Bange Blicke auf die Buchungslage nach Silvester
Im Goslarer Stadtgebiet wurden im Dezember bisher rund 16.000 Übernachtungen verbucht. Fotos: Epping
Zumindest das gute Weihnachts-Winterwetter konnten Goslarer und Touristen in der Stadt genießen. Nun steht Silvester vor der Tür, doch so richtig prickelnd findet die Gastgeber-Szene die aktuelle Situation nicht, auch wenn einzelne Häuser trotz der verordneten Neujahrsruhe zum Jahreswechsel gut gefüllt sind.
Vor allem in den oberen Höhenlagen des Harzes seien die Gästezahlen ganz ordentlich, berichtet Willi Robben, der das Altstadt-Hotel „Die Tanne“ betreibt. Anfang Dezember habe die Situation bei ihm auch noch anders ausgesehen. Dann verordnete das Land Niedersachsen die Weihnachts- und Neujahrsruhe und es seien nur noch Stornierungen und keine neuen Buchungen mehr erfolgt. „Jetzt habe ich noch rund 50 Prozent Auslastung“, sagt Robben, der die Zurückhaltung bei den Gästen nachvollziehen kann. Kein Weihnachtsmarkt, keine Tanz-Veranstaltungen – warum sollte man nach Goslar kommen?
Ganz so schlecht sind die absoluten Zahlen nicht: Mit 16.000 Übernachtungen im Stadtgebiet verlaufe der Dezember bislang sogar besser „als die gewöhnlichen Wintermonate in der Zeit vor der Pandemie“, sagt Daniel Beyer von der Goslar-Marketing-Gesellschaft (GMG). Für den Zeitraum der Feiertage sei die Anzahl der Gäste ungefähr auf dem halben Niveau verglichen mit 2019. In der aktuellen Situation würden diese Zahlen den Erwartungen entsprechen.
Niklas Suliktsis von der „Villa Saxer“ berichtet von einem mauen Weihnachtsgeschäft, Silvester sehe es „recht gut“ aus, allerdings längst nicht zu den Preisen, wie in einem Vor-Corona-Dezember. Ganz ähnlich äußert sich Rosemarie Prien, die das Hotel „Alte Münze“ betreibt. „Es kommen noch Buchungen für Silvester“, sagt Prien, die ihr Angebot an die aktuelle Situation angepasst, und etwa die Mindestaufenthaltszeit für Feiertagsgäste reduziert hat. „Wir können uns nicht beschweren“, bestätigt auch Dustin Edert, stellvertretender Direktor im Hotel „Der Achtermann“.
Gar von einem ausgebuchten Platz zum Jahreswechsel berichtet Michael Steinmann, der seine Gäste im „Harz Camp“ an der Clausthaler Straße empfängt. Es habe für den Dezember zwar „jede Menge Stornierungen“ gegeben, doch Silvester sehe es wesentlich besser aus.
Auch der höher gelegene Campingplatz „Kreuzeck“ sei praktisch voll, sagt Betreiberin Lydia Böttcher. Sie mache sich eher Sorgen um die Zeit danach und die Unsicherheit für die Monate Februar und März. Niemand wisse, welche Corona-Regeln dann gelten. Bisher würden sich die Menschen mit Buchungen für 2022 sehr zurückhalten, vereinzelt kämen ein paar Anfragen für die Osterfeiertage.
Die Zurückhaltung bei den Ferienplanungen ist auch in Hahnenklee zu spüren. „Walpurgishof“-Hotelier Axel Bender nimmt es sportlich: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, sagt er und freut sich immerhin über ein volles Haus am Silvestertag: „Seit Montag sind wir ausgebucht“. Für Bender war es, wie für viele Hoteliers, die Silvesterfeiern in ihren Häusern geplant haben, nicht ganz einfach mit der verordneten Neujahrsruhe umzugehen – immerhin beinhaltet sie ein Tanzverbot. Man werde den „Walpurgishof“-Gästen trotzdem einen schönen Abend bieten, meint Bender. Das will auch Harald Böhacker mit seinem Team der „Hotels am Kranichsee“ schaffen, auch wenn er einräumt, „ziemlich frustriert“ zu sein. Denn für Weihnachten und Silvester hatte er große Arrangements geplant, mit mehrtägigen Aufenthalten, Partys und „riesengroßem Programm“. „Wir waren fast ausgebucht, dann kam die Corona-Verordnung“, sagt der Hotel-Chef. Wegen der verschärften Regelungen an und nach den Feiertagen hätten etwa 60 Prozent der Gäste ihre Buchungen storniert. Die Nachfrage für den Januar sei bisher „lachhaft“.
Dass die Lage bei den Hahnenkleer Gastgebern am Jahreswechsel unterschiedlich ist, bestätigt Isabel Junior, Geschäftsstellenleiterin bei der Hahnenklee-Tourismus-Gesellschaft (HTG). Zwischen halb voll und ausgebucht sei am Silvestertag alles dabei bei den Hotels im Kurort. Überhaupt habe es in den vergangenen Wochen ein ewiges Hin und Her bei der Zimmernachfrage gegeben. Die HTG versuche, den Gästen im Rahmen der Corona-Vorgaben etwas Programm zu bieten, etwa die Fackelwanderungen an Silvester, Neujahr sowie den darauf folgenden Samstagen im Januar. Juniors Blick richtet sich bereits auf das Winterfest (29. Januar bis 1. Februar), das normalerweise bei guter Schneelage ein Publikumsmagnet ist. Und darüber hinaus: „Im Februar beginnen in Dänemark die Winterferien.“ Auf skandinavischen Harz-Urlaubern ruhen viele Hoffnungen der Tourismus-Branche – wenn die Corona-Lage einen Urlaub überhaupt zulässt.
Über die aktuelle Corona-Lage immer top informiert mit dem kostenlosen goslarsche.de-Push-Service
An den Weihnachtsfeiertagen zeigt sich der Winter von seiner schönen Seite, was viele Touristen und Goslarer für einen Spaziergang nutzen.