Ausstellung im Kreishaus: Feine Striche mit Botschaften
„Habitus“ von Mike Menke.
Im Foyer des Kreishauses in Goslar ist derzeit eine Ausstellung mit Grafiken und mit Zeichenarbeiten zu sehen. Thomas Velte, Bianca Höltje sowie Mike Menke stellen aus. Die Ausstelklung in der Klubgartenstraße ist bis zum 8. September zu sehen.
Goslar. „Ein Künstler-Trio lässt uns in seine Welt schauen, was wir dort entdecken, ist voller Überraschungen.“ Mit diesen Worten eröffnete Kunsthistorikerin Dr. Elfi Krajewski im Kreishaus die Ausstellung „Disegno – Zeichnungen und Grafik“.
Die Werke entführten die Gäste in eine fantastische Welt. Menschenähnliche Wesen mit langen Schnäbeln im Gesicht oder auch Gesichtslose bewegen sich gelassen in Räumen, deren Böden zerreißen.
Ein Herzensprojekt
Daneben sitzen Gestalten mit halben Köpfen auf einer Bank und lachen. Auf einem anderen Bild schaut ein Junge in den Himmel, sein Gesicht wird umschwärmt von Fischen mit weichen Flossen. „Fischreigen“ heißt das Werk von Thomas Velte. Er bezeichnete die Ausstellung „Disegno“ als Herzensprojekt. Bereits vor Jahren hatte er sich gewünscht, dass Kunstschaffende mit „gleichen Traditionen und verschiedenen Resultaten“ ausstellen. So würde „das Verbindende und Gegensätzliche“ sichtbar.
„Symbiose“ von Thomas Velte.
Bianca Höltje und Mike Menke steuerten Werke zu denen von Velte bei. Diese hängen nun im Forum des Kreishauses in Goslar. Bei „Eintragungen ins Nichts“, von Menke scheinen breite und schmalere Tuschestriche schwungvolle Kapriolen auf dem Papier zu vollführen. Doch bei etwas Abstand zum Werk zeigten sich zwei Gesichter, das einer Frau und das eines Mannes. Nun wurde klar, hier ist jeder Strich, jedes Detail exakt an seinem Platz, es herrscht „die absolute Reduktion aufs Wesentliche“.
„Der Baum“ von Bianca Höltje.
Velte sagte: „Das Wesensmerkmal der grafischen Arbeit ist die Linie, der Strich.“ Zu Bianca Höltje erklärte er: „In ihren Radierungen leben die Linien, die feinen und kräftigen Striche oft in ihrer reinsten Form.“ Auf ihrer Lithografie „Der Baum“ reckt dieser seine nackten Äste in kantigem Wuchs zum Himmel. Aus seiner schorfigen Rinde wachsen dünne Zweige, bereit mit dem Wind zu spielen. Trockenes Gras wuchert an den Baumwurzeln. Mancher meinte, das Knarzen des Baumes zu hören. Eindrucksvoll ist auch die Bleistiftzeichnung „Wolken am Morgen“. Über sanften Hügeln streben dicke Wolken himmelhoch. Obwohl sie nur aus Luft und Wasser bestehen, scheinen sie die Hügel wie ein Gebirge zu überschatten. Velte hat mehrere Serien beigesteuert. Bei „Verschmelzung 1 und 2“ versuchen eine Frau und ein Mann in verschiedene Richtungen voreinander zu fliehen. Doch ihre Arme, Rücken, sogar die Beine sind zusammengewachsen – eine Trennung scheint unmöglich. Die Göttin Justitia war ebenfalls vertreten, mit Schwert und Waage. Auf „Diskussion“ hält sie mit abfälligem Gesichtsausdruck die Waage vor ihre Augen. In den Waagschalen stehen Personen, die sich anfletschen. Ist die Göttin den ständigen Streit leid? Die Ausstellung ist bis zum 8. September geöffnet. Ernst-Diedrich Habel/Fotos: Habel/Landkreis
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