schuhmarken über Zellerfelds Plattform ihre Sneaker drucken. Ohne Lizenzgebühren. Die Gewinne werden den Angaben zufolge 60:40 zugunsten der Designer geteilt. „Mittlerweile fragen die weltweit größten Schuhmarken bei uns an. Es gibt Marken, die wollen Millionen Schuhe von uns.“

Datenbank mit mehr als 1000 Modellen

Und die Datenbank wächst und wächst. Ob extravagant, riesig, zart oder ganz klassisch – mehr als 1000 verschiedene Modelle von Designerinnen und Designern aus der ganzen Welt können Sneaker-Fans mittlerweile abrufen. Sogar eigene Modelle können sie erstellen. Am Anfang hat Cornelius Schmitt noch jedes einzelne Modell selbst getragen. „Das klappt mittlerweile leider nicht mehr“, sagt er mit einem Lachen. Noch immer aber wird jeder Musterschuh in seiner Schuhgröße hergestellt. Außerdem besteht er darauf, dass alle im Team – die Mitarbeiterzahl sei dreistellig – am Hamburger Standort Zellerfeld-Schuhe tragen.

Auch Stars tragen längst Zellerfeld-Sneaker ihrer Lieblingsdesigner oder designen sie einfach selbst. Basketball-Star O’Neal hat etwa 30 Schuhe in Größe 60 bei den Hamburgern bestellt. „Das war schon verrückt, als Justin Bieber die Schuhe von uns getragen hat. Drake oder zum Beispiel Will.i.am wollten Schuhe von uns. Da merkt man schon, dass wir da irgendwie einen guten Nerv getroffen haben.“ Die Nachfrage ist mittlerweile riesig, das Interesse von Investoren hoch.

Deshalb rüstet Zellerfeld seit Monaten entsprechend auf. Mehr als 200 3D-Drucker stehen derzeit in Hamburg, bis zu 2000 sollen es Ende 2026 sein. Dafür zieht das Unternehmen aktuell innerhalb Hamburgs um. Farm, nennt Cornelius Schmitt die Hallen mit den Druckern. In den USA hat er eine zweite Produktionshalle. Auch dort stehen bereits Hunderte 3D-Drucker.

Schuh besteht aus nur einem Material

Jede Einheit ein schwarzer, mannshoher Kasten. Und darin, hinter einer Glasscheibe, entsteht innerhalb von zwölf bis 24 Stunden aus einem dünnen Kunststofffaden ein Paar Turnschuhe. Wer auf der Internetseite des Unternehmens Sneaker für sich bestellt, bekommt innerhalb von wenigen Tagen einen Schuh, der perfekt auf den eigenen Fuß passt. Dafür müssen die Kunden lediglich ihre Füße neben einem weißen Din-A4-Blatt fotografieren. „Zellerfeld ist der einzige Schuhladen, bei dem jeder Schuh auch wirklich passt.“

Cornelius Schmitt, CEO vom Schuhhersteller Zellerfeld, zeigt einen Faden von einer Kunststoffrolle zur Herstellung von Schuhen aus dem 3D-Drucker.

Cornelius Schmitt zeigt einen Faden von einer Kunststoffrolle zur Herstellung von Schuhen aus dem 3D-Drucker. Foto: Bockwoldt/dpa

Üblicherweise wird ein Turnschuh aus bis zu 30 verschiedenen Materialien hergestellt – von der Sohle über Nieten für die Schnürsenkel und die Polsterung bis hin zur atmungsaktiven Oberfläche. Zellerfeld hat dagegen nur ein einziges Material: einen dünnen Kunststofffaden. Und je nach Anspruch wird der enger verwoben oder eben nicht. „Am Anfang unserer Experimente fühlte sich das noch plastikartig an und nicht wie ein Textil. Dann haben wir an Omas Wollsocken gedacht und die Fasern wieder dicker und rauer gemacht. Und das fühlt sich schon viel mehr wie ein Textil an.“ Den voll recycelbaren „Zellerfoam“ hat Schmitt patentieren lassen, ebenso die Technik für den 3D-Druck der Schuhe.

Gedruckte Schuhe für jeden Fuß der Welt

Normalerweise dauere die Herstellung eines Schuhes von der Idee bis zum Laden bis zu 24 Monaten. „Bei uns ist es ein Tag.“ Ob edler Halbschuh, Turnschuh, Flip-Flops oder Boots: „Es ist nur die Software, die entscheidet, was aus dem Drucker rauskommt.“ Das spart Zeit und Kosten.

Ein Schuh wird beim Schuhhersteller Zellerfeld in einem 3D-Drucker gedruckt.

Ein Schuh wird beim Schuhhersteller Zellerfeld in einem 3D-Drucker gedruckt. Foto: Bockwoldt/dpa

Auf 10 bis 20 Euro pro Schuh will Schmitt die Kosten schon bald reduzieren können. „Und auf einmal kann jeder einen Schuh machen. Und das ist ja auch die Energie, die wir in die Industrie geben wollen.“ 2026 will Schmitt rund eine Million Schuhe produzieren. „Wir wollen Stück für Stück wirklich jeden Fuß der Welt erobern.“

Eine Gefahr für das klassische Schuhhandwerk?

Schmitt ist davon überzeugt, dass schon bald kaum noch einer in einen Schuhladen gehen wird. Wer sich perfekt passende Schuhe in seinem Lieblingsdesign jederzeit drucken lassen könne, werde doch in einem Schuhgeschäft mit nur wenigen Modellen nicht mehr fündig. „Ich glaube deswegen, dass traditionell hergestellte Schuhe ein Ding der Vergangenheit sein werden.“ Mit seiner Firma revolutioniere er quasi die Schuhindustrie.

Der Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie sieht dagegen keine Gefahr für das klassische Schuhhandwerk. Sie könne von den Entwicklungen im Materialbereich durchaus profitieren, sagt Torben Schütz, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Verbandes. Aber Schuhe nur aus dem 3D-Drucker? Das sei „aus unserer Sicht noch nicht ausgereift“.

Auch Schmitt sieht durchaus noch viele Potenziale. Erst vor wenigen Wochen hat Zellerfeld gemeinsam mit Nike die ersten mehrfarbigen Schuhe aus dem 3D-Drucker vorgestellt. „Ein weiterer Durchbruch und Meilenstein für uns“, so Schmitt. „Auch orthopädisch angepasste Fußbetten werden bald kommen“, verspricht der 30-Jährige.

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