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Buchhandlungspreis

„Deutschland verrecke bitte“ - Bremer Buchhandlung in Kritik

Die Bremer Buchhandlung wehrt sich gegen Kritik an ihrer Fassade. (Archivbild)

Die Bremer Buchhandlung wehrt sich gegen Kritik an ihrer Fassade. (Archivbild) Foto: Sina Schuldt/dpa

Kunstprojekt oder Provokation? Die Fassade eines Bremer Buchladens sorgt in der Debatte um den Buchhandlungspreis für weiteren Wirbel. Nun äußert sich die Anwältin der Buchhandlung.

Von dpa Freitag, 13.03.2026, 16:50 Uhr

Bremen. In der Debatte um den Deutschen Buchhandlungspreis wehrt sich die Bremer Buchhandlung „Golden Shop“ gegen Kritik an ihrer Fassade. Die Hauswand des vom Preis ausgeschlossenen Ladens zieren Sprüche wie „Deutschland verrecke bitte“. Dabei handle es sich um ein Zitat der Punkband Slime, teilte die Anwältin der Buchhandlung, Lea Voigt, mit. Die Kritik an der Fassade sei ein „durchsichtiges Ablenkungsmanöver“.

Voigt verweist auf eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zu dem umstrittenen Zitat. Demnach beruht der künstlerische Anspruch des Liedes auf seinem literarischen Vorbild, dem Gedicht „Die Schlesischen Weber“ von Heinrich Heine aus dem Jahr 1844. Darin heißt es: „Deutschland, wir weben dein Leichentuch, Wir weben hinein den dreifachen Fluch - Wir weben, wir weben!“

Fassade als Kunstobjekt mit verschiedenen Zitaten

Die Wand sei ein Kunstprojekt, erklärte die Juristin. „Die derzeitige Fassade spielt mit verschiedensten Zitaten aus Liedern, Büchern und Filmen.“ Neben dem kritisierten Spruch befänden sich dort auch Zitate wie „Blutsverwandtschaft ist eine Geisteskrankheit“ des österreichischen Schriftstellers Karl Kraus und Aussagen des kanadischen Medientheoretikers Marshall McLuhan.

Die Kritik offenbare erschreckende Lücken im Kanon der Hoch- und Popkultur, führte die Anwältin weiter aus und wandte sich direkt an Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. „Wer Zitate berühmter Philosophen wie Marshall McLuhan und Karl Kraus nicht erkennt und deshalb auch die anderen Zitate nicht in einen künstlerischen Kontext einordnen kann, ist in dem Amt eine Fehlbesetzung.“

Drei Buchhandlungen ausgeschlossen

Der parteilose Staatsminister Weimer hatte die Bremer Buchhandlung und zwei weitere linke Buchläden in Berlin und Göttingen wegen „verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse“ von der Nominiertenliste für den Deutschen Buchhandlungspreis streichen lassen. Die Auswahl hatte eine Jury getroffen. Danach gab es Rücktrittsforderungen gegen Weimer, die die Bundesregierung zurückwies. Ihm wurde vorgeworfen, in die Kunst- und Kulturfreiheit einzugreifen und unehrlich zu agieren.

Weimer argumentierte, der mit Steuergeld finanzierte Preis dürfe nicht „an Feinde des Staates“ gehen. In der Debatte um Weimers Entscheidung wurde auch Kritik an dem Schriftzug auf der Fassade des „Golden Shop“ laut. Weimer ließ nach Protesten die für den 19. März auf der Leipziger Buchmesse geplante Preisverleihung absagen. Die ausgezeichneten Buchhandlungen sollen Preisgeld und Urkunde direkt erhalten.

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