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Humanitäre Hilfe

Oleschky-Waffenruhe: Evakuierung und Ausgabe von Hilfsgütern

Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez reiste extra über Belarus und Russland in die besetzte Südukraine, um mit den Menschen vor Ort direkt zu sprechen.

Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez reiste extra über Belarus und Russland in die besetzte Südukraine, um mit den Menschen vor Ort direkt zu sprechen. Foto: Uncredited/Office of the Ombudsman of Ukraine/AP/dpa

Dank einer stabilen Waffenruhe können Menschen die russisch besetzte südukrainische Frontstadt Oleschky erstmals seit langem begleitet verlassen. Hilfsgüter werden verteilt. Wie geht es weiter?

Von dpa 30.10.2026, 05:10 Uhr

Oleschky. In der russisch besetzten südukrainischen Frontstadt Oleschky hat eine von den USA vermittelte Hilfsaktion begonnen. Dutzende Tonnen an Hilfsgütern gelangten am vierten Tag einer örtlich begrenzten Waffenruhe in den Ort, der im russischen Angriffskrieg vor vier Jahren zur Frontstadt wurde. Die größte humanitäre Hilfsaktion seit Kriegsbeginn im Februar 2022 ermöglichte es Menschen auch, die Stadt zu verlassen, in der längst nur noch ein Bruchteil der ursprünglichen Bevölkerung lebt. 

Evakuierung mit Bussen in Richtung Halbinsel Krim

An normalen Kriegstagen verhindern ständige Drohnenangriffe und Minen Transporte in und aus der Stadt. Nun konnten Menschen in Busse steigen. Die Gruppe der Evakuierungswilligen wurde geteilt in diejenigen, die nach Russland oder in von russischen Truppen besetzte Gebiete gelangen möchten, und diejenigen, die in den regierungskontrollierten Teil der Ukraine wollen. „Allen wird eine solche Möglichkeit gewährt“, versprach Russlands Menschenrechtsbeauftragte Jana Lantratowa in einem Video.

Ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur, der an einer vom russischen Verteidigungs- und Außenministerium organisierten Reise für Pressevertreter nach Oleschky teilgenommen hat, berichtete von einer erfolgreichen Ausreise der Menschen aus der Stadt. Deutlich mehr Einwohner wählten demnach die Ausreise in die Ukraine als nach Russland oder in die von Russland besetzten Gebiete.

Nach übereinstimmenden Angaben beider Seiten waren 25 Busse mit mehr als 750 Sitzplätzen im Einsatz. Begleitet werde die Kolonne von neun Krankenwagen für den Transport von Bettlägerigen. Haustiere konnten demnach in Käfigen mitgenommen werden. Aus Aufnahmen, die Regierungsstellen veröffentlichten, ging hervor, dass einige Einwohner trotz der Gefahren im Frontgebiet in Oleschky bleiben wollen. 

Vertreter der Kriegsparteien treten gemeinsam auf

„Wir sind in Oleschky angekommen und übergeben den Einwohnern einige Dutzend Tonnen an humanitärer Hilfe - Lebensmittel, Hygienemittel, Treibstoff für Notstromer und andere notwendige Dinge“, teilte Lantratowa der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge mit. Lantratowa reiste zusammen mit ihrem ukrainischen Kollegen Dmytro Lubinez in die Stadt. 

Die Vertreter der Kriegsparteien traten gemeinsam auf - ein seltener Anblick. Bilder zeigten Frauen, von denen einige weinten, am örtlichen Krankenhaus, die die Menschenrechtsbeauftragten umringten und mit ihnen teils Russisch, teils Ukrainisch sprachen. 

Staudamm-Sprengung überschwemmte Stadtgebiet

Oleschky wurde unmittelbar nach Kriegsbeginn im Februar 2022 von russischen Truppen besetzt. Damals hatte die Stadt noch etwa 24.000 Einwohner. Seit dem Abzug der Russen aus der Gebietshauptstadt Cherson im November 2022 ist Oleschky Frontstadt. Die Sprengung des nahen Kachowka-Staudamms beim russischen Rückzug über den Fluss Dnipro führt zur Überschwemmung des Stadtgebiets. 

Nun hält die Waffenruhe für Oleschky und Umgebung bereits mehr als 80 Stunden. „Ich möchte hervorheben, dass es das erste Mal seit dem Jahr 2022 ist, dass eine Waffenruhe an einem so großen Frontabschnitt hält“, sagte der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Lubinez bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Lantratowa in Armjansk auf der Krim. Die Hinreise nach Oleschky führte über die von Russland völkerrechtswidrig annektierten Schwarzmeer-Halbinsel. 

Stabile Waffenruhe ermöglicht Hilfsaktion

In dem jahrelangen russischen Angriffskrieg gibt es trotz internationaler Bemühungen um eine Beendigung des Konflikts kaum nennenswerte Fortschritte. Die US-Regierung von Präsident Donald Trump drängt vor allem die Ukraine seit längerem zu Kompromissen für einen Friedensschluss mit dem Angreifer Russland. Trump hatte im Wahlkampf vor zwei Jahren versprochen, den Konflikt schnell zu lösen. Die größte humanitäre Hilfsaktion seit Kriegsbeginn findet nun wenige Tage vor den wichtigen Zwischenwahlen am Dienstag statt. 

Tote bei der Minenräumung

Bei der Räumung von Minen im Zuge der Hilfsaktion kamen nach Angaben der russischen Menschenrechtsbeauftragten Lantratowa ein russischer Soldat und ein weiterer Mensch ums Leben. Das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigte einen toten Minenräumer. Dieser sei bereits bei den Erkundungsarbeiten am Mittwoch durch einen per Drohne gelegten Sprengsatz ums Leben gekommen. An den Vorbereitungen seien US-Bürger beteiligt gewesen. Etwa 50 Journalisten aus der Ukraine, Russland, den USA und anderen Ländern beobachten die Hilfsaktion. 

Der Ukrainer Lubinez äußerte die Hoffnung, derartige humanitäre Aktionen auch an anderen Frontabschnitten durchführen zu können. Er dankte der First Lady der USA, Melania Trump, auf Englisch für die Vermittlung der Waffenruhe.

Beschwerliche Reise aus der Kampfzone

Einem Bericht des ukrainischen TV-Senders Suspilne zufolge können nun auch viele Menschen über Russland ausreisen, die bei der Überschwemmung des Stadtgebiets 2022 ihre Dokumente verloren haben. „Es gibt viele Menschen, Familien, die keine Dokumente haben, die den Verwandtschaftsgrad zu ihren Kindern bestätigen“, schilderte die Juristin Myroslawa Chartschenko in einer Sondersendung die Problemlage.

Dem ukrainischen Unterhändler David Arachamija zufolge verläuft die Route für die Reise in den von der Regierung in Kiew kontrollierten Teil der Ukraine über die Krim zum Flughafen Anapa in Südrussland. Mit dem Flugzeug sollen die Menschen dann ins belarussische Gomel gelangen und dann mit Bussen schließlich in die benachbarte Ukraine.

Der ukrainische und die russische Menschenrechtsbeauftragte kooperieren eng bei der Hilfsaktion für die russisch besetzte südukrainische Frontstadt Oleschky.

Der ukrainische und die russische Menschenrechtsbeauftragte kooperieren eng bei der Hilfsaktion für die russisch besetzte südukrainische Frontstadt Oleschky. Foto: Uncredited/Office of the Ombudsman of Ukraine/AP/dpa

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