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Wenig Dynmaik in der Region

GZ Plus IconWarum der Landkreis im jüngsten Zukunftsranking schlecht abschneidet

Viele junge Menschen sitzen in einem Hörsaal.

Die Technische Universität Clausthal gehört zu den wichtigen Einrichtungen im Landkreis Goslar, der allerdings in Zukunfts-Ranglisten regelmäßig auf hinteren Plätzen landet. Foto: GZ_Archiv

Im Zukunftsranking des Instituts der Deutschen Wirtschaft landet der Kreis Goslar abgeschlagen auf Rang 359 von 400 Plätzen. Eine Schwäche ist die Lebensqualität.

Von Oliver Stade Freitag, 15.05.2026, 14:00 Uhr

Goslar. Der Landkreis Goslar bewegt sich seit Jahren kaum vom Fleck: Bei der Bewertung der Zukunftschancen von Beratungsunternehmen wie Prognos oder zuletzt dem Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) kommt die Region nur schwer voran und landet regelmäßig auf hinteren Rängen. Die aktuelle IW-Rangliste zeigt abermals, dass der Landkreis bei wesentlichen Kennzahlen schlecht abschneidet und nur wenig Dynamik zeigt.

Die Platzierung ist ernüchternd, Platz 359 von 400 unter den untersuchten Landkreisen und kreisfreien Städten. Zwar schneiden einige weitere Landkreise aus Südniedersachsen in der in dieser Woche veröffentlichen Studie schwach ab. Aber dass es in Südniedersachsen auch besser geht, zeigen Landkreise wie Northeim (Platz 228) und Wolfenbüttel (Platz 196).

Ein wenig Dynamik

Der benachbarte Landkreis Harz liegt fast gleichauf mit dem Landkreis Goslar auf Rang 360. Positiv zu vermerken ist, dass sich der Landkreis Goslar im Vergleich zur letzten IW-Studie vor zwei Jahren um neun Plätze verbessert hat, der Harzkreis rutschte hingegen um 33 Plätze ab.

Das IW hat für die individuelle Bewertung (München steht auf Platz 1, das thüringische Suhl auf Platz 400) 14 Kennzahlen herangezogen, um Wirtschaftsstruktur, Arbeitsmarkt und Lebensqualität zu gewichten. Den Punkt Lebensqualität bewerten die Autoren der Studie mit Platz 376 im Landkreis Goslar schlechter als die gesamte Situation. Mit seiner Wirtschaftsstruktur (Platz 272) schneidet der Landkreis Goslar deutlich besser ab. Die Arbeitsmarktdaten sind mit Rang 324 zumindest etwas besser als die Gesamtbewertung.

Der Landkreis Goslar ist als Region mit stark alternder Bevölkerung und schwindenden Einwohnerzahlen bekannt, das sind zwei wesentliche Faktoren, die dazu beitragen, dass die Region nicht zu den Boom-Gebieten mit großem Wachstum und Zukunftschancen zählt.

Der Blick auf die Bewertungskriterien der IW-Studie erlaubt einen genaueren Blick auf die Schwachpunkte, aber auch auf die Stärken: Für die Wirtschaftsstruktur, der Bereich, in dem der Landkreis die meisten Punkte holt, ziehen die Autoren der Studie Gewerbesaldo (Anmeldungen und Abmeldungen), die Steuerkraft der Gemeinden, die Gewerbesteuerhebesätze und wissensintensive Dienstleistungen heran. Vor allem der Blick aufs das Gewerbe (Rang 149) zeigt, dass der Landkreis Goslar grundsätzlich kein schwacher Wirtschaftsstandort ist. Er punktet außerdem mit wissensintensiven Dienstleistungen (163), während die Steuerkraft der Gemeinden (300) eher schwach eingestuft wird.

Hohe Überschuldung

Beim Arbeitsmarkt, dem zweiten großen Bereich, zählen der Altersquotient (gemeint ist das Verhältnis der 20 bis unter 60-Jährigen zu denen, die älter als 60 Jahre sind), der Anteil hoch qualifizierter Beschäftigter und die Beschäftigungsrate von Frauen. Die schwächste Bewertung erreicht der Landkreis wegen des durchschnittlichen Alters der Beschäftigten (345), gemeint ist das hohe Alter.

Am schlechtesten wird der Landkreis Goslar bei der Lebensqualität bewertet. Dazu wurden Straftaten, private Überschuldung, der Anteil naturnaher Flächen, die Abwanderung von Menschen zwischen 25 und 30 Jahren sowie zwischen 30 und 50 Jahren, die Ärztedichte und die Anzahl der Baugenehmigungen herangezogen. Deutliche Schwächen weist der Landkreis bei den Baugenehmigungen (394), der hohen Abwanderung junger Menschen zwischen 25 und 30 Jahren (Platz 390) und der privaten Überschuldung (362) auf. Alle Bewertungen sind schlechter als die Gesamtplatzierung. Als großes Plus werden die naturnahen Flächen bewertet, da liegt der Landkreis sogar auf Platz 16. So gut schneidet der Landkreis in keiner anderen Kategorie ab.

Der Blick auf die Daten legt nahe, dass es dem Landkreis Goslar helfen würde, wenn die Abwanderung junger Menschen vermindert werden könnte. Die private Überschuldung vieler Haushalte – seit Jahren bekannt durch die Zahlen, die die Wirtschaftsauskunftei Creditreform veröffentlicht – ist ein weiterer Schwachpunkt. Notwendig könnten verstärkte Aktivitäten sein, um Arbeitslose zu qualifizieren und zu vermitteln und dafür zu sorgen, dass sich Betriebe ansiedeln.

Trotz der schlechten Gesamtsituation: Es gibt Grund für leichten Optimismus. Das IW hat nämlich zwei Ranglisten veröffentlicht, eine, die das aktuelle Niveau im Chancenvergleich abbildet, und eine weitere, die die Dynamik veranschaulicht. Wie gesagt, der Landkreis hat sich in der Niveau-Rangliste um neun Plätze nach vorn entwickelt. Weil sich einige Indikatoren deutlich verbessert haben, liegt der Landkreis Goslar in der Dynamikrangliste immerhin auf Platz 295 von 400. Stark ist der Altersquotient (61) auf dem Arbeitsmarkt, der den Anteil der unter 60-Jährigen abbildet. Auch beim Anteil der hoch qualifizierten Beschäftigten (115) hat sich der Landkreis Goslar verbessert.

Gute Ärzteversorgung

Eine positive Entwicklung hat es ebenfalls bei Baugenehmigungen (133) und Ärztedichte (104). Offenbar scheint sich außerdem die Abwanderung der 30 bis 50-Jährigen (113) abgeschwächt zu haben. Der Wert für den Anteil naturnaher Flächen ist in der Dynamikranking (116) hingegen deutlich schlechter als in der Niveaurangliste (16).

An der Spitze der Dynamikrangliste steht Cottbus, das im sogenannten Niveau-Ranking auf Platz 158 zu finden ist. Keine Region habe sich in den vergangenen zwei Jahren so stark verbessert, schreiben die Autoren der Studie. Die einstige Braunkohlestadt baue „auf ihrer industriellen Basis und der einzigen Technischen Universität Brandenburgs auf – mit neuen Forschungseinrichtungen, einem ICE-Instandhaltungswerk und der Renaturierung des Tagebaus“.

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