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Vatikan

Papst wird wegen „Knotens in der Lunge“ operiert

Der Papst bei seinem Angelus-Gebet.

Der Papst bei seinem Angelus-Gebet. Foto: Gregorio Borgia/AP/dpa

Seit anderthalb Jahren führt Leo XIV. die katholische Kirche. Bislang galt er als fit. Nun gibt er überraschend bekannt, dass er sich einem Eingriff unterziehen muss. Wie steht es um ihn?

Von Christoph Sator, dpa 11.10.2026, 12:30 Uhr

Rom. Papst Leo XIV. muss sich kurzfristig einer Operation an der Lunge unterziehen. Das Oberhaupt der katholischen Kirche gab bei seinem Sonntagsgebet vor Zehntausenden Gläubigen im Vatikan überraschend bekannt, dass bei ihm ein „Knoten in der Lunge“ entdeckt worden sei, der sich im Anfangsstadium befinde. Offen blieb, ob es sich um gutartiges Gewebe, eine Vorstufe von Krebs oder einen bösartigen Tumor handelt. 

Mit seinen 71 Jahren gehört der gebürtige US-Amerikaner zu den jüngeren Päpsten der Kirchengeschichte. Bislang waren keinerlei Probleme mit der Gesundheit bekannt. Bei seiner Wahl im Mai vergangenen Jahres wurde allgemein gemutmaßt, dass er ein sehr langes Pontifikat vor sich haben werde. 

Bislang keine gesundheitlichen Probleme bekannt

Leo - mit bürgerlichem Namen Robert Francis Prevost - steht seit Mai 2025 als erster Pontifex aus den USA an der Spitze von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken. Nach Angaben aus dem Vatikan soll die Operation bereits in den nächsten Tagen in der Gemelli-Klinik in Rom stattfinden, wo Päpste traditionell behandelt werden. Anschließend brauche Leo etwa eine Woche Erholung, hieß es. Eigentlich steht dann im nächsten Monat eine längere Reise nach Südamerika auf dem Programm. 

In der Gemelli-Klinik war bis kurz vor seinem Tod auch Leos Vorgänger Franziskus behandelt worden. Dem Argentinier fehlte bereits seit jungen Jahren ein Teil seiner Lunge.

Bei seinem Sonntagsgebet wandte sich der Papst zur allgemeinen Überraschung mit einer persönlichen Nachricht an die Gläubigen auf dem Petersplatz: „Die Ärzte haben bei mir einen Knoten in der Lunge entdeckt, der sich im Anfangsstadium befindet und gut lokalisiert ist“, sagte er. „Die Ärzte halten einen Eingriff für angebracht. Und daher habe ich mich auf ihren Rat hin entschlossen, mich operieren zu lassen, um ihn entfernen zu lassen.“ Leo sprach auf Italienisch, mit fester Stimme.

Gläubige auf dem Petersplatz.

Gläubige auf dem Petersplatz. Foto: Gregorio Borgia/AP/dpa

Weitere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt. Im Vatikan sind solche Mitteilungen durchaus ungewöhnlich. Früher wurde oft ein großes Geheimnis aus dem Gesundheitszustand des jeweiligen Papstes gemacht, bis in die jüngere Vergangenheit hinein. Jetzt hingegen gab es bis Sonntag keinerlei Anzeichen, dass Leo Probleme haben könnte. Sein argentinischer Vorgänger Franziskus wurde wochenlang im Krankenhaus behandelt, bis er im April 2025 mit 88 Jahren in seiner Wohnung im Vatikan starb.

Knoten in Lunge kann unterschiedliche Ursachen haben

Ein Knoten in der Lunge kann sehr unterschiedliche Ursachen haben: zurückliegende Entzündungen oder Infekte, gutartige Wucherungen – aber auch Lungenkrebs oder Metastasen eines Tumors an anderer Stelle im Körper. Endgültige Klärung bringt oft erst eine Gewebeprobe oder die operative Entfernung. Viele zufällig entdeckten Knoten sind nicht krebsartig.

Der Papst sprach von einem Knoten im Anfangsstadium. Ärzte unterteilen einen Knoten allerdings normalerweise nicht in Stadien. Stadien beziehen sich vielmehr auf eine diagnostizierte Erkrankung wie Krebs. Denkbar ist, dass Leo den Ausdruck umgangssprachlich für einen kleinen oder früh entdeckten Befund verwendete.

Enzyklika zu Künstlicher Intelligenz und Streit mit Trump

Der gebürtige US-Amerikaner gehört in der Geschichte der katholischen Kirche zu den verhältnismäßig jungen Päpsten. Im Konklave dauerte es nach Franziskus‘ Tod nur anderthalb Tage, bis er gewählt war. Seither machte er insbesondere durch eine Enzyklika - ein Lehrschreiben - zum Thema Künstliche Intelligenz auf sich aufmerksam. Zudem bezog er bei verschiedenen Themen Gegenpositionen zu US-Präsident Donald Trump, was weltweit mehrfach für Schlagzeilen sorgte.

Dazu gehörten zahlreiche Appelle, Kriege auf diplomatischem Weg beizulegen, als auch die Mahnung zum humanen Umgang mit Flüchtlingen oder Kritik an der Todesstrafe. Mit Blick auf Trump warnte er vor „Allmachtsfantasien, die um uns herum immer unberechenbarer und aggressiver werden“. Auf Beschimpfungen des US-Präsidenten, der ihn als „schrecklich“ bezeichnete, reagierte Leo mit den Worten: „Ich habe keine Angst vor der US-Regierung.“ In der Kirche gilt er als Brückenbauer zwischen den verschiedenen Flügeln.

Fitnessstudio im Apostolischen Palast

In den anderthalb Jahren seiner Amtszeit waren keinerlei gesundheitlichen Probleme bekanntgeworden. Im Gegenteil: Leo hielt sich mit Tennis, Schwimmen und regelmäßigen Übungen fit. In seiner Wohnung im Apostolischen Palast oberhalb des Petersplatzes soll sich nach Presseberichten auch ein Fitnessstudio befinden. An seiner Leidenschaft für verschiedene Sportarten und Vereine - unter anderem für das Baseball-Team White Sox aus seiner Heimatstadt Chicago - lässt der Amerikaner seine Umgebung immer wieder teilhaben.

Erst Ende vergangenen Monats wurde Leo bei einer Frankreich-Reise auf verschiedenen Stationen bei großen Messen unter freiem Himmel von mehr als einer Million Gläubigen bejubelt. Dabei absolvierte er vier Tage hintereinander ein großes Programm von frühmorgens bis abends spät, ohne dass er Schwächen zeigte. 

Südamerika-Reise im nächsten Monat geplant

Im kommenden Monat steht für Leo eine fast zweiwöchige Reise nach Uruguay, Argentinien und Peru auf dem Programm. In Peru war der frühere weltweite Chef des Augustinerordens viele Jahre als Missionar und Bischof tätig. Er hat auch die peruanische Staatsbürgerschaft. Auch in Argentinien war schon längere Zeit kein Papst mehr: Franziskus kehrte während seines gesamten Pontifikats nie in seine Heimat zurück. 

Bei seinem Angelus-Gebet ließ er nicht erkennen, dass er auf die Reise verzichten will. Als Papst ist Leo zugleich Staatsoberhaupt des Vatikans. Mit einer Fläche von nicht einmal einem halben Quadratkilometer und weniger als tausend Einwohnern ist der Kirchenstaat mitten in Rom der kleinste Staat der Welt.

In der Gemelli-Klinik in Rom werden die Päpste traditionell behandelt.

In der Gemelli-Klinik in Rom werden die Päpste traditionell behandelt. Foto: Gregorio Borgia/AP/dpa

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