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Corona schwächt Kur-Nachfrage

Harzburger Mutter-Kind-Klinik geht das Geld aus

Die Reha-Klinik in der Burgstraße kämpft nach wie vor mit den Folgen der Corona-Pandemie. Und das im doppelten Sinne.  Fotos: GZ-Archiv/Fricke

Die Reha-Klinik in der Burgstraße kämpft nach wie vor mit den Folgen der Corona-Pandemie. Und das im doppelten Sinne. Fotos: GZ-Archiv/Fricke

Die Mutter-Kind-Vorsorge-Reha-Klinik „Haus Daheim“ hat nach wie vor mit der Corona-Krise zu kämpfen. Zwar ist die Nachfrage nach Kuren groß, aber auch aufgrund des Infektionsgeschehens ist die Belegung niedrig – was zu finanziellen Engpässen führt.

Von Oliver Fricke Freitag, 22.07.2022, 07:00 Uhr

Bad Harzburg. Am oberen Ende der Burgstraße hat die Mutter-Kind-Vorsorge-Reha-Klinik Haus Daheim seit 1980 ihren Sitz. Die Autokennzeichen am Straßenrand vor dem Eingang deuten es an: Hier sind Patientinnen aus ganz Deutschland zu Gast.

Zur Mittagszeit herrscht lebhaftes Treiben im Speisesaal. Es sind zwar Mütter und Kinder da, es sollten aber eigentlich viel mehr sein. „Wir sind über das Jahr gesehen nur zu 81 Prozent ausgelastet. Im Speisesaal darf aufgrund von Hygienemaßnahmen nur jeder zweite Tisch belegt sein“, berichtet Antje Krause, Geschäftsführerin der Vorsorge-Reha-Klinik Haus Daheim. Das bringt für die Einrichtung finanzielle Probleme mit sich. Und das bei eigentlich steigendem Bedarf an Kuren.

Vollauslastung wäre nötig

35 Frauen und 55 Kinder kann die Einrichtung des Müttergenesungswerks (MGW) eigentlich aufnehmen. Finden weniger Patientinnen den Weg nach Bad Harzburg, gibt es auch weniger Geld von den Krankenkassen, welche die Mutter-Kinder-Kuren finanzieren. Im Haus Daheim, einer von 73 Reha-Kliniken unter dem Dach des Müttergenesungswerkes, zeigen sich die Folgen der Corona-Pandemie wie auch in anderen Kliniken. Denn normalerweise benötigte die Einrichtung eine Vollauslastung, um kostendeckend arbeiten zu können.

„Wir haben die Corona-Krise bisher überstanden. Der Bedarf an unserem Angebot ist sehr hoch und in den letzten beiden Jahren weiter angestiegen. Es gibt ganz viele kranke und erschöpfte Mütter, die mit ihren Kindern einer medizinischen Vorsorge- oder Rehamaßnahme bedürfen“, so Krause. Die Pandemie sorgte aber auch dafür, dass die auf drei Wochen angelegten Therapien von Müttern unterbrochen oder zum Teil ganz abgesagt werden mussten. Viele Teilnehmerinnen können aufgrund einer Covid-Infektion gar nicht erst anreisen oder brechen die Kur vorzeitig ab. Anders als in einem Krankenhaus, in dem ein frei gewordenes Bett rasch wieder neu belegt wird, ist das bei einer Kur-Klinik nicht möglich: Die Therapie verläuft von Beginn an in einer Gruppe, welche sich über die drei Wochen hinweg weiter entwickelt.

Svenja Stadler, Antje Krause und Yvonne Bovermann (v. links) sprechen über die Unterfinanzierung der Mutter-Kind-Kliniken.

Svenja Stadler, Antje Krause und Yvonne Bovermann (v. links) sprechen über die Unterfinanzierung der Mutter-Kind-Kliniken.

„Eine 94-prozentige Auslastung des Hauses bräuchten wir mindestens, besser wäre aber natürlich 100 Prozent“, so Krause. Da die Kliniken nicht voll belegt sind, kommt es demzufolge zu finanziellen Einbußen. Diese sogenannten Minder-Erlöse wurden bis Ende Juni 2022 durch eine gesetzliche Vereinbarung aufgefangen. Eine weitere finanzielle Belastung entsteht den Kliniken durch die kostenintensiven Corona-Schutzmaßnahmen.

„Wir wünschen uns von der Politik, dass die wirtschaftliche Unterstützung, die im Juni endete, fortgesetzt wird“, so Yvonne Bovermann, Geschäftsführerin des Müttergenesungswerks. Der Bundesgesundheitsminister müsse dafür sorgen, dass dafür die gesetzliche Grundlage geschaffen werde. Mit einem entsprechenden Schreiben hat sich das MGW an die Mitglieder des Bundestages gewandt und auf die Unterfinanzierung der Kliniken aufmerksam gemacht

. Seit dem Sommer 2021 sei zwar eine Vollbelegung der Mutter-Kind-Kliniken wieder „von der Idee her möglich, kann aber nicht umgesetzt werden“, schildert Bovermann das Problem. Zwei bis fünf Personen würden im Schnitt pro Woche aus den Kliniken abreisen. „Im Gesundheitswesen ist dies leider ein unterfinanzierter Bereich, der nichts zusetzen kann. In den letzten zwei Jahren sind unsere Kliniken oft vergessen worden. Durch gewaltige Kraftanstrengungen haben wir dem MGW aber immer wieder Gehör verschafft“, so Bovermann.

Besonders Frauen hätten in den Pandemie-Jahren zu leiden gehabt. „Bisher wurde immer nur von einem Gefühl gesprochen, dass Mütter mehr belastet gewesen seien, wir können es aber anhand der Anzahl von Patientinnen, die direkt oder indirekt unter der Pandemie leiden, auch belegen“, so Svenja Stadler, Kuratoriumsvorsitzende im Müttergenesungswerk. So habe die Anfrage nach Kurplätzen um bis zu 30 Prozent zugenommen.

Thema für den Bund

Stadler, Bundestagsabgeordnete für den Landkreis Harburg, kündigte an, dass nach der parlamentarischen Sommerpause das Thema der wirtschaftlichen Unterstützung von Mutter-Kind-Heimen in den entsprechenden Ausschüssen in Berlin auf der Tagesordnung stehen werde. „Frauen haben in der Corona-Zeit durch die Doppelbelastung von Beruf und Familie viel leisten müssen, das muss aufgefangen werden“, betonte sie abschließend.

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