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Krieg im Iran

Ölpreisschock: Zieht die Inflation in Deutschland wieder an?

An den Tankstellen spüren Autofahrer den Iran-Krieg längst.

An den Tankstellen spüren Autofahrer den Iran-Krieg längst. Foto: Katharina Kausche/dpa

Die Teuerung in Deutschland ist im Februar zwar gesunken. Doch die Sorge ist groß, dass der Iran-Krieg nicht nur die Öl- und Gaspreise treibt, sondern auch die Inflation. Kommt die nächste Preiswelle?

Von Jörn Bender und Alexander Sturm, dpa Mittwoch, 11.03.2026, 08:30 Uhr

Wiesbaden. Das Leben in Deutschland hat sich zuletzt etwas weniger verteuert - doch die Atempause dürfte nicht lange währen. Nach 1,9 Prozent Inflation im Februar könnten auf Verbraucher wieder höhere Inflationsraten zukommen: Der Iran-Krieg hat die Ölpreise zeitweise über die Marke von 100 US-Dollar katapultiert, was Autofahrer an den Tankstellen trifft. Auch die Preise für Lebensmittel könnten steigen, weil Energie und Logistik teurer werden. Droht mit der Eskalation im Nahen Osten ein spürbarer Anstieg der Inflation, den die Menschen im Geldbeutel spüren?

Bislang rechneten Volkswirte damit, dass die Inflationsrate in Deutschland dieses Jahr knapp über der Zwei-Prozent-Marke liegen wird. Doch das könnte Makulatur sein, sollte sich der Iran-Krieg über Monate hinziehen und sollten die Ölpreise längere Zeit erhöht bleiben.

Volkswirte: Dauer des Iran-Krieges entscheidend

Das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) wurde in einer Simulation konkret: „Bei einem Ölpreis von 100 US-Dollar liegen die Verbraucherpreise 2026 um rund 0,8 Prozent höher, 2027 um 1,0 Prozent.“ Denn höhere Energiepreise verteuerten Transport, Heizung, Produktion und viele Vorprodukte – „Effekte, die sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette bis zu den Verbraucherpreisen fortsetzen“.

Böse Erinnerungen an Energieschock mit Ukraine-Krieg

Der rasante Anstieg der Ölpreise weckt Erinnerungen an die Energiekrise nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine 2022. Damals hatten sich Energie und Lebensmittel hierzulande rasant verteuert, die Inflation in Deutschland schnellte auf Rekordwerte von fast neun Prozent. 2022 betrug die Teuerungsrate 6,9 Prozent, 2023 waren es immer noch 5,9 Prozent. 

Im Schnitt des vergangenen Jahres hat sich die Inflation mit 2,2 Prozent beruhigt, doch den Anstieg der Lebensmittelpreise spüren Verbraucher noch heute. Nach Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung haben sich Nahrungsmittel in Deutschland zwischen 2021 und 2025 um fast ein Drittel verteuert.

Butter war im Februar fast ein Drittel günstiger als ein Jahr zuvor. Eine Umfrage der dpa unter großen Lebensmittelhändlern ergab jedoch jüngst, dass Discounter und Supermärkte ihre Preise für Butter wieder erhöhen.

Butter war im Februar fast ein Drittel günstiger als ein Jahr zuvor. Eine Umfrage der dpa unter großen Lebensmittelhändlern ergab jedoch jüngst, dass Discounter und Supermärkte ihre Preise für Butter wieder erhöhen. Foto: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa

Lebensmittelpreise im Februar nur wenig gestiegen

Im Februar des laufenden Jahres ließ der Preisauftrieb bei Lebensmitteln deutlich auf 1,1 Prozent nach. Das war weit weniger als die allgemeine Inflation von 1,9 Prozent, die nach einer Rate von 2,1 Prozent im Januar nachließ. Dagegen sind Dienstleistungen wie Restaurantbesuche und Bahntickets seit Monaten ein Preistreiber. Sie verteuerten sich auch im Februar um 3,2 Prozent überdurchschnittlich.

Die Steuersenkung in der Gastronomie geht an vielen Verbrauchern vorbei.

Die Steuersenkung in der Gastronomie geht an vielen Verbrauchern vorbei. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Experten glauben, dass sich Verbraucher wegen des Iran-Krieges zumindest kurzfristig auf steigende Lebensmittelpreise einstellen müssen. „Produkte, die aus der Region importiert werden, werden vermutlich sprunghaft im Preis steigen“, sagte jüngst Handelsexperte Stephan Rüschen von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heilbronn. Betroffen seien jedoch eher Randprodukte wie Datteln, Nüsse, Pistazien und einige Gewürze.

Droht ein neuer Energiepreisschock?

Energie war im Februar sogar 1,9 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor. Doch das könnte nur eine Momentaufnahme sein, denn der Iran-Krieg hat die Tankstellen in Deutschland erreicht: Benzin und Diesel kosteten zuletzt mehr als zwei Euro pro Liter. Der Grund: Zu Wochenbeginn war der Preis für ein 159-Liter-Fass Rohöl der Nordsee-Sorte Brent zeitweise auf fast 120 Dollar hochgeschnellt. Damit stieg der Preis auf den höchsten Stand seit Sommer 2022, bevor er wieder etwas nachgab.

„Der Preistreiber ist kein Rätsel, sondern Geografie: die Straße von Hormus, das engste und wichtigste Nadelöhr der globalen Energieversorgung“, erläutert Carsten Klude, Chefvolkswirt der Warburg-Bank. In der Meerenge, durch die sonst rund ein Fünftel des globalen Öl- und Flüssiggasbedarfs transportiert wird, ist der Schiffsverkehr zum Erliegen gekommen. „Wie stark die Weltwirtschaft getroffen wird, hängt nun daran, ob aus Risiko eine echte Unterbrechung wird – oder „nur“ eine teure Risikoprämie.“

Angst vor steigenden Heizkosten

Auch die Großhandelspreise für Gas zogen nach Beginn des Kriegs stark an. In der Regel erreichen steigende Börsenpreise aber nicht sofort und in vollem Umfang die Endkunden. „Preisänderungen an den Börsen wirken sich erst mit einem Zeitverzug von bis zu zwölf Monaten auf die Gaspreise für Verbraucherinnen und Verbraucher aus“, sagte ein Sprecher des Vergleichsportals Verivox.

Die Gaspreise an den Weltmärkten haben zuletzt angezogen, kommen aber wegen langfristiger Verträge erst zeitverzögert bei Verbrauchern an. (Archivbild)

Die Gaspreise an den Weltmärkten haben zuletzt angezogen, kommen aber wegen langfristiger Verträge erst zeitverzögert bei Verbrauchern an. (Archivbild) Foto: Patrick Pleul/dpa

Kunden aber reagieren aus Angst vor steigenden Energiepreisen bereits in Scharen, wie Verivox vor wenigen Tagen berichtete: „Aktuell werden mehr als doppelt so viele neue Gasverträge abgeschlossen wie noch vor einer Woche.“

Die Lebensmittelpreise sind seit 2021 um rund ein Drittel gestiegen - mit dem Iran-Krieg droht neuer Preisdruck.

Die Lebensmittelpreise sind seit 2021 um rund ein Drittel gestiegen - mit dem Iran-Krieg droht neuer Preisdruck. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

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