Glasfaser-Ausbau läuft auf Hochtouren
Glasfaserkabel in einem Schaltkasten. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Die Bagger der Telekom kommen gut voran, doch die Resonanz der Kunden in puncto Glasfaser-Internet ist noch ausbaufähig. Und mancherorts sorgen aufdringliche Haustür-Vertreter für Frust.
Bonn. Der Glasfaser-Ausbau in Deutschland kommt voran, wird aber getrübt von Beschwerden über aufdringliche Werbung und verspätete Anschluss-Bereitstellungen. Die Deutsche Telekom gab in Bonn bekannt, im vergangenen Jahr Glasfaser an 2,5 Millionen Haushalten gelegt zu haben und damit 0,3 Millionen mehr als 2024. Das hohe Tempo soll Jahr für Jahr fortgesetzt werden, 2030 soll die Technologie an 25 Millionen Haushalten verfügbar sein und damit doppelt so viel wie derzeit (12,6 Millionen).
„Wir bleiben gut auf Kurs“, sagte der Telekom-Deutschlandchef Rodrigo Diehl und kündigte eine Erhöhung der Investitionen in Glasfaser an. Das ist auch nötig, um das aktuelle Tempo aufrechtzuerhalten, denn der Ausbau wird teurer. Die Bagger der Telekom rollen immer häufiger auf dem Land, wo die nötigen Strecken weiter sind als in den Städten. „Wir investieren weiterhin mehr als jedes andere Unternehmen in Deutschland.“
Ein Teil der Kabel geht bis in die Häuser oder bis in die Wohnungen, der andere Teil liegt nur in der Straße - im Fachterminus heißt das „Homes Passed“. Glasfaser bietet die stabilsten und schnellsten Internetverbindungen. Die Alternativen - also Internet über Telefonleitungen und über Fernsehkabel - gelten perspektivisch als Auslaufmodell.
Die Telekom-Wettbewerber kamen laut Branchenverband Breko Mitte 2025 auf 14,3 Millionen Haushalte und damit 2,2 Millionen mehr als ein Jahr zuvor. Aktuellere Zahlen liegen nicht vor. Bei den Haushalten geht es nicht nur um eigentliche Haushalte, sondern auch um Firmen und Behörden mit Internet-Anschluss. Zu den Konkurrenten gehören die Deutsche Glasfaser, Vodafone und NetCologne. Die Deutsche Glasfaser erhöhte ihren Wert im vergangenen Jahr um 0,3 Millionen auf 2,5 Millionen.
Der Telekom-Deutschlandchef Rodrigo Diehl signalisiert: Es geht aufwärts beim Glasfaser-Geschäft. Foto: Oliver Berg/dpa
Resonanz der Verbraucher ist noch ausbaufähig
Viele Verbraucherinnen und Verbraucher winken allerdings ab, wenn die neue Technologie verfügbar ist - sie nutzen stattdessen ihren alten Internetvertrag einfach weiter. Das erschwert das Glasfaser-Geschäft.
Die Zurückhaltung vieler Verbraucher bekam auch die Telekom zu spüren, inzwischen wird es für die Firma aber etwas besser. 16,4 Prozent aller Haushalte in Reichweite hatten zu Jahresbeginn einen Glasfaser-Vertrag bei der Telekom, ein Jahr zuvor hatte der Wert nur 14,8 Prozent betragen. Ende 2027 oder Anfang 2028 werde man wohl bei 20 Prozent sein, sagte Telekom-Manager Diehl. Man wolle mehr Kunden ins Glasfasernetz bringen und die Auslastung hochtreiben. „Wir gehen stärker in ländliche Gebiete - bei Einfamilienhäusern ist unsere Auslastung mittlerweile bei über 30 Prozent.“
Bei den Telekom-Wettbewerbern ist der Anteil der aktivierten Anschlüsse höher, laut Breitbandverband Breko liegt er bei ihnen bei 34 Prozent. Sie sind auf dem Land tendenziell stärker und in Großstädten schwächer aufgestellt als der Marktführer aus Bonn.
Frust von Verbrauchern
Die Fortschritte beim Glasfaser-Ausbau werden getrübt von Beschwerden über aufdringliche Haustür-Vertreter und Verzögerungen bei der Bereitstellung der Internetverbindungen. Felix Flosbach von der Verbraucherzentrale NRW sagt, dass die Beschwerden bei seiner Organisation in den vergangenen zwei Jahren zugenommen haben. „Verbraucher bekommen häufig wenig Informationen, nachdem sie Verträge geschlossen haben und wissen nicht, wie es wann weitergeht.“ Auch auf Nachfrage geschehe das selten. Beschwerdezahlen nennt Flosbach nicht.
„Die meisten Probleme im Glasfaserausbau treten anbieterübergreifend auf und sind repräsentativ für einen Großteil der Branche“, sagt Lina Ehrig vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Von Januar bis November 2025 seien bei den Verbraucherzentralen 4.000 Glasfaser-Beschwerden eingegangen, NRW sei dabei nicht inbegriffen. Das sei nur ein Bruchteil der tatsächlichen Verbraucherprobleme, da sich längst nicht alle betroffenen Verbraucherinnen und Verbraucher an ihre Verbraucherzentrale wendeten.
Laut Telekom-Manager Diehl sinkt bei der Telekom die Anzahl der Beschwerden. Auf 1.000 Haustür-Anfragen komme inzwischen weniger als eine Beschwerde. Telekom-Kommunikationschef Philipp Schindera sagt: „Wir haben viel und hart gearbeitet, um Seriosität in diesen Vertriebskanal reinzubringen, wir haben uns strenge Regeln auferlegt. Es ist aber auch klar, ohne Haustürgeschäft geht es nicht.“

Die Aussichten sind gut für die Deutsche Telekom. Foto: Oliver Berg/dpa