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Moment mal: Weihnachtsmarkt in Quedlinburg

Lichterglanz im Hochinzidenzgebiet ohne Einreiseverbot

Lichterglanz im Hochinzidenzgebiet ohne Einreiseverbot

In Goslar und Wernigerode wurden die Weihnachtsmärkte wegen der Corona-Pandemie abgesagt, andererorts wurden sie nach kurzer Zeit abgebrochen - doch in Quedlingburg findet der Weihnachtsmarkt und der "Advent in den Höfen" statt. Und das trotz einer Inzidenz, die nahe bei 1000 liegt.

Von Oliver Stade Samstag, 04.12.2021, 19:15 Uhr

Man muss nicht alles verstehen, in diesen Tagen. Ohnehin wird einem regelrecht schwindelig: 3G, 2G, 2G-Plus, boostern, Herdenimmunität – meine Güte, allein das Wortgeklingel ist herausfordernd. Wir wollen daher bei einfachen Themen bleiben, bei Weihnachtsmärkten etwa.

In Goslar und Wernigerode wurden sie vorsichtshalber abgeblasen, wegen der Coronagefahr und der vielen Auflagen. Andere wie Göttingen und Halberstadt haben ihren Markt erst tapfer eröffnet und dann nach wenigen Tagen reumütig abgebaut. Daneben gibt es regelrechte Weihnachtsmarkt-Widerstandsnester wie Quedlinburg, das trotz einer weltrekordreifen Corona-Inzidenz im Harzkreis, die nahe 1000 liegt, auf den beliebten „Advent in den Höfen“ nicht verzichtet und sich dazu noch einen Weihnachtsmarkt leistet.

Der Zugang zum Budenzauber wurde mittlerweile verschärft, von 2G auf 2G-Plus. Weil die geimpften und genesenen Besucher sich nun testen lassen müssen, stehen sie nicht nur an den Buden an, sondern schon vorher im Testzentrum. So etwas stärkt das Gemeinschaftsgefühl. Das geschieht in einem Landkreis mit einem Landrat, dem ein Durchgreifer-Image anhaftet, spätestens seit er vor zwei Wochen für die Innenstädte von Wernigerode und Quedlinburg eine Maskenpflicht angeordnet hat.

Wir wollen nicht nachtragend sein, aber ohnehin scheut Sachsen-Anhalt im eisernen Kampf gegen Corona vor ungewöhnlichen Maßnahmen nicht zurück. Ende März hatte Ministerpräsident Reiner Haseloff mit einer Verordnung verblüfft, die an Reiseregularien der DDR erinnert. Zum Schutz vor der Ausbreitung des Coronavirus waren Ausflüge im und ins Bundesland verboten.

Brockenwanderer wurden auf dem Heinrich-Heine-Weg in Ilsenburg zwar nicht von unbeirrbaren Corona-Kräften festgenommen, so weit bekannt ist. Aber Ilsenburgs Bürgermeister Denis Loeffke, eigentlich ein sachlicher Zeitgenosse, hatte die Maßnahme mit derartiger Leidenschaft verteidigt, dass man ihm zutrauen musste, er werde höchstselbst tätig, um Autofahrern mit Kennzeichen aus dem Kreis Goslar auf den Parkplätzen im Ilsetal klar zu machen, dass sie flugs die Rückreise anzutreten haben.

Seinerzeit hatte das Gesundheitsamt Goslar Kenntnis von 40 (!) bestätigten Corona-Fällen, im Harzkreis waren 29 Infizierte bekannt. Heute infiziert sich im Ostharz beinahe täglich ein komplettes Dorf.

Am Donnerstag etwa wurden 379 Neuinfektionen gemeldet. Aber Quedlinburg feiert den adventlichen Lichterglanz beharrlich wie einst die unbeugsamen Gallier ihre Wildschweingelage. Immerhin: Von einem abermaligen Einreisestopp nach Sachsen-Ein- äh: -Anhalt ist aktuell nichts bekannt. Aber man kann ja nie wissen. Das wusste zum Beispiel der große Dadaist Kurt Schwitters schon lange vor Corona. 

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