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Harzer Landrat: „Gibt nur Verlierer“

Bundeswehr sagt umstrittenes Camp auf dem Brocken ab

Ein Hubschrauber auf dem Brocken

Ein Hubschrauber der Bundeswehr landet im Januar auf dem Brocken. Angehörige der Truppe erkunden das Gelände, um ein Nachwuchscamp zu planen.Foto: Bein Foto: Bein

Die Bundeswehr hat ihr umstrittenes Camp zur Nachwuchswerbung auf dem Brocken abgesagt. Landrat Thomas Balcerowski bedauert den Rückzieher, es gebe nur Verlierer.

Von Oliver Stade Dienstag, 10.03.2026, 11:53 Uhr

Harz. Die Bundeswehr hat ihr für Mitte Mai geplantes Brocken-Camp zur Nachwuchswerbung abgesagt. Die Truppe wollte sich zwei Wochen lang auf Norddeutschlands höchstem Gipfel präsentieren. Das Vorhaben war aus mehreren Gründen heftig umstritten, Halberstadts Landrat Thomas Balcerowski unterstützte das Camp hingegen.

Die Bundeswehr habe das „Camp Brocken“ mit der Begründung abgesagt, dass es „unter den derzeit gegebenen Rahmenbedingungen“ nicht möglich sei, berichtet die Kreisverwaltung in Halberstadt. Der Landrat hatte stets betont, die Bundeswehr gehöre in die Mitte der Gesellschaft, daher befürwortete er das Vorhaben.

Künftig keine Hilfe?

Balcerowski meint nun, es gebe „nur Verlierer“: Die Bundeswehr zählt er dazu, weil sie sich „an diesem prädestinierten Ort nicht präsentieren“ könne. Die Stadt Wernigerode entgehe als Folge der Absage möglicherweise eine Kostenerstattung für den Bundeswehr-Brandeinsatz vom September 2024 auf dem Brocken. Den Nationalpark rechnet der Landrat zu den Verlierern, weil der Konflikt dazu führen könne, dass bei weiteren Großbränden am Brocken nicht mehr mit der Unterstützung der Bundeswehr zu rechnen ist.

Zuletzt schien es eher so, als sei das Camp auf dem Brocken doch möglich. Die Bundeswehr hatte kürzlich erklären lassen, dass für die vom 15. bis 31. Mai geplante Veranstaltung auf Flüge von Hubschraubern und Flugzeugen verzichtet werde.

Allerdings hatte die Nationalparkverwaltung Ende voriger Woche weiterhin beklagt, ihr lägen keine konkreten Planungen für das Camp vor, mittlerweile laufe die Zeit dafür ab, eine „gesetzeskonforme Prüfung“ vornehmen zu können. Nach wie vor hatte die Nationalparkverwaltung die Bundeswehr gebeten, an einen anderen Ort auszuweichen, der besser geeignet ist.

Breiter Protest

Ende Januar war bekannt geworden, dass die Bundeswehr ein Nachwuchscamp auf dem Brocken plant, zu dieser Zeit hatte sie das Terrain mit einem Hubschrauber und einem Flugzeug erkundet. Weil die Zeit im Mai ausgerechnet in die Brut- und Setzzeit fällt und auf dem Brocken seltene und streng geschützte Arten wie die Ringdrossel brüten, haben Naturschützer Bedenken angemeldet. Im Internet wurden in zwei Petitionen Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt.

Auch aus dem Landkreis Goslar gab es Protest. Die Partei „Die Linke“, die Grünen und Pax Christi Nordharz meldeten sich kritisch zu Wort, weil sich die Bundeswehr auf dem Brocken präsentieren wollte. Auch die Grünen-Bundestagsabgeordneten Karolin Otte und Steffi Lemke hatten das Camp abgelehnt. Lemke hatte dazu eine Anfrage an das Bundesverteidigungsministerium formuliert.

Kostenerstattung für Einsatz

Vorige Woche hatte Wernigerodes Oberbürgermeister Tobias Kascha angesichts der anhaltenden Kritik schließlich angeboten, bei der Suche nach einem alternativen Standort für das Camp behilflich zu sein. Landrat Balcerowski hatte Ende Februar folgende Rechnung aufgemacht: Wenn der Landkreis, dem die Flächen auf dem Brocken gehören, kein Nutzungsentgelt für das Camp erhebe, sei die Bundeswehr im Gegenzug möglicherweise bereit, die Hälfte der Summe zu erlassen, die sie der Stadt Wernigerode für den Hilfseinsatz bei einem Großbrand im September 2024 in Rechnung gestellt hatte. Dies würde einem Betrag von 675.000 Euro entsprechen, berichtete der Landrat. oli

Ein Hubschrauber der Bundeswehr landet im Januar auf dem Brocken. Angehörige der Truppe erkunden das Gelände, um ein Nachwuchscamp zu planen.Foto: Bein
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Diskutieren Sie mit!
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Peter Welke
10.03.202612:53 Uhr

Schade, in der Tat, es gibt nur Verlierer.
Daß Sektieren und (extremen?) Linken nachgegeben wurde, schmerzt umsomehr.
Wir alle (!) brauchen eine starke Bundeswehr für Friede, Freiheit und (ja!) auch für unseren Wohlstand.

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