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Fußball-Nationalmannschaft

Rotstift und Füllkrug-Debatte: Klopp fällt Entscheidungen

Bundestrainer Klopp trifft wieder eine Personalauswahl. Die Aufgabe ist groß. (Archivbild)

Bundestrainer Klopp trifft wieder eine Personalauswahl. Die Aufgabe ist groß. (Archivbild) Foto: Christian Charisius/dpa

Jürgen Klopp hat eine große Aufgabe. Der Bundestrainer muss sein Mammutaufgebot verkleinern. Wer darf dabei sein, wenn es um die K.-o.-Spiele der Nations League geht? Ein alter Stürmer polarisiert.

Von Arne Richter und Klaus Bergmann, dpa 04.11.2026, 12:00 Uhr

Frankfurt/Main. Erst die flapsige Aussage zur Champions-League-Taktik des FC Bayern, dann eine Spitze zum fortgeschrittenen Fußballer-Alter von Bundesliga-Toptorjäger Niclas Füllkrug. Jürgen Klopp hat auch zwischen den Herbst-Länderspielen mit lockeren Sprüchen für reichlich Wirbel gesorgt. An seinem Schreibtisch im riesigen DFB-Campus muss er sich jetzt aber fühlen wie ein rigider Sparminister. Sein wichtigstes Utensil ist der Rotstift. 

Wenn Klopp das wegweisende Aufgebot für den Jahresendspurt der Nationalmannschaft in der Nations League zusammenstellt oder besser gesagt, zusammenstreicht, geht es nicht nur um die brisante Frage, ob Füllkrug mit 33 Jahren einen Comeback-Platz erhält. Klopp muss keine Milliarden kürzen, aber bis zur Video-Präsentation am Donnerstag ganz viele Namen von seiner Liste nehmen. 

XXL-Aufgebot keine Option mehr

Aus einem „Pool“ müsse er nun wählen, kündigte der 59-Jährige an. Eingebrockt hat er sich das selbst. Denn das historische und vieldiskutierte 44er-Aufgebot im Zweischichtsystem bei seiner DFB-Premiere vor gut einem Monat ist für die finalen Gruppenpartien in Serbien (13. November) und den Showdown gegen die Niederlande (16. November) nicht mehr praktikabel. 

„Natürlich werden wir da nicht mit 44 Spielern rangehen. Es wird ein kleinerer Kader sein, das ist schon mal klar“, hatte Klopp angekündigt. Aber positiv, wie er grundsätzlich tickt, auch klargemacht: „Wir haben jetzt ganz viele Alternativen auf Positionen.“ Definitiv fehlen werden die verletzten Münchner Jamal Musiala und Serge Gnabry. 

Jetzt muss der Bundestrainer zeigen, auf wen er bei der zweiten Zündstufe des Neuaufbaus wirklich setzt. 23 ist die UEFA-Normgröße für jedes Spiel, mehr als 26 Akteure wird Klopp deshalb kaum berufen. Wer übrig ist, muss in Belgrad und Berlin auf die Tribüne. 

Debütanten mit geringeren Chancen

Seine vielen Debütanten von Mika Baur bis Yannik Engelhardt dürften nur noch geringe Chancen haben. Deutlich mehr als die DFB-Zukunft der September-Überraschungen wie Felix Keidel oder Max Rosenfelder provoziert ohnehin die Personalie Füllkrug. Zumal Klopp selbst mit einem für ihn typisch schnell dahin gesagten Satz die Debatte noch anheizte. 

„Niclas Füllkrug schießt in der Bundesliga ein Tor nach dem anderen, aber er ist 33. Das ist nicht meine Schuld“, sagte der Bundestrainer in einem DAZN-Interview. Sprich: Füllkrug ist seiner Ansicht nach zu alt. Zuletzt spielte der Bremer im Sommer 2025 im Nationaltrikot. 

Niclas Füllkrug polarisiert erneut. Feiert der Stürmer ein DFB-Comeback? (Archivbild)

Niclas Füllkrug polarisiert erneut. Feiert der Stürmer ein DFB-Comeback? (Archivbild) Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Im Für und Wider um den besten Weg der DFB-Elf löste das Thema die üblichen Reflexe aus. Rekordnationalspieler Lothar Matthäus forderte als Sky- und RTL-Experte ein Ticket für den Routinier. Kicker-Kolumnist Thomas Hitzlsperger äußerte sich skeptisch. Eine Meinung zu Fan-Liebling Füllkrug hat jeder. 

Doch jetzt stellt eben Klopp auf. Und dem Bundestrainer geht es vor allem um eine Perspektive. Und um sein System. „Wenn die Spieler beim nächsten Mal ankommen, wird die DFB-Nationalmannschafts-Fußball-Festplatte nicht leer sein. Wir müssen nicht bei null anfangen“, sagte er nach dem 0:0 in Griechenland zum Abschluss des ergebnistechnisch durchwachsenen Viererpacks in dem UEFA-Wettbewerb. 

Klopp wird diesmal deutlich weniger Spieler in die DFB-Elf berufen. (Archivbild)

Klopp wird diesmal deutlich weniger Spieler in die DFB-Elf berufen. (Archivbild) Foto: Christian Charisius/dpa

Das DFB-Team holte nur einen Sieg gegen Schlusslicht Serbien und einen respektablen Punkt in den Niederlanden, kassierte aber eben vor der Nullnummer gegen Griechenland das schmerzhafte 0:1 gegen Hellas. Für das Erreichen des Viertelfinales reichen möglicherweise nicht einmal zwei Siege. Es muss im Wettstreit mit Griechenland und Oranje um einen der beiden Plätze für die K.-o.-Runde kräftig gerechnet werden. 

Im schlechtesten Fall droht die Relegation oder sogar der direkte Abstieg in die B-Liga. Tabellenplatz vier muss zudem unbedingt vermieden werden, denn sonst wäre die DFB-Elf bei der Auslosung der EM-Qualifikationsgruppen nicht einmal im Topf der zwölf Top-Teams. 

Das sind die sportlichen Aufgaben für Klopp. Die personellen sind noch vielschichtiger. Im Angriff ist Kai Havertz (27) gesetzt. Zuletzt waren Nick Woltemade (24) und die Frankfurter Younes Ebnoutalib (23) und Jonathan Burkardt (26) die Perspektivspieler. Allerdings blieben alle ohne Torerfolg. 

Aus der U21 drängen Paris Brunner (20) oder Nicolo Tresoldi (22) nach, der sich aber noch entscheiden muss, ob er für Deutschland oder Italien spielen will. Zwei, maximal drei Plätze hat Klopp ganz vorne zu vergeben. 

Undav sieht keine Chance

Angesichts dieser Fakten hat einer für das Länderspieljahr 2026 schon kapituliert. Deniz Undav, im Sommer noch einer der wenigen WM-Lieblinge, rechnet selbst „gar nicht“ mit einem positiven Klopp-Anruf. „Was soll ich sagen? Ohne Tore schwer dabei zu sein, oder?“, sagte der Stuttgarter. 

Mit und ohne Tore passt Undav nicht in Klopps System mit schnellen Außenstürmern, das die Chancen von Karim Adeyemi und Derry Scherhant in die Höhe treibt. Wie Scherhant ist auch sein Freiburger Kollege Philipp Treu als rechter Außenverteidiger ein Klopp-Gewinner. Doch Treu fehlte zuletzt wegen einer Knöchelblessur. Wird er richtig fit für den Länderspiel-Turn?

Da Stuttgarts Josha Vagnoman mit einer Oberschenkelverletzung definitiv fehlt, könnte sich am rechten Rand der Abwehrkette schon wieder ein Problemfeld auftun. Dem Reflex, Joshua Kimmich zurückzuversetzen, dürfte Klopp wohl widerstehen. Der Wirbel um seinen Kapitän war - auch verursacht durch seine interpretationswürdigen Aussagen - groß genug. 

Kimmich-Debatte beenden

Klopp verbat sich nach dem plötzlichen Tod von Kimmichs Vater verständlicherweise jede weitere inhaltliche Diskussion. Er stellte ohnehin klar, dass der Bayern-Profi „in unserem Team immer einen Platz haben wird.“ Wo der ist und wer neben dem 31-Jährigen spielen wird, ob Aleksandar Pavlovic, Tom Bischof oder Felix Nmecha, das wird sich nun zeigen müssen. 

Spannend bleibt auch die Torwart-Frage. Entscheidet sich Klopp für eine Nummer eins oder wird ein Zweikampf ausgerufen? Routinier Marc-André ter Stegen oder Bayern-Hoffnung Jonas Urbig? Der Bundestrainer muss die Richtung vorgeben.

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