96-Fehlstart für Wagner: Viel Druck vor Nordduell
Sandro Wagner arbeitet bei seinem Zweitliga-Debüt als Trainer von Hannover 96 leidenschaftlich an der Seitenlinie. Foto: Andreas Gora/dpa
Von einem Trainereffekt kann man nicht sprechen. Die Premiere von Sandro Wagner als Hannover-Coach misslingt beim 0:3 in Magdeburg gewaltig.
Magdeburg. Mit tief ins Gesicht gezogener Basecap und heiserer Stimme versuchte sich Sandro Wagner an einer Erklärung. Für einen mehr als missglückten Einstand. Denn kurze Zeit zuvor hatte der Ex-Profi bei seiner Premiere als Trainer von Hannover 96 eine deftige Pleite erlebt.
„War klar, dass nicht von Anfang an alles flutscht“, sagte der 38-Jährige nach dem 0:3 (0:2) beim 1. FC Magdeburg. Der frühere Bundesliga-Profi stellte aber auch klar: „Im Endeffekt ist es ja egal, was meine Gefühle sind. Es geht um die Mannschaft und um den Verein.“
Wagner: „Viele Themen vor der Brust“
Die 96er waren beim FCM in vielen Belangen unterlegen. Die Sportschau schrieb nach der verdienten Pleite von einem „Albtraum-Start“. Die „Bild“ nannte die Premiere Wagners ein „Katastrophen-Debüt“.
Der Nachfolger von Christian Titz hätte sich die erste Partie mit den Niedersachsen sicherlich ganz anders vorgestellt. Der Verein, der in der vergangenen Saison knapp am Aufstieg gescheitert war, spielt aktuell weit unter seinen eigenen Erwartungen. Der Abstand zu den Aufstiegsrängen ist groß.
„Wir wussten, dass es ein Prozess wird. Wir wussten, dass wir viele Themen vor der Brust haben. Das Ergebnis hätten wir uns natürlich schöner vorgestellt“, sagte Wagner. Wenn man die Einzelthemen rund um die Mannschaft betrachte, „dann müssen wir weiter hart dran arbeiten und uns dann hoffentlich nächstes Wochenende belohnen“, stellte er klar. In der kommenden Woche empfangen die Hannoveraner am Samstagabend Bundesliga-Absteiger FC St. Pauli zum anspruchsvollen Nordduell.
Wagner betonte beim Sender Sky, dass er sein Engagement in Hannover vor allem unter der Überschrift Entwicklung sehe. Man dürfe bei Siegen nicht ausflippen und bei Niederlagen nicht alles schlechtreden. „Wir müssen sehen, dass wir zusammen etwas Cooles erarbeiten.“
Als Trainer steckt Wagner auch noch selbst in der Entwicklung. Zwar feierte er mit der SpVgg Unterhaching 2023 den Drittliga-Aufstieg und griff dem früheren Bundestrainer Julian Nagelsmann als Assistent unter die Arme. Doch sein erster Bundesliga-Job als Coach des FC Augsburg scheiterte vergangene Saison nach nur zwölf Partien und acht Pleiten.
Wagner will, „dass wir Fehler machen“
Ein ähnliches Schicksal will er mit den Niedersachsen dringend vermeiden. Sein Team sei „maximal schlecht“ ins Spiel gestartet, bedauerte Wagner. In der ersten Halbzeit hätten die 96er in vielen Momenten keinen Zugriff gehabt. Ein grober Schnitzer leitetet das 0:1 ein: Torhüter Leo Weinkauf, der den Vorzug vor Pascal Loretz erhalten hatte, setzte Franz Roggow mit einem riskanten Anspiel unter Druck. Den Klärungsversuch lenkte Moritz-Broni Kwarteng in das Tor der Gäste.
Fußball sei ein „Fehlersport“ sagte Wagner bei Sky mit Blick auf das 0:1 in der dritten Minute. „Ich will, dass wir Fehler machen“, sagte Wagner: „Wir müssen eine Kultur haben, wo man sich was traut. Wenn man nichts mehr machen darf, wird es schwierig.“
Vor 26.502 Zuschauern erhöhte Emmanuel Iyoha (30.) auf 2:0. Danach gelang es den Niedersachen nicht, dem Spielgeschehen eine Wende zu geben, stattdessen machte Mateusz Zukowski (86.) alles klar.
Hartel trifft nur den Pfosten
Während Magdeburg, bedingt durch die frühe Führung, sein Spiel durchziehen konnte, gab es bei den Gästen nur bedingt gute Ansätze zu sehen. Auffallend war das hohe, intensive Pressing, womit dem FCM Stress bereitet wurde. Doch die 96er machten zu viele Fehler in der Defensive. Die beiden ersten Gegentore entsprangen individuellen Problemen, die Magdeburg gnadenlos bestrafte.
Nach der Pause wartete Magdeburg ab, was den Gästen einfällt. Das war nicht viel. Marcel Hartel (72.) traf nur den Pfosten. Danach plätscherte die Partie vor sich hin, ehe ein Magdeburger Konter den Schlusspunkt setzte.