EKD-Präses versteht Zukunftsängste junger Protestierender
Präses der Evangelischen Kirche, Anna-Nicole Heinrich, zeigt Verständnis für die Jugendproteste. (Archivbild) Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Ab Sonntag kommt die Synode der Evangelischen Kirche zu ihrer Tagung in Würzburg zusammen. Im Vorfeld ging es bei Gesprächen auch um die Jugendproteste. Was sagt die Kirche dazu?
Berlin/Würzburg. Vor ihrer Jahrestagung in Würzburg hat die Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Verständnis für die Proteste der jungen Menschen am vergangenen Wochenende gezeigt. Die Präses der EKD-Synode, Anna-Nicole Heinrich, sagte bei einem Pressegespräch in Berlin: „Hinter den Forderungen stecken ja ganz konkrete Zukunftsängste. Da ist eine ganze Generation, die sagt: Wir wollen mitgestalten und Mitverantwortung übernehmen. Und zwar heute schon und nicht erst in 20 Jahren.“
Es sei von den Schülerinnen und Schülern auch „völlig berechtigt“, Politiker herauszufordern und erst einmal nur Forderungen und Fragen zu stellen und nicht direkt Lösungen parat zu haben, sagte die 30-Jährige. Zwar habe es Ausschreitungen am Rande gegeben durch kleine Gruppen, räumte sie ein. Die Täter stellten aber nicht die Mehrheit der Protestierenden.
Ängste und Sorgen junger Menschen ernst nehmen
Die Kirche müsse „diese Ängste und Sorgen ernst nehmen“, sagte Heinrich weiter. Und selbst Räume anbieten, wo junge Menschen mit ihren Anliegen hingehen könnten, etwa in der Jugendarbeit, der Diakonie und den Schulen. „Der Anspruch von Kirche muss bleiben, dass wir Menschen Halt geben.“ Und wenn Vertreter einer ganzen Generation auf die Straße gehen würden, sei das auch eine Frage, die die Kirche angehe.
Die Synode ist eines der drei Leitungsorgane der Evangelischen Kirche in Deutschland. Die 128 Mitglieder beraten und fassen Beschlüsse über Angelegenheiten der Kirche. Die Präses steht dem Präsidium vor und leitet die Synode und vertritt sie nach außen.
Steinmeier als Gast erwartet
Die diesjährige Tagung mit zahlreichen Diskussionsforen und Arbeitsgruppen findet von Sonntag bis Mittwoch unter dem Motto „Gemeinsam weiter - Kirche als Werkstatt für Demokratiebildung und intergenerationales Lernen als Ausdruck gelebten Glaubens“ statt. Als Gast wird am Dienstag Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erwartet.
Im April 2027 tritt das Gremium in neu gewählter Form zusammen. Nach sechsjähriger Amtszeit kandidiert Heinrich nicht erneut. Als möglicher Nachfolger wird in Medienberichten der frühere Verkehrsminister Volker Wissing (parteilos) genannt.