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42 Jahre Fürsorge für andere

Andrea Schulze geht in den Ruhestand

42 Jahre lang ist die Mutter-Kind-Klinik „Haus Waldmühle“ ein bedeutsamer Ort für Andrea Schulze gewesen. Nun verlässt sie die Einrichtung, geht in den Ruhestand – bleibt aber in Braunlage.  Fotos: Potthast

42 Jahre lang ist die Mutter-Kind-Klinik „Haus Waldmühle“ ein bedeutsamer Ort für Andrea Schulze gewesen. Nun verlässt sie die Einrichtung, geht in den Ruhestand – bleibt aber in Braunlage. Fotos: Potthast

Nach 42 Jahren Mutter-Kind-Klinik „Haus Waldmühle“ und in der vormaligen Kinder-Kurklinik geht Andrea Schulze jetzt in den Ruhestand. Die 65-Jährige ist begeistert von der Vielschichtigkeit ihrer Arbeit. Sie habe viele Herausforderungen gemeistert.

Von Angela Potthast Donnerstag, 01.09.2022, 14:30 Uhr

Braunlage. 42 Jahre Fürsorge für andere: Sozialpädagogin Andrea Schulze hat sie in der Mutter-Kind-Klinik „Haus Waldmühle“ und in der vormaligen Kinder-Kurklinik verbracht. Als sie 26 Jahre alt war, übernahm sie die Leitung. Mit 65 Jahren geht sie in den Ruhestand. Am Montag, 5. September, wird sie offiziell verabschiedet.

„Ich wollte schon immer Sozialpädagogik studieren“, sagt Andrea Schulze. 1976 machte sie ihr Abitur in Salzgitter, ging dann an die Universität in Osnabrück. Der Kontakt zur Klinik in Braunlage hatte weiterhin Bestand, den hatte sie ja bereits für ihr Vorpraktikum aufgenommen. Wegen des Anerkennungsjahrs kam sie 1980 dorthin zurück – und blieb. Drei Jahre später sei ihr die Leitungsfunktion angeboten worden. Dass daraus 42 Jahre würden, habe sie nicht geahnt.

Viele Herausforderungen

„Ich habe das gefunden, wo ich mich verwirklichen konnte“, sagt die 65-Jährige. Die Vielschichtigkeit der Arbeit sei faszinierend. Sie begleitete das Ende der Kinder-Kur-Zeiten mit und den Beginn der Mutter-Kind-Vorsorge, entwickelte mit ihrem Team Konzepte, hatte verschiedene Bauprojekte zu stemmen, denn die Caritas als Träger investierte laut Andrea Schulze immer wieder.

Die Sozialpädagogin musste Entscheidungen treffen, auch unglückliche. Bei all ihrem Tun habe sie das Prinzip „Schritt für Schritt“ angelegt, wie Straßenkehrer Beppo in Michael Endes „Momo“, erklärt sie. Während ihrer vielen Berufsjahre habe es etliche Herausforderungen gegeben. Die größte sei die Corona-Pandemie gewesen. „Nichts war mehr planbar.“ In diesem Sommer sei „Haus Waldmühle“ – eine anerkannte Einrichtung des Deutschen Müttergenesungswerks – erstmals wieder annähernd voll belegt.

Was sie feststellt mit Blick auf die vergangenen 40 Jahre: „Wir sind viel therapeutischer geworden.“ Die Frauen, die zur Vorsorge kämen, benötigten zunehmend Gespräche, beispielsweise über Ängste, Trauer und Partnerschaft. Und ebenfalls auffällig sei, dass die Zahl derjenigen zugenommen habe, die Angehörige pflegten. Ihren Patientinnen zu helfen, Vertrauen in die eigenen Kräfte zu finden, sei ein Ziel von Andrea Schulze und ihrer Mitarbeiterschaft, ihnen den Weg für später zu ebnen, ein anderes.

„,Man hat mich nicht gehört‘, wäre für mich eine schlimme Rückmeldung“, betont Andrea Schulze. Ihr kommen positive Reaktionen in den Sinn. Die Worte einer Frau: Die schönste Zeit mit ihrer Mutter habe sie im Haus Waldmühle erlebt. Die Worte einer Zwölfjährigen: Weil der Aufenthalt so toll gewesen sei, würde sie dort später gerne arbeiten. Mittlerweile, weiß Andrea Schulze, sei sie erwachsen und auf dem Weg in den Erzieherinnen-Beruf.

Freude empfunden

Für ihre Klinik Mitarbeiter zu finden, sei in der Vergangenheit kein Problem gewesen. Derzeit sei es das schon. Andrea Schulze bezeichnet es gar als Phänomen. In den vergangenen zwei Jahren habe sie bereits mehrere aus dem Team in den Ruhestand verabschiedet. Nun macht auch sie sich auf den Weg in die nächste Lebensphase. Sie sei dankbar für die Jahre in der Mutter-Kind-Klinik. Vom ersten bis zum letzten Tag habe sie Freude empfunden.

Doch jetzt müsse jemand Jüngerer her mit neuem Schwung und neuen Ideen. Annett Radeck wird es sein, sie wird die Leitung der Waldmühle übernehmen. Sie ist diplomierte Sozialpädagogin und Sozialarbeiterin und seit vergangenem Jahr beim Caritasverband für die Diözese Hildesheim angestellt als Bereichsleiterin „Psychosoziales Team“. Sie lebt in Braunlage, wie Andrea Schulze.

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Andrea Schulze, Haus Waldmühle, Caritas, Mutter-Kind-Klinik, Braunlage

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