Corona: Verbote nagen an der Psyche vieler Kinder
Die Psychologin Claudia Brümmer leitet die Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche (BEKJ) des Landkreises Goslar. Foto: GZ-Archiv
Die Beratungsstelle des Landkreises für Eltern, Kinder und Jugendliche verzeichnet in ihrem Jahresbericht für 2021 viele Probleme bei Kindern und Jugendlichen sowie in Familien, die auf die Beschränkungen infolge der Pandemie zurückgeführt werden.
Harz. Die Erkenntnis, dass die Pandemie mit ihren Kontaktbeschränkungen, mit geschlossenen Schulen und Phänomenen wie dem Homeoffice zu Vereinzelung und Vereinsamung führen kann, dürfte kaum überraschen. Die Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche (BEKJ) des Landkreises hat in ihrem Bericht für 2021 aber konkret benannt, wo sich Probleme zeigen.
Viele Menschen würden in der Corona-Zeit grübeln. Depressive Verstimmungen, fehlende Kontakte und Ängste würden viele Menschen belasten, die die Beratungsstellen in Goslar, Bad Harzburg und Clausthal-Zellerfeld aufsuchen.
Häufige Auffälligkeiten
BEKJ-Leiterin Claudia Brümmer spricht im Jahresbericht 2021 davon, dass bei Kindern häufiger Auffälligkeiten zu beobachten gewesen seien. „Für ihre körperliche, emotionale und geistige Entwicklung benötigen Kinder und Jugendliche viele Anreize sowie Entwicklungs- und Gestaltungsmöglichkeiten, um gesund aufzuwachsen“, sagt sie.
Entwicklungsprobleme seien voriges Jahr häufiger zu beobachten gewesen als in den Jahren zuvor. Besonders Kindergartenkinder seien „stark belastet“. Mitunter würden sie sich einnässen oder psychosomatische Probleme zeigen. Die Pandemie-Folgen würden bei ihnen besonders zutage treten, weil ihnen wegen ihrer eingeschränkten Wahrnehmung „der Überblick für das Ganze fehlt“, wie Brümmer erklärt.
Kinder hätten oft beklagt, dass schöne Ereignisse fehlen, weil Geburtstage, Verabredungen am Nachmittag und das Training im Verein ausfallen würden. Auch Jugendliche seien belastet. Sie würden „in den Beratungen unter anderem von Traurigkeit, Einsamkeit und Versagensängsten“ berichten. Jugendliche hätten sich vermehrt gemeldet, weil sie unter sozialer Phobie oder Schulängsten leiden würden.
Einschnitte im Alltag
Wie stark die Folgen der Corona-Pandemie nicht nur auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, sondern auch auf Familien wirken, wird sich nach Einschätzung von Brümmer in den kommenden Jahren im Berufsalltag zeigen. Die Einschnitte im Alltag seien für alle Altersgruppen spürbar gewesen.
Die meisten Beratungen seien wegen Problemen in der Schule oder der Ausbildung geführt worden, indes seien zunehmend Schwierigkeiten in Familien registriert worden. Brümmer rechnet in diesem Bereich mit weiteren Konfliktquellen. Die Corona-Einschränkungen hätten dazu geführt, dassFamilien „mehr Zeit miteinander verbringen durften, konnten oder mussten“, erklärt sie. Fehlende Möglichkeiten des Rückzugs und mangelnde Abwechslung in der Freizeit hätten möglicherweise eine Zunahme der Konflikte in Familien begünstigt.
945 Menschen hat die BEKJ 2021 betreut. 2020 seien es 1013 gewesen, 2019 wurden 1011 Ratsuchende registriert. Die Arbeit sei eingeschränkt gewesen, weil während der Pandemie persönliche Kontakte zeitweise kaum möglich gewesen seien. Die Beratungen sind kostenfrei und unterliegen der Schweigepflicht. Die BEKJ in Goslar in der Klubgartenstraße12 ist unter Telefon (05321) 76-482 erreichbar. Die Räume in Bad Harzburg befinden sich in der Gestütsstraße 10, Telefon (05322) 83635. In Clausthal-Zellerfeld lautet die Adresse Einersberger Blick2, Telefon (05323) 83635.
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