Sie geht als Rekordschiedsrichterin
Für die Bad Harzburgerin Riem Hussein enden am Sonntag in Hamburg 21 Jahre als Spitzenschiedsrichterin. Foto: picture alliance/dpa
Die Bad Harzburgerin Riem Hussein beendet am Sonntag ihre große Karriere als Fußballschiedsrichterin – an einem besonderen Ort und mit einem Rekord in der Tasche.
Nach 21 Jahren ist Schluss. Fußballschiedsrichterin Dr. Riem Hussein aus Bad Harzburg beendet am Sonntag ihre Karriere – genau dort, wo sie so richtig begonnen hat. Im Hamburger Volksparkstadion wird sie um 14Uhr die Partie der Frauen-Bundesliga zwischen dem HSV und dem frisch gebackenen Double-Sieger Bayern München anpfeifen und zwei Stunden später abtreten – als Rekordunparteiische.
Für die 45-Jährige ist es der 156. Einsatz in der höchsten deutschen Spielklasse, was noch niemand vor ihr geschafft hat. Dazu dieses fast filmreife Ende, denn in Hamburg leitete sie 2006 ihre erste Bundesliga-Partie. „Das macht dieses letzte Spiel für mich noch einmal ganz besonders, und das nehme ich mit großer Dankbarkeit im Herzen mit“, wird Riem Hussein auf dfb.de zitiert.
„Es fühlt sich nach dem richtigen Moment an“
Ihre Karriere jetzt zu beenden, sei eine bewusste Entscheidung gewesen, sagt sie weiter. „Es fühlt sich nach dem richtigen Moment an. Meine Zeit auf höchstem Niveau habe ich gehabt. Ich habe alles gegeben bis zum Schluss – und darauf bin ich stolz.“
Auszeichnung
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Was auf sie alles am Sonntag zukomme, könne sie noch gar nicht richtig einschätzen, sagt Riem Hussein. Die GZ erwischt sie am Freitag auf dem Rückweg vom Pokalfinale in Köln, wo sie am Donnerstag als Assistentin des VAR im Einsatz war. Nach der Rückkehr schlüpfte die Apothekerin gleich in die Arbeitskleidung, auch am Samstag wird sie im Dienst sein, bevor es nachmittags Richtung Hamburg geht.
Im Volksparkstadion wird ihre Familie dabei sein, vielleicht kann sie auch mit ihrer kleinen Nichte auflaufen. Und es deutet sich an, dass der HSV ihr Trikot dabehalten wird. Der Verein hat in seiner Schiedsrichterkabine eine kleine „Hall of Fame“ eingerichtet, was Riem Hussein als „sehr wertschätzend“ empfindet. „Mein Trikot würde dann zwischen dem von Deniz Aytekin und Felix Brych hängen, das wäre nicht schlecht“, sagt sie mit einem Lachen.
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Dass ihre Karriere in solchen Sphären enden würde, war zumindest nicht der Plan. Riem Hussein fand im Jahr 2005 den Weg zur Schiedsrichterei und erlebte einen kometenhaften Aufstieg. Bereits ein Jahr später war Bundesliga angesagt, 2009 folgte die Berufung auf die FIFA-Liste, später auch für die 3. Liga der Männer. International erreichte sie fast alles: Welt- und Europameisterschaften waren dabei, die Champions-League auch, in der sie 2021 im schwedischen Göteborg das Finale zwischen dem FC Chelsea und dem FC Barcelona pfiff. Das alles garniert mit der fünffachen Auszeichnung als „Schiedsrichterin des Jahres“.
Die Karriere nach der Karriere hat längst begonnen
Ganz verschwinden wird sie aus dem Fußball und dem Sport nicht, die Karriere nach der Karriere hat schon längst begonnen. Riem Hussein wird weiter im Videoassistentenbereich im Einsatz sein, Spiele in den Frauen-Bundesligen und der 3. Liga der Männer beobachten und junge Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter coachen.
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Damit nicht genug: In Bad Harzburg hat sie erste Ehrenämter übernommen, ist inzwischen Vizepräsidentin ihres Heimatvereins TSG und Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft der Bad Harzburger Sportvereine. Es gebe weitere Anfragen, erzählt Riem Hussein, aber sie könne nicht allen zusagen. Immerhin stecke sie mitten im Berufsleben.
Noch einmal zurück nach Hamburg. Dort pfiff sie in der Saison 24/25 das Pokal-Halbfinale der Frauen zwischen dem HSV und Werder Bremen. Ein Genuss. „Die Stimmung im ausverkauften Volksparkstadion war überragend, das Spiel ging in die Verlängerung, und unsere Teamleistung war an dem Tag top“, erinnert sich die Bad Harzburgerin. „Solche Spiele vergisst man nicht, das wird mir immer bleiben.“ Der letzte Auftritt auf der großen Bühne am Sonntag wird auch dazugehören.
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