Goslarer Rat beschließt erste Jugend-Vorschläge
Amy Deetz und Niklass Lewandowski tragen auf der Ratdiele die Beschlussvorschläge vor, die beim Projekt „Jugend entscheidet“ formuliert wurden. Foto: Heine
Junge Menschen aus Goslar sollen in Zukunft eine lautere Stimme bekommen, wenn in Goslar Politik gemacht wird. Der Rat hat die ersten Maßnahmen des Projektes „Jugend entscheidet“ einstimmig auf den Weg gebracht.
Viel Lob hatten die Lokalpolitiker für die Vorschläge im Gepäck, die ein Team aus 14 Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren gemeinsam formuliert hatte, und die vom Duo Amy Deetz und Niklass Lewandowski auf der Ratsdiele vorgetragen wurden.
Dabei ging es zunächst darum, das von der Hertie-Stiftung geförderte Jugendbeteiligungs-Projekt fortzuführen. Dafür wird eine Arbeitsgruppe mit bis zu vier jährlichen Workshops eingerichtet. Bei Bedarf können die Gruppenmitglieder auch im Fachausschuss berichten. Die Stadt stellt für die kommunalpolitische Arbeit der Jugendlichen 4000 Euro pro Jahr zur Verfügung.
Erste Forderungen aus dem Jugendprojekt, die der Rat ebenfalls einstimmig abnickte, richten sich vor allem in Richtung Müllvermeidung, Straßenreinigung und bessere Freizeitangebote für junge Menschen. Mit den Ratsbeschlüssen startet die Stadtverwaltung allerdings erst in die Workshop- und Konzeptphase – viel Konkretes gibt es noch nicht.
In der „Kürze der Zeit“ habe man zunächst mal Beschlüsse vorgelegt, die schnell ausformuliert waren, sagte Fachdienstleiter Sven Busse. Weitere sollen folgen. Von den Verantwortlichen der Hertie-Stiftung war zu hören, dass keine Projekt-Kommune Forderungen des „Jugend-entscheidet“-Teams schneller in Beschlussvorlagen gegossen habe, als Goslar.
Lob und Aufforderung
Vor allem warme Worte, aber auch die Aufforderung, nun weiter mit der politischen Arbeit zu machen, richteten die Ratsvertreter an die Jugendlichen. Kritische Worte gab es mehrfach für den Zeitpunkt, an dem das Projekt durchgeführt wurde.
Martin Mahnkopf (SPD) lobte, dass dem Rat am Ende „ganz konkrete Vorschläge“ auf den Tisch gelegt wurden. Das sei bei dem ganz ähnlich gelagerten Projekt „Pimp your town“ vor einigen Jahren noch ganz anders gewesen. Damals seien die Anregungen im Sande verlaufen. Von „tollen Ideen“ mit realistischen Zielen sprach auch Nina Di Febo (CDU), der jüngste Ratsvertreter Niklas Prause (fraktionslos) nannte das Projekt einen „vollen Erfolg“. Auch Stephan Kahl (FDP) war voll des Lobes.
Michael Ohse (Linke) wollte zunächst eine „Selbstbeweihräucherung“ einiger Ratskollegen erkannt haben und forderte dann in Richtung Jugend: „Bleibt am Ball.“ Jetzt müssten die jungen Menschen genau hinschauen, was Verwaltung und Politik aus ihren Vorschlägen machen. Ganz ähnlich Giovanni Graziano (Grüne Partei 42): Die aktuellen Beschlüsse könnten nur der Startpunkt gewesen sein, sagte er und machte den am Projekt beteiligten Jugendlichen für die Zukunft einen Vorschlag: „Pikst uns, wo wir nicht gepikst werden wollen“.