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Goslarer Pyrotechniker kritisiert Umgang mit seiner Branche

"Pyro" an Silvester 2021: Verkauf verboten, Abbrennen erlaubt

Seine Ware wird Sven Schneider auch in diesem Jahr nicht los.  Foto: Epping

Seine Ware wird Sven Schneider auch in diesem Jahr nicht los. Foto: Epping

Sven Schneider vom gleichnamigen Pyrogeschäft in Jerstedt ist enttäuscht. Eigentlich wollte der Geschäftsmann in dieser Woche Raketen, Böller und Knallfrösche verkaufen, doch die Bundesregierung beschloss, dass auch 2021 der Verkauf von Pyrotechnik verboten ist.

Von Sebastian Sowa Freitag, 31.12.2021, 17:00 Uhr

Jerstedt. Trotzdem kommen einige Kunden in sein Geschäft und wollen Feuerwerksartikel kaufen. „Vielen ist es gar nicht bewusst, dass es in diesem Jahr nicht erlaubt ist, Feuerwerk zu kaufen, sie können das Verbot nicht nachvollziehen“, erklärt Schneider. Ein weiteres Problem sei, dass das Abbrennen von altem Feuerwerk auf Privatgrundstücken wiederum erlaubt ist. „Wenn, dann hätten sie neben dem Verkauf auch das Abbrennen verbieten sollen.“

Seiner Meinung nach würden jetzt viele Menschen ins benachbarte Ausland fahren, sich mit Böllern und Raketen eindecken, um es dann im heimischen Garten abzubrennen. Schneider vermutet, dass das Verbot auch deshalb beschlossen wurde, weil vermieden werden soll, dass in der Silvesternacht das Feuerwerk benutzt wird, um Randale zu machen. Jetzt verkauft Schneider Kinderfeuerwerk. Der Unternehmer glaubt, dass seine Branche am Rande der Existenz stehe. Auch seine Aufträge für Großfeuerwerke, unter anderem eines heute in Osnabrück, wurden storniert.

Schneiders Lager ist dementsprechend voll. Sein letztes großes Feuerwerk brannte er am 3. Dezember im Rahmen des Hamburger Doms ab. Neue Großfeuerwerk-Termine hat der Pyro-Techniker ab August. Denkt er ans Aufhören? „Momentan nicht, wir haben Signale bekommen, dass es noch mal Hilfen geben wird, das lässt einem die Zeit zum Atmen.“

Dass Feuerwerk ein Klima-Killer sei, dementiert Schneider. So seien laut einer Studie der Pyrotechnischen Industrie private Grillabende in Deutschland klimatechnisch um ein Vielfaches schädlicher als das Feuerwerk zu Silvester.

Und es heißt Augen auf, bevor die Lunte brennt: Geprüftes Feuerwerk bekommt ein Zulassungszeichen, auch CE-Zeichen genannt. Allerdings weist Schneider darauf hin, dass solche Zulassungszeichen auch gefälscht sein können.

Wer Feuerwerk in den Niederlanden, Frankreich, Dänemark oder in Polen kauft, muss dieses beim Grenzübergang an der Zollstelle anmelden. Nur Feuerwerke, die der Kategorie F1 oder F2 entsprechen – zum Beispiel Tischfeuerwerk und Silvesterfeuerwerk – dürfen nach Deutschland eingeführt und privat abgebrannt werden.

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