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Nachfolge bei der Notenbank

Poker um EZB-Spitze: Wer folgt auf Christine Lagarde?

Die Führungsetage der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt wird neu geordnet. (Archivbild)

Die Führungsetage der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt wird neu geordnet. (Archivbild) Foto: Boris Roessler/dpa

Die Eurostaaten suchen nach einem neuen Präsidenten für die Europäische Zentralbank. Schon in wenigen Tagen könnte über die Nachfolge von Christine Lagarde entschieden werden. Wer sind die Favoriten?

Von Jörn Bender und Alexander Sturm, dpa 04.11.2026, 05:10 Uhr

Frankfurt/Main. Wer folgt auf Christine Lagarde an der Spitze der Europäischen Zentralbank? Die Staats- und Regierungschefs der 21 Eurostaaten müssen bald eine Lösung finden, denn die Französin hat ihren Rücktritt zum 7. Februar angekündigt. Schon bis diesen Freitag sollen die Euroländer ihre Kandidaten für die EZB-Spitze nominieren, am Montag (9.11.) will die Eurogruppe eine Bestandsaufnahme machen. 

Lagarde wird nur noch die beiden geldpolitischen Sitzungen des EZB-Rates im Dezember und im Februar leiten. Unvorbereitet kam ihre Ankündigung nicht, schon lange wurde spekuliert, die frühere IWF-Chefin werde die Notenbank vor Ablauf ihrer achtjährigen Amtszeit im Oktober 2027 verlassen. Mehrere Namen für die Nachfolge werden gehandelt, auch Bundesbank-Chef Joachim Nagel. Wie die Chancen stehen:

Pablo Hernández de Cos

Der Spanier Pablo Hernández de Cos führt seit dem 1. Juli 2025 die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel, gewissermaßen die Zentralbank der Zentralbanken. Zuvor war er Chef der spanischen Notenbank (2018-2024) und in dieser Funktion Mitglied des EZB-Rats. Hernández de Cos gilt als Vertreter einer eher lockeren Geldpolitik mit niedrigeren Zinsen.

Gilt als ein Favorit im Rennen um die EZB-Spitze: Der Spanier Pablo Hernández de Cos. (Archivbild)

Gilt als ein Favorit im Rennen um die EZB-Spitze: Der Spanier Pablo Hernández de Cos. (Archivbild) Foto: Cézaro De Luca/EUROPA PRESS/dpa

Der 55-Jährige hat an der Universität Madrid in Wirtschaftswissenschaften promoviert. Außerdem hat er Abschlüsse in Betriebswirtschaftslehre und Jura. Seine Karriere begann 1997 bei der spanischen Zentralbank, als er als leitender Ökonom in die Forschungsabteilung der Abteilung für Währungs- und Finanzstudien bei der Banco de España eintrat.

2004 kam Hernández de Cos als Berater des EZB-Direktoriums nach Frankfurt, 2007 kehrte er zur spanischen Zentralbank zurück und übernahm die Leitung des Referats für Wirtschaftspolitik in der Abteilung für Wirtschaftsanalyse und -prognosen. 2015 wurde er zum Generaldirektor für Wirtschaft, Statistik und Forschung ernannt.

Weitere drei Jahre später stieg er zum Chef der spanischen Zentralbank auf. „In dieser Funktion gelang es ihm, das Ansehen der spanischen Zentralbank nach einer Reihe von Fehltritten vor und während der Finanzkrise wiederherzustellen“, schreibt das Nachrichtenmagazin „Politico“.

Für Hernández de Cos spreche, dass Spanien seit Bestehen der EZB noch nie den Vorsitz innehatte, sagt Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. Der Spanier sei in früheren Jahren mit Tönen für eine lockere Geldpolitik aufgefallen. „Ein gemäßigter Geldpolitiker dürfte derzeit von vielen Regierungen bevorzugt werden“, meint Gitzel.

Klaas Knot

Der Niederländer Klaas Knot (59) war 14 Jahre lang - vom 1. Juli 2011 bis zum 30. Juni 2025 - Präsident der niederländischen Zentralbank. Knot hat den Ruf, für eine straffe Geldpolitik zu stehen: Im EZB-Rat stellte er sich offen gegen die zwischenzeitlich sehr lockere Geldpolitik der EZB und ist damit auf Linie der Bundesbank. Von Dezember 2021 bis Juli 2025 war er zudem Vorsitzender des Finanzstabilitätsrats FSB, der Schwachstellen des weltweiten Finanzsystems identifizieren, Vorschläge zu ihrer Beseitigung unterbreiten und deren Umsetzung überwachen soll.

Dem ehemaligen niederländischen Notenbankchef Klaas Knot werden gute Chancen auf die Nachfolge von EZB-Präsidentin Christine Lagarde eingeräumt. (Archivbild)

Dem ehemaligen niederländischen Notenbankchef Klaas Knot werden gute Chancen auf die Nachfolge von EZB-Präsidentin Christine Lagarde eingeräumt. (Archivbild) Foto: Hannes P. Albert/dpa

Geboren am 14. April 1967 studierte Knot später Wirtschaftswissenschaften an der Universität Groningen und promovierte 1995 in Volkswirtschaftslehre zum Thema „Fiscal policy and interest rates in the European Community“ („Finanzpolitik und Zinssätze in der Europäischen Gemeinschaft“).

Knot sammelte erste Erfahrungen bei der niederländischen Zentralbank als Volkswirt (1995-1998) und ging dann zum Internationalen Währungsfonds (IWF) nach Washington (1998-1999), ehe er in die Niederlande zurückkehrte. 

Vor seiner Berufung an die Spitze der niederländischen Zentralbank hatte Knot wiederholt verschiedene Positionen bei der Notenbank inne, arbeitete zwischenzeitlich bei der Aufsichtsbehörde für Renten und Versicherungen (Dezember 2002 bis April 2004) und wechselte vorübergehend ins Finanzministerium seines Heimatlandes: In den Jahren 2009 bis 2011 war er dort stellvertretender Generalschatzmeister und Direktor für Finanzmärkte.

Der verheiratete Vater von zwei Kindern ist Honorarprofessor für Zentralbankwirtschaft an der Universität Groningen und für Währungsstabilität an der Universität Amsterdam.

Joachim Nagel

Joachim Nagel (60) führt seit Januar 2022 die Deutsche Bundesbank. Der promovierte Volkswirt kehrte damit an seine alte Wirkungsstätte zurück: Nagel arbeitete bereits von 1999 an viele Jahre für die Bundesbank. Anfang Dezember 2010 war Nagel in den Vorstand gerückt und dort zum Zeitpunkt seines Abschieds Ende April 2016 für Märkte und Informationstechnologie zuständig.

Bundesbank-Präsident Joachim Nagel traut sich den Wechsel zur EZB zu, ob der Deutsche zum Zuge kommt, ist ungewiss. (Archivbild)

Bundesbank-Präsident Joachim Nagel traut sich den Wechsel zur EZB zu, ob der Deutsche zum Zuge kommt, ist ungewiss. (Archivbild) Foto: Soeren Stache/dpa

Anschließend zog es den gebürtigen Karlsruher zur staatlichen Förderbank KfW, in deren Vorstand Nagel die Verantwortung für die Förderung von Entwicklungs- und Schwellenländern übernahm. Vor seiner Berufung an die Bundesbank-Spitze war Nagel bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) als stellvertretender Leiter der Bankabteilung tätig.

Europas größte Volkswirtschaft Deutschland hatte ebenfalls noch nie den EZB-Präsidentenposten. Bislang gibt es jedoch keine Anzeichen, dass Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) einen Wechsel von SPD-Mitglied Nagel zur EZB unterstützen würde. Als größtes Hindernis gilt, dass bereits die EU-Kommission bei Ursula von der Leyen in deutschen Händen ist. Zwei Deutsche an der Spitze von so wichtigen Institutionen in Europa - das dürfte im Brüsseler Personalpoker schwer zu vermitteln sein.

Die amtierende EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat ihren Rücktritt zum 7. Februar 2027 angekündigt. (Archivbild)

Die amtierende EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat ihren Rücktritt zum 7. Februar 2027 angekündigt. (Archivbild) Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

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