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Rettungspaket für Klinikverbund

Kreistag in Halberstadt stützt Krankenhaus mit 39 Millionen Euro

Blick aus der Vogelperspektive auf das Krankenhaus in Wernigerode.

Das Harzklinikum in Wernigerode nach seiner Fertigstellung 2021. Die Einrichtung mit weiteren Standorten in Blankenburg und Quedlinburg benötigt finanzielle Hilfe. Foto: Harzklinikum

Der Landkreis Harz hat ein Rettungspaket für sein Klinikum geschnürt und sichert die Einrichtung mit 39 Millionen Euro ab. Dadurch kommt der Landkreis selbst an Grenzen.

Sonntag, 12.04.2026, 08:00 Uhr

Halberstadt. Der Kreistag in Halberstadt hat eine 39-Millionen-Euro-Hilfe beschlossen, mit der das kommunale Harzklinikum Dorothea Christiane Erxleben mit seinen Standorten in Wernigerode, Quedlinburg und Blankenburg gestützt werden soll. Die Kreisverwaltung spricht in einer Mitteilung von einem „Rettungspaket“ – es bringt den Landkreis selbst an finanzielle Grenzen.

Die 39 Millionen Euro sollen drei Probleme beheben: Mit 13,7 Millionen Euro werden die Jahresfehlbeträge 2024 und 2025 ausgeglichen. 15,3 Millionen Euro sind als Bürgschaft vorgesehen, um einen Vergleich mit der Zusatzversorgungskasse abzusichern, der aus einem langjährigen Rechtsstreit resultiert. Der Vergleich sieht vor, dass die Klinik ihre Zahlungsverpflichtung schrittweise begleicht.

Notwendige Hilfe

Die verbleibenden 10 Millionen Euro dienen den Angaben zufolge dazu, die Klinikstandorte zu modernisieren und zu digitalisieren. Das Geld stammt aus dem kommunalen Infrastruktur-Sondervermögen.

Landrat Thomas Balcerowski erklärt in einer Mitteilung, die Hilfe sei notwendig, denn „der Zusammenbruch der medizinischen Versorgung in unserer Region wäre eine Katastrophe, die wir nicht zulassen können“. In den drei Kliniken sind rund 2400 Menschen beschäftigt. Die 39-Millionen-Euro-Hilfe bezeichnet der Landrat angesichts eines Defizits von 20,6 Millionen Euro im Kreishaushalt 2026 als einen „Kraftakt“.

Die Verluste der Klinik aus den Jahren 2024 und 2025 sind laut der Landkreis-Mitteilung nicht Ausdruck „unternehmerischen Versagens“, sondern das Ergebnis „eines vielschichtigen Problems, das Krankenhäuser deutschlandweit trifft“. Zwar habe das Harzklinikum über drei Jahrzehnte vom Land „mehr als 100 Millionen Euro Investitionsmittel“ erhalten. Doch der Bedarf der Einrichtung, die pro Jahr rund 30.000 stationäre Behandlungsfälle verzeichnet, sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.

Große Kostensteigerungen

Überdies seien die Personalkosten gewachsen. Allein der vorletzte Tarifabschluss mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi habe das Harzklinikum über drei Jahre mit rund zehn Millionen Euro belastet. Der Abschluss sei zwar „richtig und notwendig“, weil sich qualifiziertes Personal ohne wettbewerbsfähige Gehälter in ländlichen Regionen nicht finden lasse. Aber „die gesetzlichen Refinanzierungsmechanismen“ würden Kosten in dieser Größenordnung „nur zum Teil abdecken“.

Unabhängig von den Problemen des Harzklinikums und trotz des finanziellen Kraftaktes für den mit Haushaltsproblemen kämpfenden Harzkreis halten Landrat Balcerowski und die Klinikleitung an den Plänen für einen zentralen Klinikneubau fest. Mit seinen 2400 Beschäftigten und einem Umsatz von rund 200 Millionen Euro zählt das Klinikum zu den wichtigsten Arbeitgebern im Harzkreis. oli

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