Mehr Straftaten im Landkreis Goslar
Versuchte Tötung: Im August 2023 attackiert ein Mann einen Bekannten nach einem Streit mit einem Messer. Einsatzkräfte versorgen das Opfer. Foto: Neuendorf
Die Kriminalitätsstatistik 2023 der Polizei Goslar weist einen Anstieg der Straftaten um 9 Prozent aus. In vielen Bereichen wirkt die Zunahme der Delikte beänstigend. Die Polizei wertet den Anstieg zumeist als normale Entwicklung nach der Coronazeit.
Goslar. Die Polizei Goslar hat im vorigen Jahr im Landkreis 8,77 Prozent mehr Straftaten registriert als 2022. Den Anstieg auf 9377 Fälle werten die Ermittler allgemein nicht als besorgniserregend. Er gilt nach dem Rückgang der Fälle während der Corona-Zeit als erwartbar.
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Auffallend ist die Zunahme bei Sexualstraftaten und Eigentumsdelikten, erschreckend zudem, wie brutal Menschen mit Messern und Äxten attackiert werden. Elf Tötungsdelikte verzeichnete die Polizei, ein Fall weniger als 2022. Aber einige Täter gingen derart roh vor, dass die Polizei in ihrem Kriminalitätsbericht 2023 an drei Fälle erinnert: Im Februar schlug ein Mann einem Bekannten in Goslar nach einem Streit mit einem Axtkopf mehrfach auf den Kopf. Zu einem weiteren versuchten Totschlag kam es im November in Clausthal-Zellerfeld – ein Mann schlug einem anderen eine Sektflasche ins Gesicht. Ebenfalls in Clausthal kam es im August zu einem versuchten Mord, das Opfer wurde mit einem Küchenmesser attackiert.
Ärztlicher Fehler
Unter den Tötungen sind zwei weitere ungewöhnliche Delikte. Als versuchten Abbruch der Schwangerschaft wertet die Polizei den Angriff auf eine Schwangere, die dadurch ihr Kind verlor. Hinter einem weiteren Todesfall steckt ein ärztlicher Behandlungsfehler. Viele Zahlen sind erklärungsbedürftig. Der Anstieg der erfassten Sexualdelikte stieg von 244 auf 309. Alexander Uebel, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes, erklärte dies mit vielen Fällen, in denen Pornografie über das Internet verbreitet wird. Viele Ermittlungen haben ihren Ursprung in den USA, wo Chats überwacht und Bilder sowie Videos im Netz entdeckt werden, in denen etwa Kinder missbraucht werden. Wenn die Täter aus Deutschland stammen, werden die Behörden benachrichtigt.
Die Zunahme der Wohnungseinbrüche von 94 auf 138 Fälle erklärt die Polizei damit, dass die Menschen nach Corona weniger zu Hause sind, weil sie seltener im Homeoffice arbeiten. So schwindet das Risiko für die Täter.
Anstieg der Jugendkriminalität
Die Statistik zeigt zudem, dass es mehr Fälle von Stalking (54 statt 31), Bedrohung (422 statt 358) und Nötigung (133 statt 119) gibt. Von einem Hinweis auf zunehmende Verrohung und Rücksichtslosigkeit, aber auch darauf, dass solche Vorkommnisse häufiger angezeigt werden, berichtet Polizist Uebel. Auch aus Schulen würden mehr Übergriffe gemeldet, oftmals, aber nicht ausschließlich, handele es sich um Rangeleien. So werden in der Statistik 233 Kinder als Tatverdächtige geführt sowie 410 Jugendliche.
Im Anstieg der Jugendkriminalität von 483 auf 516 Delikte sieht die Polizei keine Anzeichen für eine breite Entwicklung. Die Fälle seien meist auf Gruppen zurückzuführen, die sich am Hauptbahnhof in Goslar treffen. Eine Clique von zehn Jugendlichen etwa werde für 22 gefährliche Körperverletzungen,15 Bedrohungen und vier Raubstraftaten verantwortlich gemacht. Zudem würden oft Probleme aus Jugendgruppen gemeldet, in denen Heranwachsende betreut werden.
Die Betrügereien mit dem Enkeltrick und durch angebliche Polizisten oder Gerichtsvollzieher gingen zurück (von 49 auf 37 sowie von19 auf 10 Fälle); doch die Schäden sind enorm. Mit dem Enkeltrick erbeuteten Täter 2023 im Landkreis 227.000 Euro, auf das Konto falscher Beamter gingen 285.700 Euro – das sind nur die bekannt gewordenen Fälle. Ein Mittsiebziger aus dem Landkreis wurde um265.000 Euro betrogen.
Die Statistik weist auch manche Kuriosität auf. So verzeichnete die Polizeistation Rhüden nahe der Autobahn mit nahezu 61 Prozent den stärksten Anstieg der Fälle – meist handelte es sich um Tankbetrug. Ohne diese Delikte würde die Zunahme nur bei zwölf Prozent liegen.