Glück auf und guten Rutsch ins neue Jahr
Silvester ist Zeit zum Feiern - und für Optimismus.
Ist das Glas halb voll oder halb leer? Rückblicke und Ausblicke sind stets eine Sache der Perspektive. 2022 war weniger schlecht, als viele sich einreden. Und 2023 wird besser, als so mancher befürchtet, prophezeit GZ-Chefredakteur Jörg Kleine.
Jahresrückblicke gibt es ja inzwischen wie Sand Meer. Damit sich beispielsweise Fernsehsender mit dem Rückblicksfeuerwerk nicht in die Quere kommen, beginnen manche Rückschauen aufs Jahr schon Wochen vor Weihnachten – und nähern sich damit zeitlich langsam dem Verkaufsstart von Lebkuchen und Dominosteinen an.
Gut, dass die Termine von Weihnachten und Silvester im Kalender noch fest fixiert sind, sonst nähme es kaum Wunder, wenn Handelskonzerne oder TV-Kanäle auf die Idee kämen, Heiligabend schon mal vorzufeiern. Ende Juni wäre nicht schlecht, dann sind die Tage viel länger – und wir könnten unterm Tannenbau bei einem Bierchen den Grill anzünden. Motto: Leben wie Gott in Australien.

Jörg Kleine ist Chefredakteur der GZ
Vielleicht empfiehlt es sich gerade in solchen Zeiten, viel stärker an Bewährtes, Unveränderliches und Positives zu denken – weniger depressiv zurückzublicken, sondern mit mehr Optimismus in die Zukunft. Mein Fazit an diesem Silvestertag lautet jedenfalls: Das neue Jahr wird besser – und das alte war für uns in Deutschland und dem Harz weit weniger schlecht, als wir uns kollektiv vielleicht einzureden versuchen. Beispiele gibt es zuhauf.
Die Menschen in der Ukraine haben sich Ende Februar nicht in wenigen Tagen den Panzern und dem Raketenhagel des russischen KGB-Zaren Putin ergeben, sondern sich bislang stolz, tapfer und erfolgreich der Okkupation widersetzt. Viele Länder in Europa haben sich von Putin nicht einschüchtern lassen, unterstützen die Ukraine und kümmern sich mit Herz um Flüchtlinge.
Noch im Sommer wurde die nächste Corona-Welle für Herbst und Winter prophezeit, doch sie blieb aus. Weihnachten haben wird deshalb erstmals wieder entspannt in größerer Runde feiern können, und Corona hat den Schrecken verloren.
Trotz Ukraine-Krieges, Lieferschwierigkeiten und Energiekrise ist die Arbeitslosenquote weiterhin niedrig. Die Zukunft für junge Menschen ist nicht düster, sondern beruflich so gut wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Nie gab es in Deutschland eine so gut versorgte Rentnergeneration, und die Lebenserwartung der Menschen ist höher als in den meisten anderen Ländern.
Fast vergessen ist für viele das Aidsvirus als Geißel der Menschheit. Medizinern ist es gelungen, dieses Jahr schon den dritten Patienten von HIV zu heilen – durch Stammzellentherapie.
Und ganz nebenbei: Strom- und Gasversorgung sind nicht ausgefallen. Deshalb, weil wir uns vernünftig verhalten haben – und weil es auch ein Leben gibt unterhalb von 25 Grad im Wohnzimmer.
Die Energiekrise zwingt uns nun zum Umdenken, setzt Produktion, Forschung und Entwicklung in Gang, die zu einem Innovationsschub führen können, künftig unabhängiger von fossilen Rohstoffen machen – und damit auch gut für Umwelt und Klima sind.
Jahresrückblicke und Neujahrsausblicke sind somit vor allem eine Frage der Perspektive: Ist das Glas nun halb voll oder halb leer? Ich empfehle Ihnen, an Silvester mit Optimismus einen guten Schluck nachzuschenken, denn 2023 wird zumindest besser als befürchtet. Wir müssen mehr und gemeinsam daran arbeiten, auch daran glauben – denn damit können wir Berge versetzen. Glück auf, einen guten Rutsch und das Allerbeste für 2023!
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