Milliardenauftrag für Windstrom-Plattform geht nach Rostock
Das Joint Venture Neptun Smulders Engineering in Rostock-Warnemünde ist Hauptauftragnehmer. Foto: Bernd Wüstneck/dpa
Für die Anbindung von Windparks auf See an Stromleitungen an Land sind große leistungsstarke Konverter notwendig. Weltweit gibt es dafür nur wenige Anbieter. Deutschland gehört bald dazu.
Berlin/Rostock. Mit einem Milliarden-Auftrag des Stromnetzbetreibers 50Hertz läuft in Deutschland der Bau von Offshore-Konverterplattformen mit einer Kapazität von zwei Gigawatt an. Profitieren wird vor allem der Standort Rostock, wo die fast fußballfeldgroßen Windstrom-Plattformen für den Einsatz auf hoher See gebaut werden sollen. Auftragnehmer ist ein Konsortium aus den Unternehmen Siemens Energy und Neptun Smulders Offshore Renewables, wie 50Hertz in Berlin mitteilte.
Es geht um ein sogenanntes Konvertersystem für das Offshore-Netzanbindungsprojekt North Sea Connector 2. Es bestehe aus einer Plattform auf dem Meer und einer Station an Land. Neptun Smulders ist ein Gemeinschaftsunternehmen der zur niedersächsischen Meyer-Gruppe gehörenden Rostocker Neptun-Werft und des belgischen Stahlkonzerns Smulders. Der Produktionsstart ist laut Meyer Werft für 2028 geplant.
Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (beide SPD) sprachen von einem großen Tag und einem wichtigen industriepolitischen Signal. In Rostock wird den Angaben zufolge der Großteil der Konstruktion und Fertigung erfolgen. Bei Neptun und Smulders sollen laut Schwesig zusammen etwa 500 neue Arbeitsplätze entstehen. Hinzu kämen bis zu weitere 500 Arbeitsplätze bei Zulieferern und Dienstleistern während der Bauphase.
Konverterplattformen sind riesige Anlagen. (Archivbild) Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa
90 Meter lang, 60 Meter hoch
Windparks auf See spielen eine wichtige Rolle bei der Energiewende. Sie sollen Deutschland auch unabhängiger von anderen Energielieferungen machen. Eine Konverterplattform sieht ähnlich aus wie eine Ölbohrinsel. Die beauftragte Plattform ist in etwa 90 Meter lang, 50 Meter breit und 60 Meter hoch. Zum Vergleich: Ein Bundesliga-Fußballfeld misst 105 mal 68 Meter.
Der Konverter wandelt den von Windkraftanlagen auf See produzierten Wechselstrom in Gleichstrom um, der dann an die Küste transportiert und von dort in große Verbrauchszentren im Land verteilt wird. Gleichstrom hat bei langen Transportwegen deutlich geringere Verlustwerte als Wechselstrom.
Es geht um Milliardensummen
Für eine weitere Konverter-Plattform in gleicher Dimension sind laut 50Hertz Verhandlungen mit Neptun Smulders Offshore Renewables aufgenommen worden. Auch dafür sollten wesentliche Komponenten in Rostock-Warnemünde gefertigt werden.
Kommt dieser Auftrag zustande, würden sich die beiden Projekte zusammen auf ein Volumen für Neptun Smulders von rund 2,5 Milliarden Euro überwiegend für Produktion und Dienstleistungen in MV summieren. Die Offshore-Konverter sollen in der Nordsee rund 200 Kilometer westlich der Insel Sylt installiert werden. Das Projekt North Sea Connector 2 solle bis Ende 2034 in Betrieb genommen werden.
Siemens Energy wird die Plattform mit Stromübertragungs-Technologien ausstatten, die ebenfalls überwiegend in deutschen Werken gefertigt seien, wie das Unternehmen mitteilte. Zusätzlich erhielt Siemens Energy einen Service-Vertrag mit einer Laufzeit von bis zu zehn Jahren, der geplante und ungeplante Wartungsarbeiten, IT-Services und Rufbereitschaften umfasst.

Große Konverterplattformen werden auf dem Seeweg transportiert. (Archivbild) Foto: Jens Büttner/dpa
Rückkehr des Konverterbaus nach Deutschland
Die Auftragsvergabe markiere die Rückkehr des Offshore-Konverterbaus nach Deutschland, sagte die Geschäftsführerin der Stiftung Offshore-Windenergie, Karina Würtz. Zuletzt seien entsprechende Systeme bis zur 900-Megawatt-Klasse im Jahr 2018 auf deutschen Werften gefertigt worden. Danach habe sich die Produktion ins Ausland verlagert. Entsprechende Aufträge seien unter anderem nach Spanien, Singapur, Indonesien und in die Vereinigten Arabischen Emirate vergeben worden.
Nach Worten von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zeigt der Auftrag, welches Potenzial in der deutschen Wirtschaft steckt. Sie sprach von guten Nachrichten in Zeiten, die arm an guten Nachrichten seien - die deutsche Wirtschaft steckt seit Jahren in einer Schwächephase. Die geplanten Konvertersysteme gebe es „nicht von der Stange“. Für den Ausbau der Windkraft auf See würden noch viele Konverter gebraucht.
Nach früheren Angaben der Bundesregierung wird erwartet, dass von 2026 bis 2045 allein für den deutschen Markt 33 Plattformen benötigt werden, die jeweils ein Auftragsvolumen zwischen 1,5 bis 2 Milliarden Euro hätten.
Niedersachsens Ministerpräsident Lies betonte die Verbindung von maritimem Know-how und Energiewende-Infrastruktur, die neue Perspektiven für die Küstenregion eröffne. Die Auftragsvergabe zeige, dass die Energiewende nicht nur klimapolitisch notwendig sei, sondern auch konkrete Wertschöpfung, industrielle Kompetenz und zukunftsfähige Arbeitsplätze in Deutschland sichere.
IG Metall: Wichtiger Durchbruch
Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Schwesig sprach von einem großen Tag für ihr Bundesland. Der Großauftrag stärke MV als bedeutenden Werften- und Industriestandort. 50Hertz-Chef Stefan Kapferer sagte, es sei ein gutes Signal, dass eine deutsche Werft beteiligt sei.
Der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Daniel Friedrich, wertete die Entscheidung als wichtigen Durchbruch für den Industriestandort und die Beschäftigten in der Region. „Jetzt kommt es darauf an, dass diesem Auftrag weitere folgen.“

Bundeswirtschaftsministerin Reiche (CDU. l) und MV-Ministerpräsidentin Schwesig (SPD) waren bei der Bekanntgabe der Aufträge dabei. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Ministerpräsidentin Schwesig fuhr nach der guten Nachricht auf die Neptun Werft. Foto: Bernd Wüstneck/dpa