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„Unser Dorf" mit Beiträgen zur Heimatgeschichte

Ostharingens Kirchturmwappen im Zentrum neuer Broschüre

Thomas Capelle präsentiert die neue Broschüre „Unser Dorf“, die jetzt an die Haushalte verteilt wird.  Foto: Hohaus

Thomas Capelle präsentiert die neue Broschüre „Unser Dorf“, die jetzt an die Haushalte verteilt wird. Foto: Hohaus

Seit 2015 ist Thomas Capelle der Ortsheimatpfleger von Ostharingen, einem Ortsteil der Gemeinde Liebenburg mit etwa 250 Einwohnern. Jetzt hat er gemeinsam mit Elke Rühe die neue Broschüre „Unser Dorf“ herausgebracht.

Von Helmut Hohaus Mittwoch, 15.12.2021, 11:00 Uhr

Ostharingen. Im Juli wurde Capelle nach 33 Jahren als Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Hordorf-Essehof-Wendhausen in den beruflichen Ruhestand entpflichtet. Mit Ostharingen ist der Ortsheimatpfleger jedoch schon lange verbunden, denn seine Eltern lebten im Dorf und er hat dort zusammen mit seiner Ehefrau das Elternhaus übernommen.

Er ist auch Mitglied im Braunschweiger Geschichtsverein. Bereits 2009 erschien „Ostharingen – Ein Zwischenbericht“ von Herbert Schulze und Siegfried Stein; es handelt sich um eine ausführliche Ortschronik von mehr als 300 Seiten. Im Jahr 2010 folgte „Ostharingen – eine Nachlese“, der Freundeskreis Kubitschke, Schulze und Stein ergänzte den „Zwischenbericht“ um weitere 260 Seiten. „Was bleibt einem Ortsheimatpfleger noch, um die Erinnerungen an die Geschichte des Dorfes zu pflegen, wenn bereits so ausführliche und wertvolle chronistische Werke vorliegen?“, fragte sich Capelle.

„Natürlich gibt es keinen Schluss einer geschichtlichen Betrachtung; auch könnte man sehr vieles sehr ausführlicher schreiben“ – diesen Hinweis aus dem Vorwort der Ostharinger Chronik nahm Capelle ernst und sah für sich damit einen Spielraum, das bereits historisch Erschlossene zu ergänzen und zu vertiefen. Das Turmwappen der Kirche wurde für ihn der Ausgangspunkt für weitere Nachforschungen zu den mittelalterlichen Verhältnissen von Ostharingen. Am Ende entstand eine Broschüre von 30 Seiten: „Unser Dorf –Beiträge zur Ortsheimatgeschichte“.

Das Ortswappen von Ostharingen sind zwei schräg gekreuzte Heringe, diese zieren das Erkennungszeichen der Gemeinde an Feuerwehrfahrzeugen und Uniformen. Von 1133 an bis ins 13. Jahrhundert findet man in Urkunden der Hildesheimer Bischöfe immer wieder Mitglieder der Familie von Haringen, die als Zeugen dieser Urkunden auftreten und offenkundig Bewohner des heutigen Ostharingen waren oder ihren familiären Ursprung in dieser Siedlung besaßen. Wer stiftete die Ostharinger Kirche? Der Grund und Boden des heutigen Kirchhofes sowie der errichtete Kirchbau könnten bereits in karolingischer Zeit des 9. Jahrhunderts durch einen Adligen aus Sachsen oder dem Fränkischen dem Bischof von Hildesheim übereignet worden sein, denn die OstharingerKirche stellt eine bischöfliche Eigenkirche dar.

Der Bischof besaß in Ostharingen eine Villikation, also einen mittelalterlichen Herrenhof, den die Mitglieder der Familie von Haringen vor Ort verwalteten. Das ursprüngliche Namenspatrozinium (Kirchenname) der Ostharinger Kirche ist unklar. Laut Erbregister soll es Stephanus sein. Durchaus denkbar wäre auch, dass die Köpfe an der Westseite der Kirche die Heiligen Cosmas und Damian repräsentieren, die als Namensgeber vieler Kirchen im Bistum Hildesheim sehr beliebt waren.

Angesichts eines alten Wandbildes, das leider übertüncht wurde, liegt die Vermutung nahe, dass die beiden Köpfe die Heiligen Simon und Judas darstellen. Somit wäre die Ostharinger Kirche wie der Goslarer Dom nach den Märtyrern Cosmas und Damian benannt worden. Wenn es die Zeit erlaubt, soll die Broschüre „Unser Dorf“ einmal im Jahr gegen Jahresende erscheinen und weitere Themen, die von heimatgeschichtlichem Interesse sind, aufgreifen. Künftig, ab der nächsten Ausgabe, sollen die einzelnen örtlichen Vereine und die Kirchengemeinde auch die Möglichkeit haben, in „Unser Dorf“ einen kurzen Jahresrückblick aus ihrer Arbeit vorzustellen.

Ein ganz besonderes Verdienst hat sich bei der Herausgabe von „Unser Dorf“ Elke Rühe aus Ostharingen erworben; sie hat das Heft durch ein professionelles Layout zu einer ansprechenden Broschüre gestaltet. So gesehen ist „Unser Dorf“ ein Gemeinschaftswerk von Thomas Capelle und Elke Rühe.

„Unser Dorf“ wird noch vor Weihnachten an alle 100 Haushalte kostenlos verteilt. Wer zusätzlich an einem weiteren Heft oder mehreren Heften interessiert ist, kann diese, solange der Vorrat reicht, bei Thomas Capelle gegen eine Spende für die Ortsheimatpflege erhalten. Von den Spenden können dann die Druckkosten der nächsten Ausgabe mitfinanziert werden. Ein besonderer Dank geht an die Ortsheimatpflege der Gemeinde Liebenburg für einen Druckkostenzuschuss, ohne den die Publikation nicht hätte erscheinen können.

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Das Dorf Ostharingen aus der Vogelperspektive gesehen.

Das Dorf Ostharingen aus der Vogelperspektive gesehen.

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